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GfK-Verein gibt Investor Platz für Entscheidungen

Gerhard Hausruckinger, Sprecher des Vorstands und CCO (Foto: GfK)
Gerhard Hausruckinger, Sprecher des Vorstands und CCO (Foto: GfK)
Der Anfang Dezember bekannt gewordene Plan, dass KKR bei GfK einsteigen will, nimmt Gestalt an. Nach sorgfältiger Prüfung empfehlen die Gremien des Marktforschers den Aktionären den Verkauf ihrer Anteilsscheine. Haupteigner GfK-Verein räumt dem Investor Raum für weitreichende Entscheidungen für das Unternehmen ein.

Ende des Jahres haben Vorstand und Aufsichtsrat der GfK SE eine 40seitige Stellungnahme veröffentlicht und den Aktionären die Annahme des Angebotes der Acceleratio Capital NV, kontrolliert durch KKR, zur Übernahme der Aktien für 43,50 Euro pro Stück empfohlen.



Der Ausblick für das Jahr 2017 sei weiterhin geprägt von einer herausfordernden Wettbewerbssituation, heißt es in dem Papier. Insbesondere die Audience Measurement Verträge in Brasilien und Saudi Arabien laufen nicht so wie geplant. Der Umsatz wird für 2016 unter dem des Vorjahres erwartet. Das angepasste operative Ergebnis wird sich deutlich verschlechtern.


Was sind die Ziele der GfK?

Der Hintergrund der geplanten Beteiligung ist vor allem ein Zukauf von Know-how und Zugang zu einem Netzwerk, das KKR haben soll. Vorstand Gerhard Hausruckinger nannte diese Beweggründe bereits bei einer Pressekonferenz Anfang Dezember. KKR habe zahlreiche Unternehmen, unter anderem auch den Marktforscher Nielsen, bereits in seinem Beteiligungsportfolio gehabt und ein großes Know-how vor allem in Bezug auf digitale Entwicklungen erworben.

Frisches Geld wird somit in die Kassen der GfK durch dieses Vorhaben nicht fließen. „Wir haben ja auch kein Finanzierungsproblem“, sagt dazu ein Sprecher des Unternehmens. Der Cashflow hat sich nach neun Monaten laut Hausruckinger verbessert; das angepasste operative Ergebnis lag über 100 Millionen Euro. Die Marge hat sich zwar verschlechtert, lag aber zuletzt noch bei 9,4 Prozent.

In der Stellungnahme zu dem Angebot schreiben Vorstand und Aufsichtsrat: das Ziel der Partnerschaft sei die „zukünftige Geschäftstätigkeit von der GfK SE zu überprüfen und zwar mit dem Ziel, den Erfolg der GfK SE zu maximieren.“

Wer hat das Sagen bei GfK?

Um das Know-how von KKR ins Boot zu holen, werden den Beratern drei Plätze im Aufsichtsrat eingeräumt, unabhängig vom dann erreichten Aktienanteil. Dieser kann zwischen 18,54 und 43,54 Prozent liegen, je nachdem wie viele der freien Aktionäre ihre Anteile mit dem angebotenen Aufschlag von über 40 Prozent (zum Zeitpunkt der Bekanntmachung) versilbern wollen. KKR hat somit künftig genauso viel zu sagen wie der GfK-Verein, der allerdings seine Mehrheit auf jeden Fall erhalten will.

Dies wird an mehreren Stellen in der Stellungnahme betont. Der GfK-Verein besitzt derzeit 56,46 Prozent und will auch mittel- bis langfristig mindestens eine Aktien-Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktien halten und außerdem eine jährliche Finanzausschüttung von 10 Millionen Euro pro Jahr bekommen. Das bedeutet, dass bei eventuellen Zukäufen der GfK kein oder kaum zusätzliches Eigenkapital aufgenommen werden kann, damit der Anteil des Vereins nicht verwässert wird.

Um die nötigen Maßnahmen abzustimmen werden GfK-Verein und Acceleratio ein sogenanntes Steering Committee einrichten und je zur Hälfte mit Vertretern besetzen. Beide Partner haben dort gleiches Stimmrecht. Unter bestimmten Voraussetzungen, die nicht genauer genannt werden, habe Acceleratio dort sogar ein Alleinentscheidungsrecht, so das Papier. Der eigentliche Gesellschaftervertrag , der zwischen dem GfK-Verein und Acceleratio verfasst wurde, liegt weder dem Unternehmen noch dem Aufsichtsrat vor.

Wer ist der Bieter?

Bei der Bieterin handelt es sich genauer gesagt nicht um KKR, sondern um Acceleratio Capital N.V. Das Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden wurden offensichtlich nur zum Zwecke der Partnerschaft mit dem GfK-Verein Mitte November gegründet. Es wird laut den Angebotsunterlagen „mittelbar von der KKR Management LLC beherrscht“, was sich durch ein Beteiligungssystem von nicht weniger als 14 Unternehmen darstellt.

Seit 21. Dezember läuft die Frist für die Aktionäre. Sie können ihre GfK-Anteilsscheine noch bis 10. Februar für 43,50 Euro verkaufen. Die maximalen Gesamtkosten für Acceleratio könnten somit 711,6 Millionen Euro, inklusive 20 Millionen Euro Transaktionskosten, betragen.

Ein Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag soll nicht geschlossen werden, heißt es. Weiterhin wurde vereinbart, dass der Firmensitz in Nürnberg bleibt und Verkäufe oder Personalveränderungen im großen Stil seien nicht geplant.

Dass der Firmensitz in Nürnberg bleibt, war wohl nicht nur für die Mitarbeiter ein wichtiger Punkt. Kurz vor Weihnachten hat GfK einen Mietvertrag für einen neuen Hauptsitz unterschrieben. Ein noch zu errichtender Gebäudekomplex soll im innenstadtnahen, Kohlenhof genannten Areal ab Ende 2019 der neue und einzige Nürnberger GfK-Standort werden. (hed)
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