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Affen stellen keine Fragen

Fotos: planung&analyse
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Die IIeX Europe in Amsterdam will in zwei Tagen die Innovationen in der Marktforschung vorstellen. In einem dicht gedrängten Programm geht es um junge Firmen, die Technik einsetzen, um sich dem Verbraucher zu erschließen. 500 Forscher aus der ganzen Welt hören zu.
Der Gorilla springt zur Seite, und macht Platz an der Kaffeetheke in der großen Halle des Konferenzsaals im Beurs van Berlage. Er steht für ein Startup aus Deutschland, das sich mit Neuroscience beschäftigt. Der Gründer Jonathan Mall hat einen Beinahe-Ausbruch eines Gorillas im Zoo in London miterlebt und danach kurzerhand den Kopf eines Gorillas als Logo verwendet. Der Gorilla wurde nach stundenlanger Aufregung im Fütterungsbereich seines Käfigs gefunden. Er hatte mehrere Liter Johannisbeersaft getrunken und sich schlafen gelegt.

Junge, innovative Unternehmen stehen im Vordergrund dieser Veranstaltung, die zum vierten Mal in Europa, in Amsterdam, stattfindet. Das sieht man an der Sponsorenliste, von Affectiva bis Zappi Store und natürlich auch bei den Vorträgen. Am ersten Tag stellt Unilever einen Ausschnitt der jungen Unternehmen vor, mit denen der Konzern weltweit zusammenarbeitet. Vijay Raj, Vice President Consumer and Market Insights, stellt das Partner Recognition Programm vor: 800 Startups wurden gescreent und die besten dürfen jetzt mit Unilever zusammen arbeiten. Mit dem Ziel vom reinen Fragen zum Beobachten und Zuhören zu kommen, die Insights dann optimal auszunutzen, um schließlich von Insights to Ideas zu kommen. Die Session mit den Vorträgen der Partnerfirmen dauert den ganzen Tag.  



Zum Beispiel weseethrough aus London. Duncan Roberts (CTO, Co-Founder) berichtet, wie Konsumenten mit Wearables ausgestattet werden und sich selber beim Großreinemachen filmen. Dabei kommen erstaunliche Praktiken zutage, die kein Mensch in einem Interview verraten würde. Zum Beispiel Fugenreinigung mit der Zahnbürste, die hinterher wieder in den Zahnputzbecher gestellt wird, und zwar in den des Ehemannes.
Foto: planung&analyse
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Discuss.io stellt vor, wie Konsumentenforschung mit Videos und Virtuell Reality in Afrika durchgeführt wird. Olapic findet Insights in den zahllosen Bildern, die Menschen in sozialen Medien einstellen. Für die Unilever-Marke Knorr wurden etwa Bilder von Gerichten analysiert. Welche werden geliked und geteilt und welche nicht? Heraus kamen etwa wertvolle Erkenntnisse für die Food-Fotografie.


Market Logic bereitet für Unilever tausende Studien auf und macht sie in einer Datenbank in Windeseile verfügbar. Sheela Smale (Senior Market Information Manager, Unilever) erklärt, wie das die Arbeit verbessert: „Alle zwei Jahre verlässt ein Unilever-Mitarbeiter seinen Job, um etwas anderes zu machen. Um das Wissen, was aufgebaut wurde nicht zu verlieren, haben wir die Datenbank angeschafft.“

Neben dieser Session gibt es drei weitere auf der Konferenz und überall hört man von Künstlicher Intelligenz, impliziten Methoden und Automatisierung. Unter den vielen jungen Firmen haben sich auch einige Dickschiffe eingefunden. Zum Beispiel IBM.

Simon Edward (Director of Market Development & Insights IBM Europe and MEA) und Seda Tokcan (Manager Market Insights and Competitive Intelligence, Europe IBM)  erklären: „What is the role of human intelligence?” Vier Antworten: Die Fähigkeit neue Ideen zu entwickeln, die Möglichkeit zwischen Kausalität und Korrelation zu unterscheiden, die Fähigkeit Intuition mit Intelligenz zu verbinden und die Fähigkeit Fragen zu stellen. Und dies alles unterscheidet Menschen von intelligenten Maschinen wie IBMs Watson und unterscheidet uns auch vom Affen. Denn Affen können vieles lernen, aber können keine Fragen stellen. Wie tröstlich. (hed)

Bericht von IILEX Tag 2: Eisberge in Amsterdam >>
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