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Big Data zum Leben erwecken

Microsoft, Twitter, TNS, GfK. Es waren wirklich die Großen geladen zu der ersten Esomar Konferenz zum Thema Big Data in Berlin. Rund 150 internationale Experten lauschten den Vorträgen, diskutierten und tauschten neueste Infos aus.

"Sind Sie schon einmal mit 700.000 Dollar im Gepäck über eine Grenze geflogen?" Norbert Wirth, Global Head of Data and Science bei GfK, stellt diese überraschende Frage und klärt schnell auf, dass es sich um Spielgeld handelt und die Grenzbeamten das auch schnell eingesehen haben. Spielgeld für ein kleines Experiment auf der Big Data Konferenz der Esomar in Berlin. Das Geld sollen die Teilnehmer als Werbe-Budget auf verschiedene mögliche Online-Plattformen verteilen. Rasch wird klar, dass die Information Reichweite nicht weiter hilft, es braucht zusätzliche Daten, um die Entscheidung einigermaßen sicher fällen zu können. Wirth berichtet gemeinsam mit Ralph Wirth, Chef des GfK Data Lab in Deutschland, über die Chancen und Möglichkeiten der Integration verschiedener Datenquellen. Die Qualität der Prognose – etwa für den Absatz von Kaffee - lässt sich dadurch dramatisch verbessern.



From Big Data to Big Decisions hieß der Vortrag von Reed Cundiff (USA) und Liana Saarikko (Finnland) von Microsoft. 100 Personen arbeiten in dem Insight-Team des Software-Riesen. Cundiff beschreibt wie das Management-Team nicht nur Antworten, sondern auch eine immer größere Geschwindigkeit gefordert hat. So wurde beim Upgrade auf Windows 10 ein System eingerichtet, damit die Firma massive Rückmeldungen von Nutzern bekommt. Zusätzlich wurden alle Quellen angezapft, um passive Nutzerdaten zu erhalten. So werden zum Beispiel die Demo-PC’s in den Computerläden auf das Such- und surfverhalten der interessierten Kunden hin untersucht. All diese Daten wurden genutzt, um die Produkte weiter zu verbessern, um den Prozess am POS zu optimieren und auch um neue Zielgruppen zu erreichen.


Auch TNS greift nach Big Data. Sunando Das von TNS UK hat mittels Künstliche Intelligenz Algorithmen entwickelt für die Auswertung großer Datenquellen, wie Social Media, Suche, E-Commerce, Internet der Dinge oder Mobile Daten. Diese sollen für die Transformation von Konsumenten- und Marketingprogrammen genutzt werden.

Sehr gespannt war das Auditorium auf die Ausführungen von Twitter. Jake Steadman, und Matt Taylor aus UK zeigten wie Twitter seine 500 Millionen Tweets am Tag selber erforscht und erläutern, wie andere Unternehmen die Daten nutzen können. Außerdem berichten sie davon, dass die Twitterer einen großen Ehrgeiz entwickeln, damit ihre Tweets Retweeted werden. aber zugeben will das keiner.

Andrew Jeavons von Mass Cognition aus USA hat sich alle Tweets von allen Präsidentsschaftskandidaten im zurückliegenden Wahlkampf angesehen und die Feeds in psychodelische Graphen verwandelt, die sehr schönen zeigen, wie unterschiedlich die Kandidaten zicken: Donald Trump hat zu 25 Prozent über sich selbst getwittert. „I and I“ nannte Jeavons diesen Slot. Hillary Clinton hingegen hat sich zu 15 Prozent mit ihrem Gegenkandidaten Trump beschäftigt.



Das Team von Fabio Luzzi, Vice President Data Science von Viacom International Media Networks zeigt eine konkrete Anwendung von Big Data. TV-Sender auf der ganzen Welt stehen vor der Fragestellung: Welche Serie sollen wir kaufen? Damit eine Investition - die etwa bei der Sitcom Big Bang Theory zwei Millionen Dollar pro Folge beträgt - kein Flop wird, setzt der Konzern auf ein System, das das Bauchgefühl für den Erfolg oder Misserfolg einer TV-Serie ergänzt. Die Einkäuferin von Viacom zeigte sich begeistert von der App, die zudem leicht bedienbar ist. (hed)
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