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Auf den Hund gekommen

Bild: pixabay.com
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Will man wissen, wie Menschen in Bezug auf verschiedene Themen ticken, muss man ihre tiefliegenden Handlungsmuster verstehen. Um als Marke eine Beziehung aufzubauen, ist es notwendig, dort anzudocken und Teil des Alltags der Konsumenten zu werden. Charlotte Hager nutzt für ihre
QUALITATIVE Forschung „comrecon crowd research“ in geschlossenen Online-Foren, um Rituale, Routinen und motivationale Treiber aufzudecken.

Zwischen Produkten oder Marken und ihren Anwendern müssen Beziehungen hergestellt werden. Es geht darum, als Produkt Teil des Alltags zu werden, ein Helfer, ein Alltagsbegleiter oder gar ein fixer Partner. Was wir mittlerweile wissen, ist, dass Menschen Produkte situativ verwenden oder kontextgebunden bestimmte Shops besuchen. Der hybride Konsument ist eine veraltete Denke und bringt Marken nicht weiter. Es geht also darum, Situationen und Momente zu entdecken, eventuell ritualisierte Verhaltensweisen und Glaubenssätze in Bezug auf diverse Handlungen. Erst, wenn wir wissen wie Menschen denken und warum sie wie handeln, sind Marken in der Lage, ihre Kommunikation oder ihr Angebot entsprechend zu optimieren, um die richtigen Ansprechpartner zu erreichen.  

Teil des Alltags werden



Dies eignet sich sehr gut für alle Produkte im FMCG Bereich, ebenso bei Hygiene-Artikeln, Freizeit, Sport etc. Allem, was wir jeden Tag begegnen. Denn hier entstehen Situationen und Sichtweisen, die stark in den Mindsets eingeprägt sind. Die Methode comrecon crowd research eignet sich optimal bei Alltagsthemen, um sich Grunderkenntnisse über das unbewusste Nutzerverhalten zu verschaffen. Quasi als Grundlagenstudie.


Der „Großmütig-Tolerante“ Hundehalter projiziert eigene Bedürfnisse gerne auf den Hund
Der „Großmütig-Tolerante“ Hundehalter projiziert eigene Bedürfnisse gerne auf den Hund
Mit der Studie „Auf den Hund gekommen“ haben wir die Hundehalter in Österreich ins Visier genommen oder besser in ein Online-Forum eingeladen. Es wurden 54 Hundebesitzer, gemischt nach Alter und Geschlecht und regional über ganz Österreich verteilt über einen Zeitraum von 16 Tage, im crowd research Forum befragt und bei der Diskussion „beobachtet“. Es wurden Tagebücher zum Ablauf mit dem Hund oder den Hunden geführt, Themen im öffentlichen Forum diskutiert und spezielle Aufgaben (projektive Fragetechniken) erfüllt. Die Beiträge wurden inhaltsanalytisch und semiotisch ausgewertet, woraus sich die vier psychografisch differenzierbaren Typen ergaben. Erstmals wurde der gesamte Lebenszyklus Hund beleuchtet und analysiert. Dabei kristallisierten sich vier verschiedene Hundehalter-Typen heraus, die sich deutlich unterscheiden in  ihrem Verhalten hinsichtlich Anschaffung, Ernährung, Training, Pflege bis hin zum Abschied nehmen.

Hunde haben für all ihre Besitzer einen hohen Stellenwert als Familienmitglied, Jeder möchte nur das Beste für seine Vierbeiner. Doch gibt Differenzierungen von  sehr emotionaler, eher unreflektiertebis stark rationaler, reflektierter Haltungsweise.

Vier Typen konnten identifiziert werden, deren Motive, Bedürfnisse und Einstellungen klare Tendenzen in der Hundehaltung abbilden:
  • Der Großmütig-Tolerante neigt zur Vermenschlichung. Gehandelt wird nach Bauchgefühl, nicht nach Ratgebern. Der Hund soll einfach ein glückliches Leben führen und Liebe erfahren. Artspezifische Bedürfnisses des Hundes bei Ernährung, Training und Gesundheit werden ausgeblendet, verdrängt oder es herrscht Unwissen darüber. Solange es dem Hund gut geht, gibt es keinen Grund zur (Vor-)Sorge. Die eigene „heile Welt“ wird versucht von äußeren negativen Einflüssen abzuschirmen.

  • Der Verantwortungsbewusst-Zielstrebige versuchen nur nach Bedarf den Hund und seine Bedürfnisse zu verstehen. Vom Perfektionismus getrieben, möchte man zwar alles richtig machen, ist offen für Neues und ist auch bereit sich theoretisches Wissen anzueignen, doch kümmert man sich erst im Nachhinein um Informationen, Tipps & Tricks, wenn Probleme aufgetreten sind. Eigenes Versagen ist dabei inakzeptabel und wird ausgeblendet oder schön geredet.

  • Der „Verantwortungsbewusst-Zielstrebige“ Hundehalter ist ständig auf der Suche nach dem „Richtigen“
    Der „Verantwortungsbewusst-Zielstrebige“ Hundehalter ist ständig auf der Suche nach dem „Richtigen“
    Der Erfahren-Disziplinierte neigt zur machtdemonstrativen Selbstdarstellung und der seines Hundes und genießt es bei Ausstellungen und Wettbewerben im Mittelpunkt zu stehen und bewundert zu werden. Doch lassen sie sich ungern Ratschläge von anderen erteilen, denn sie denken selbst am besten zu wissen, wie man einen Hund hält. Diese Prestigeorientierung ist an eine Kontrolle des Hundes gekoppelt, Kontrollverlust könnte auch Machtverlust und damit Gesichtsverlust bedeuten.
  • Der Sachkundig-Bedürfnisorientierte pflegt eine reflektierte und integrative Bewusstseinshaltung. Theoretisches Wissen über arttypische Eigenschaften, Calming Signals, ausgewogene Fütterung, Training und Erziehung in klarer Rudelstruktur zielen auf eine in höchstem Grad artgerechte Hundehaltung ab, in der die Ganzheitlichkeit zwischen Körper und Geist im Vordergrund steht. Motiv dabei ist es Hunde als mitweltliche Lebewesen zu verstehen und so kontrolliert den bestmöglichen Umgang mit ihnen zu hegen.
Die weiteren Ausarbeitungen der Studie zeigen für Anbieter im Hundebedarf Ansatzpunkte für Marketing, Kommunikation und Strategie. Wer seine Kunden-Typologie kennt, kann sie besser ansprechen.

Die Studienergebnisse stehen unter folgendem Link zum Download zur Verfügung: und  hier geht es direkt zum

Die Autorin

Charlotte Hager ist Gründerin von comrecon brand navigation in Baden bei Wien und Semiotic Brand Navigator. Das Institut ist spezialisiert auf qualitative Forschung und Semiotische Analysen von Markenbotschaften. Die Mission von comrecon ist, Menschen mit den richtigen Produkten zusammenzubringen. Customer Experience und Customer Behaviour geben viele Hinweise, wie eine Marke richtig kommunizieren muss. Mehr auf .

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