mafo.spitze

Datenschutz? ja, aber...

Meinungsbeiträge von Fachleuten aus der Marktforschung. Frech, zugespitzt und streng subjektiv.
© Instantly
Meinungsbeiträge von Fachleuten aus der Marktforschung. Frech, zugespitzt und streng subjektiv.
Mit dem Aufkommen von Big Data steht die Branche an einer Weggabelung. Um überlebensfähig zu bleiben, muss die Marktforschung die Vorteile, die Big Data ohne Zweifel bieten kann, unter Beibehaltung ihrer hart erkämpften Reputation in Sachen Datenschutz zusammen bringen.
In ihrer Geschichte hat die Marktforschungsbranche stets einen sehr hohen ethischen Anspruch zum Thema Datenschutzes vertreten. Kontroversen wurden tunlichst vermieden, da sich die Panelteilnehmer immer zu 100 Prozent im Klaren darüber sein müssen, wofür sie ihre Daten zur Verfügung stellen. Nichts erfolgt hinter den Kulissen oder ohne explizites Opt-in.

In einer Zeit, in der Kunden schneller als je zuvor nach Informationen rufen, muss die Marktforschung auch ihr Alleinstellungsmerkmal verteidigen: Die genaue Beantwortung der wichtigen Warum-Frage und nicht einfach nur die Frage nach dem „Was?“. In einer Welt von Daten auf Knopfdruck, ist es schwierig für die Marktforschung relevant zu bleiben. Hinsichtlich der Geschwindigkeit, mit der Daten heute zur Verfügung gestellt werden können, kann mit alten Verfahren und Methoden niemand mithalten.



Also sollte die Marktforschung Big Data mit innovativen Technologien fusionieren und passive sowie aktive Informationen mit einbeziehen. Wenn wir in der Lage sind, Daten schon vorab zu gewinnen – sei es verhaltens-, stimmungs- oder meinungsgetrieben – dann wird die Anzahl der Fragen, die Umfrageteilnehmer beantworten müssen, geringer. So können auch Erinnerungsfehler reduziert werden, die oft in Studien auftreten, wenn zwischen der Wahrnehmungen und der Reaktion von Panelteilnehmern zu viel Zeit verstreicht.


Der Einsatz neuer Technologien in der Marktforschung ist somit unabdingbar, um das „Geschwindigkeitsproblem“ zu lösen und in einer schnelllebigen Business-Welt relevant zu bleiben. Zum Beispiel eine Technologie, die es erlaubt zu erkennen, ob ein Proband einen bestimmten Banner auf seinem Smartphone gesehen hat. Mit Zustimmung der Teilnehmer können deren weitere Aktionen passiv nachverfolgt werden. Zu erkennen sind dann Änderungen im Konsumverhalten, Besuche im stationären Handel und anderes. Zudem könnten dieselben Probanden mit In-Store Umfragen in Echtzeit befragt werden. Das Zusammenführen dieser Daten mit Point-of-Sale-Daten und Daten aus weiteren Informationsquellen verschafft eine breitere Sicht auf den Umfrageteilnehmer. Das Erstellen von Umfragen mit wesentlich weniger Fragen und schnellen Ergebnissen wird so möglich.

Nach einer kürzlich von Instantly in Großbritannien durchgeführten Online-Studie sind von 1.000 Erwachsenen 62 Prozent der Meinung, dass sie von Big Data profitieren könnten, wenn Marktforschungsumfragen dadurch relevanter und kürzer werden. Damit ist der Datenschutz natürlich nicht vom Tisch. Etwa 71 Prozent bestätigen, dass Datenschutz und Datensicherheit für sie weiterhin ein wichtiges Anliegen bleibt.

Kommuniziert man jedoch die Vorteile von Big Data klar und verständlich, dann sind die Verbraucher eher bereit, ihre Daten preiszugeben. Nur 28 Prozent der Befragten in Großbritannien fühlten sich unwohl bei dem Gedanken, dass Marktforschungsinstitute persönlichen Daten an werbetreibende Unternehmen weitergeben, um so zusätzlich zu den Umfragedaten tiefere Erkenntnisse zu erhalten.

Unsere Branche steht vor großen Herausforderungen, gleichzeitig aber auch vor großen Chancen. Die Zukunft unserer Branche haben wir selbst in der Hand: Es kommt darauf an, wie schnell wir uns auf die Stimmungslage der Verbraucher und nicht zuletzt auf die Anforderungen unserer Kunden einstellen können.

Ben Leet ist Managing Director Europa bei Instantly. Er ist weit über ein Jahrzehnt in der Marktforschung tätig und der Bereich Geschäftsentwicklung war für Ben stets eine Herzensangelegenheit. Er baute für mehrere Unternehmen wie Decision Tree Consulting und Toluna neue Vertriebskanäle auf, ehe er im Januar 2011 zu Instantly Europe stieß, wo er seitdem maßgeblich für die Geschäftsentwicklung und den Ausbau der Vertriebstätigkeiten verantwortlich war.
Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen und akzeptiere diese.
stats