Die Akte Marktforschung von Spiegel Online

Der Spiegel legt nach

Spiegel TV berichtete über Methoden in der Marktforschung
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Spiegel TV berichtete über Methoden in der Marktforschung
Am Samstag veröffentlichte das Nachrichtenmagazin weitere Nachrichten und Kommentare zu den vom Online-Portal aufgedeckten Praktiken nach denen Telefon-Interviews angeblich massenhaft gefälscht wurden. Im gedruckten Spiegel am Samstag wird ein Interview mit Manfred Güllner von Forsa veröffentlicht. Am Sonntag folgt das Magazin Spiegel TV auf RTL und ein Betrag über eine Interviewerin, die bei einer renommierten Umfrage des Soziooekonomischen Panel (SOEP) beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Fragebögen, die eigentlich Flüchtlinge beantworten sollte, selbst ausgefüllt hat.

Der Bericht in der Fernsehsendung Spiegel TV am Sonntagabend auf RTL hat wenige zusätzliche Informationen oder Belege zum angeblichen Pfusch in der Marktfroschung gebracht. Der Kronzeuge des Nachrichten-Portals, Martin Thöring, nannte Namen von Markenartikeln, deren Umfragen er nach eigenem Bekunden selbst ausgefüllt haben will und zeigt eine große Tüte mit Proben, die eigentlich an Teilnehmer von Umfragen ausgeteilt werden sollten. Der Geschäftsführer eines der beiden beschuldigten Feldinstitute wurde auf offener Straße mit dem Mikrofon bedrängt. Das war alles. Keine weiteren Enthüllungen, keine weiteren Namen.

Wesentlich interessanter ist ein Beitrag, der gar nicht unter der „Akte Marktforschung“ läuft. Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) hat Mitte Dezember bekannt gegeben, in einem Datensatz betrügerische Interviews entdeckt zu haben. Durchgeführt hatte die Befragung zur Lebenssituation von Flüchtlingen Kantar Public. Dem Institut war auch der Fehler aufgefallen und es wurde aufgedeckt, dass ein Interviewer die Fragebögen selbst ausgefüllt hatte. Sechs Prozent der Fragebögen waren betroffen. Das SOEP hatte eine ausführliche Stellungnahme und Korrektur der Ergebnisse veröffentlicht. Die Abweichungen liegen innerhalb des statistischen Fehlers. Der Bericht über diesen Vorgang ist nicht nur in einem wesentlich sachlicheren und informativen Ton geschrieben als die Berichte der Akte Marktforschung, sondern zeigt auch, dass die Kontrollinstanzen – zumindest manchmal – gut funktionieren.

Im gedruckten Spiegel, der am Samstagmorgen erschien, wurde dem Forsa-Chef Manfred Güllner Gelegenheit gegeben, sich zu der Causa zu äußern. Güllner bestätigt, was alle wissen: Es gibt „Scharlatane und Gauner“. Er sagt aber auch, dass die Möglichkeit zum Betrug durch computergestütze Telefoninterviews und zahlreiche Kontrollen geringer als zur Paper & Pencil Zeit sei. Er verlasse sich lediglich auf sein eigenes Telefonstudio. Über die Bedeutung spezialisierter Felddienstleister für die Branche könne er aber keine Aussage machen, heißt es. Güllner vergisst in dem Interview auch nicht zu sagen, welche Bedeutung den Auftraggebern in den Unternehmen zukommt: „Mein Appell an die Kunden: nicht nur auf den Preis gucken, sondern auch auf die Qualität.“

Ein weiterer konkreter Fall zu einem Krebsmedikament wird ebenfalls im gedruckten Spiegel publiziert. CSI International sollte im Jahr 2015 im Auftrag der GfK eine Telefonbefragung von Ärzten durchführen. Der auf medizinische Befragungen spezialisierte Felddienstleister habe die Befragungen aber an ein Subunternehmen weitergeleitet, der diese dann auf Anweisung von CSI gefälscht habe, so schreibt Der Spiegel in einem Bericht.

Diese Sub-Subunternehmen werden übrigens in der gesamten Berichterstattung des Spiegels nicht beim Namen genannt. Von den vielen Mitarbeitern von Instituten, mit denen die Redaktion laut eigenen Aussagen gesprochen haben will, wird auch lediglich Martin Thöring erwähnt.




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