Context-Liste

Umsatz deutscher Marktforscher rückläufig

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Umsatz 2017 in der Marktforschungsbranche
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Umsatz 2017 in der Marktforschungsbranche
Korrigiert: Rund ein Drittel der deutschen Marktforscher und der in Deutschland ansässigen Dependancen internationaler Unternehmen mussten nach Berechnungen von Carola von Kessel für die Context-Umsatzliste im vergangenen Jahr Umsatzrückgänge hinnehmen, bei 26 Prozent stagnierte der Umsatz und rund 39 Prozent konnten 2017 im Geschäft zulegen.

Die jährlich von Carola von Kessel erhobene Liste umfasst 115 Institute. Dieses Ranking lässt einige Rückschlüsse auf die Branche zu, obwohl es natürlich nicht vollständig ist. Es werden lediglich Unternehmen aufgenommen, die freiwillig ihren Umsatz melden, bei einigen wird er von der Redaktion geschätzt.



Man kann die Liste grob in drei Kategorien einteilen, die Big 5, rund 20 Anbieter, die zweistellige Millionen-Umsätze generieren und eine große Anzahl kleiner und kleinster Institute.

An der Spitze der weltweit aktiven und bekannten Marktforscher stehen natürlich GfK, die Institute mit dem Präfix "Kantar", Nielsen und Ipsos. Alle liegen laut Context-Schätzung mit ihrem Deutschland-Geschäft leicht im Minus gegenüber dem Vorjahr. Dabei werden an der Spitze die Welt- und die Deutschlandumsätze vermischt. Die GfK meldet seit dem Rücktritt von der Börse keinen Umsatz mehr. Der Umsatz für 2017 wird voraussichtlich nicht veröffentlicht.


Bei Kantar werden Kantar TNS Deutschland, Kantar Millward Brown und Kantar Added Value separat ausgewiesen. Da sich die Marktforschungs-Töchter des WPP-Konzerns jedoch einander annähern, könnte man sie bei einer Umsatzbetrachtung eigentlich addieren. Dann läge Kantar bei geschätzten 239,5 Millionen Euro Deutschland-Umsatz. Es fehlen freilich noch Kantar-Public, Kantar Media, Kantar Health und das neu gegründete Kantar Consulting in der Betrachtung.

 TOP 10 Gesamtumsatz 2017 im Vergleich zum Vorjahr
GfK Gruppe Nürnberg** 1.465* - 2 %
Kantar Group (TNS Deutschland, Millward Brown Deutschland, Icon Added Value Deutschland) 239,5* - 5 %
Nielsen Comp. Germany 102* - 2 %
Ipsos Gruppe Deutschland 80* - 1 %
MaritzCX Hamburg 44,2 + 4 %
Psyma Group 33,5 + 5 %
Kleffmann Group 28 + 27 %
GIM Gruppe 27,3 + 5 %
LDB Gruppe 24,7 - 3 %
Infas 24,6 + 24 %

Quelle: nach Carola von Kessel, Context Liste 2017, *Schätzungen, **Weltumsatz

Zu den Big 5 sollte eigentlich auch der spezialisierte Pharma- und Health-Anbieter Iqvia gerechnet werden. Er taucht im Context-Ranking allerdings nicht auf. Laut dem gerade veröffentlichten Geschäftsbericht macht das 2016 aus der Fusion von Quintiles und IMS Health entstandene Unternehmen im Jahr 2017 einen Umsatz von 8 Milliarden US-Dollar. Der Zweig Research & Development Solutions wird mit 3,647 Milliarden USD Weltumsatz angegeben. Eine Aufschlüsselung nach Regionen ist leider nicht veröffentlicht.

Die Kategorie der Firmen, die über 10 Millionen Euro Umsatz generieren, reicht von Maritz (44,2 Millionen Euro +4 Prozent) bis zum isi-Institut Göttingen (10,2 Millionen Euro). Diese Umsätze sind allesamt von den Firmen gemeldet, also nicht geschätzt. Die 10-Millionen-Euro-Umsatz-Hürde knapp verfehlt, hat die Rheingold Gruppe (Institut und salon melden hier zusammen) mit 9,7 Millionen Euro.

Die Plätze 6 bis 10 im Ranking belegen Psyma mit 33,5 Mio. Euro (+5 Prozent), Kleffmann mit 28 Mio. Euro, GIM mit 27,3 Mio. euro (+5 Prozent), LDG Gruppe Berlin mit 24,7 Mio. Euro und Infas, Bonn mit 24,6 Mio. Euro.

Da in der Liste nicht nur Full-Service-Institute aufgeführt werden, sondern auch Feldanbieter wie Foerster & Thelen (16,8 Millionen Euro) oder Panelanbieter wie Respondi (11,5 Millionen Euro) vermisst man im Ranking andere große Panelanbieter wie Research Now SSI. Das kürzlich fusionierte Unternehmen wird weltweit auf mindestens 500 Millionen US-Dollar geschätzt.

Auffällig ist die stark unterschiedliche Entwicklung der Player. Manche Firmen mussten ein zweistelliges Minus einstecken, einige stagnierten. Starkes Wachstum (+ 36 Prozent) konnten etwa SAM Sensory aus München verzeichnen (17 Millionen Euro). Kleffmann aus Lüdinghausen ist auf Agrarmarktforschung spezialisiert, hat kaum Konkurrenz im Markt und steigerte seinen Umsatz um 27 Prozent auf 28 Millionen Euro. Infas aus Bonn konnte um 24 Prozent zulegen und liegt bei einem Umsatz von 24,6 Millionen Euro. Respondi macht 14 Prozent mehr Umsatz und wächst nun das fünfte Jahr in Folge zweistellig.

In ihrer Analyse weist Carola von Kessel darauf hin, dass die Gesamtumsätze im Ranking natürlich auch schwanken, weil die Anzahl der Unternehmen, die sich zu einer Meldung entschließen, von Jahr zu Jahr leicht variiert. Insgesamt sei 2017 aber „kein einfaches Jahr“ für die Branche gewesen und der Branchenumsatz habe noch unter dem Niveau von 2012 gelegen. Auffällig sei auch eine stetig niedrigere Zahl von Mitarbeitern der Institute, die ebenfalls erhoben werden. Dieser Trend wird sich wohl voraussichtlich weiter fortsetzen. Alleine die von der GfK angekündigten Stellenstreichungen werden dazu beitragen. Die Liste mit den Umsätzen der 115 Institute wurde in Research&Results 1/2018 veröffentlicht.



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