IIeX Europe in Amsterdam

Make Market Research Great Again

Didier Truchot, Gründer und CEO von Ipsos, ist optimistisch gestimmt
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Didier Truchot, Gründer und CEO von Ipsos, ist optimistisch gestimmt
Die Keynote Speaker der IIeX Europe versprühten viel Optimismus. Der zweitägige Kongress des amerikanischen Infodienstes Greenbook ist traditionell neuen Entwicklungen und Techniken sowie jungen Unternehmen gewidmet. 600 Marktforscher treffen sich in diesem Jahr in Amsterdam.

Einer der Großen der Branche nahm das Wort zuerst in den Mund: Didier Truchot, Gründer und CEO von Ipsos, sprach über Optimismus. In fast 50 Jahren Erfahrung in der Branche hat er eine rasante Entwicklung miterlebt. Von Zeiten als Studien monatelang vorbereitet und durchgeführt wurden bis sie dann in einem Archiv verschwanden bis zur heutigen schnellen, agilen, ungeduldigen Ära, die freilich auch ihre Schattenseiten habe. Er verweist dabei auf die in Deutschland von Spiegel Online aufgebrachte Diskussion um die Qualität der Erhebung. Seiner Meinung nach habe die Marktforschung aber gezeigt, dass sie in der Lage ist, für Unternehmen einen Benefit zu erzeugen. Und in den kommenden fünf Jahren werde der Wandel noch einmal schneller voran gehen. Sein Rat an alle anwesenden Forscher: listening, learning, moving.

Stan Sthanunathan, als Executive Vice President zuständig für Consumer & Market Insights beim Weltkonzern Unilever, will die Marktforschung in die Mitte des Unternehmens rücken und ihren Stellenwert dramatisch erhöhen: „I have the answer, what is the question“, so sein Credo. Und er geht sogar noch einen Schritt weiter: Wenn einer im Unternehmen eine Frage hat, soll er die Antwort selbst herausfinden. Die Instrumente dafür steuert freilich die Marktforschung.

Stan Sthanunathan, Executive Vice President Consumer & Market Insights Unilever,: „I have the answer, what is the question“
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Stan Sthanunathan, Executive Vice President Consumer & Market Insights Unilever,: „I have the answer, what is the question“
So werden 70.000 Studien des Konzerns über ein Knowledge Management System jedem Mitarbeiter verfügbar gemacht. Mit Hilfe von Maschine Learning werden Produkte schneller entwickelt und auf den Markt gebracht. Denn für Sthanunathan ist Künstliche Intelligenz weder Freund (friend) noch Feind (enemy), sondern eine Mischung aus beidem (Frenemy). Dazu gehört auch der Kontakt mit den Konsumenten. Mit Hilfe des Dienstleisters discuss.io werden via Videoübertragung Einblicke in Gruppendiskussionen möglich, die weit entfernt, womöglich auf einem anderen Kontinent stattfinden. Und schließlich weist er darauf hin, dass Verbraucher die Insights auch ganz von alleine liefern, indem sie im Call Center anrufen und Lösungen für ihre Probleme suchen. Diese Einblicke sollten ebenfalls besser genutzt werden. Mit solch einem Selbstverständnis und entsprechenden Möglichkeiten in einem Weltkonzern fällt es Sthanunathan leicht zu fordern „ make market research great again“.



Stephen Phillips, CEO von Zappi Store, zeigt mit welchen Instrumenten heutzutage Marktforschung betrieben wird: faster, cheaper, better. Seine Plattform will mehr als ein Store für automatisierte Mafo-Tools sein. Installiert in einem Unternehmen und gefüttert mit zahlreichen Insights aus verschiedensten Studien kann es zu einer Insight Engine werden und zu einem „exponentiell besseren Verständnis der Konsumenten“ führen.
Stephen Phillips, CEO von Zappi Store, über faster, cheaper, better
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Stephen Phillips, CEO von Zappi Store, über faster, cheaper, better
Dieses bessere Verständnis wird immer mehr getrieben von Künstlicher Intelligenz, aber auch von Behavioural Economics. Die Einsicht, dass Menschen spontan entscheiden, dass sie sich von ihrem sozialen Umfeld beeinflussen lassen und dass diese Erkenntnisse unbedingt für die Marktforschung verfügbar gemacht werden müssen, wurden in einem spielerischen Format unter Einbeziehung des Publikums von Annelies Verhaeghe, Managing Partner von inSites Consulting, demonstriert. Ihre Sparringspartner auf der Bühne: John Kearon (CEO, System1 Group), Mark Earls (HERDmeister) und Marlies Kerklaan (Managing Director Benelux, Research Now SSI).
Behavioural Economics in der Diskussion
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Behavioural Economics in der Diskussion
Auf drei Bühnen konnte man im Laufe des ersten Tages weitere Einblicke in moderne Methoden gewinnen: Praxisbeispiele von Unternehmensseite und Automatisierte Techniken außerdem stellten sich junge innovative Unternehmen im Rahmen der Insights Innovation Competition vor. Am Ende des Kongresses werden die Gewinner vorgestellt. planung&analyse wird berichten.


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