55. Kongress des BVM

Erfolgreiches Targeting und kreativer Umgang mit großen Daten

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Am zweiten virtuellen Kongresstag des Berufsverbandes deutscher Markt- und Sozialforscher wurde neben digitalem Targeting und Kundensegmentierung auch über den kreativen Umgang mit großen Daten und die neue Normalität in der Arbeitswelt nach Corona gesprochen. Zudem bot Tag 2 die Vergabe des Best of FAMS Preises.
Einen Einstieg in den zweiten Kongresstag bot der erste Redner des Tages, Lukas Holter, politischer Direktor der Campaigning Bureau in Wien mit seinem Vortrag zu digitalem Targeting und wie man Wähler mobilisiert, um Wahlen zu gewinnen. Unter anderem waren er und sein Team für den Wahlkampf des österreichischen Kanzlers Sebastian Kurz zuständig. Durch den Dreiklang Attract, Involve und Mobilize gelang es dem Team trotz der Schwierigkeit langfristiger Bindungen im Zeitalter von Social Media eine große Zugehörigkeit in der Wählerschaft zu schaffen und so den Wahlkampf für sich zu entscheiden.

Kundenbindung und Zugehörigkeit blieben auch bei Tobias Zitzke, Referent der Geschäftsführung der NOZ Medien Gruppe, Thema, dem durch Preisdifferenzierung und kombinierter Kundensegmentierung langfristige Bindungen von Lesern an die Neue Osnabrücker Tageszeitung gelang und es schaffte, den Leserstamm trotz allgemeinem Rückgang in Print Medien zu vergrößern.

Die zweite Hälfte des Tages begann mit einem Vortrag von Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability bei IBE in Ludwigshafen. In ihrem Vortrag stellte Rump die neue Normalität der Arbeitswelt nach Corona vor. So seien die neuen Formen der Zusammenarbeit stationär, hybrid und virtuell. Dennoch müsste im Arbeitssektor eine Transformation stattfinden, um die Arbeitsprozesse sowohl digital, ökonomisch als auch ökologisch an die neue Arbeitswelt mit Home-Office und Co. anzupassen.

Die BVM-Rechtstipps erteilte dieses Jahr RAin Andrea Schweizer von der Kanzlei Prof. Schweizer Rechtsanwaltsgesellschaft. Unter dem Motto “Wir sorgen dafür, dass Sie (hoffentlich) nicht in Schwierigkeiten kommen" griff sie aktuelle Fälle auf und gab Tipps für die Rechtslage in Zeiten von Homeoffice, mobilem Arbeiten und Co.

Aufgelockert wurde das Programm durch eine Diskussionsrunde zum Thema “Next Gen Qualitative Research - sind Taten wirklich aussagekräftiger als Worte?” mit dem Arbeitskreis Qualitative Markt- und Sozialforschung (AKQua). Unter der Moderation von Patricia Blau, Corporate Director bei GIM erläuterten das Panel bestehend aus Dr. Barbara Lang von Point Blank, Dr. Christiane Quaas von Sanofi Aventis, Prof. Dirk Frank von ISM Global Dynamics und Edward Appleton von der Happy Thinking People GmbH warum Gespräche immer noch das Herzstück der Marktforschung sind.

Ein weiterer Programmpunkt des Tages war die Preisverleihung des Best of FAMS Preises, der in diesem Jahr für das Jahr 2021 verliehen und rückwirkend für das Jahr 2020 übergeben wurde.

Preisträger des Best of FAMS Preises 2021

Das 5-köpfige Team der beruflichen Schule für Medien und Kommunikation (bmk) in Hamburg, mit ihrer Imagestudie “Auf die Plätze, fertig, Rad! - Imagestudie für den ADFC Hamburg”.

Preisträger des Best of FAMS Preises 2020

Das 5-köpfige Team der beruflichen Schule für Medien und Kommunikation (bmk) in Hamburg, mit ihrer Studie “Miniatur Wunderland - Ermittlung der Besuchsgründe, der Kundenzufriedenheit und der touristischen Relevanz bei den Besuchern”.

Mehr zu diesem Thema finden Sie in unserer Reihe "Future for FAMS".


Einen Abschluss des Kongresses bot David Kissel, selbständiger Data Scientist, mit seinem Vortrag über “SPIEGELmining: Was Data Science kann”. Kissel präsentierte seine Analyse der Nachrichtenplattform Spiegel-Online, von der er im Zeitraum von 2014 bis 2019 jeden neu erschienenen Artikel heruntergeladen und nach bestimmten Features wie Autor, Veröffentlichungszeitpunkt oder Rubrik ausgewertet hatte. Durch die Analyse dieser Daten - die für Jedermann frei zugänglich sind - konnte er so bereits Rückschlüsse auf die Anzahl der täglich verfassten Artikel, die Teamstrukturen, die Kommentierbarkeit von Artikeln zu bestimmten Themen, die beliebtesten Veröffentlichungszeiten je nach Ressort, sowie auf die Urlaubszeiten einzelner Autoren ziehen. So konnte er auch aus häufigen Überschneidungen in den Urlaubszeiten bestimmter Autoren erahnen, welche der Autoren miteinander liiert sind oder eine Affäre miteinander haben könnten.

Diese Erkenntnisse erscheinen zunächst unproblematisch, doch Kissel’s Appel ist: “Wenn man Daten produziert, entscheidet man nicht selbst, was man daraus macht, sondern der Gegner". Dieser Gegner kann unter Umständen sogar aus der Marktforschung stammen. Diese Aussage wird dem Einen oder Anderen bestimmt noch lange im Gedächtnis bleiben.

Nach einem Jahr Pause konnte der BVM die Teilnehmer dieses Jahr mit einem virtuelllen Kongress aus dem Design-Studio in Berlin mit einem abwechslungsreichen Programm ganz ohne technische Pannen überzeugen.
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