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Die Newsline der HORIZONT-Chefredaktion


Donnerstag, 26. März 2020

 
Horizont Die Woche

Volker Schütz

 
 

Liebe Leserinnen und Leser

 

Die Deutschen und das Internet, das wirkte lange wie eine tragische Liebesgeschichte ohne Happy End. Mitte der 90er Jahre hatten sich beide heftigst ineinander verliebt. Man versprach sich ewige Treue. Man träumte von einer anderen Welt mit mehr Demokratie, besserer Werbung und Konsumenten, die mit Unternehmen socializen wollten. Der Rosengarten lockte und (ver)blendete viele. Doch irgendwann war der Honeymoon vorbei und Alltag kehrte ein. Doch der war ziemlich öde. Und aus der Lust wurde für viele Verliebte Frust. Frust über Trolle und Nazis, die das Netz eroberten. Frust über die Macht gigantischer Konzerne. Frust über das BlingBling aufdringlicher Werbung und die Krawall-Attitüde des Click-Bait-Journalismus. Dann kam die Seuche. Und die einst unsterblich Verliebten fanden wieder zueinander. So weit die Lyrik. Meine Kollegin Katrin Ansorge beschreibt in ihrem Kommentar in der aktuellen HORIZONT die neue Liebe der Deutschen zum Internet viel prosaischer. Tenor: "Die Deutschen und das Internet – da ist plötzlich alles wieder denkbar." → Jetzt im E-Paper lesen
 
Thomas Strerath
Olaf Ballnus
Darf man in der Zeit der Pandemie über eine Welt nach der Pandemie nachdenken? Man darf nicht nur. Man muss sogar. Um dem großen Helmut Schmidt zu antworten: Nicht der, der Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Sondern der, der keine zulässt. Wie diese Visionen dann ausfallen, ist eine andere Sache. Zwei
Strömungen gibt es derzeit. Die eine Richtung vertritt der italienische Philosoph Giorgio Agamben. In der NZZ schreibt er: "Besorgniserregend ist nicht in erster Linie und nicht nur die Gegenwart, sondern das, was danach kommt. So wie die Kriege den Friedenszeiten eine Reihe unheilvoller Technologien hinterlassen, so werden sehr wahrscheinlich auch nach dem Notfall der öffentlichen Gesundheit die Experimente fortgesetzt, die die Regierungen vorher nicht durchzuführen vermochten." Die zweite Richtung ist deutlich optimistischer. Paradebeispiel: Matthias Horx. Der Trendforscher beschreibt in HORIZONT Online, wie wir uns wundern werden, wenn die Krise vorbei ist: "Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt. Aber sie kann sich neu erfinden. System reset . Cool down! Musik auf den Balkonen! So geht Zukunft."

Wahrscheinlich haben Sie den Horx-Beitrag gelesen. Er war einer der meistgeklickten Artikel auf HORIZONT Online in den vergangenen Jahren. Er tut der verwundeten Seele gut. Aber ich fürchte, die Vision von Horx wird Vision bleiben. Auch Thomas Strerath hat sich Gedanken gemacht, wie die Welt, genauer gesagt, die Marketingwelt nach Corona aussehen wird. In seinem exklusiven HORIZONT-Beitrag schreibt der ehemalige JvM-Vorstand und Berater des Autoherstellers BMW: "Meine Befürchtung ist, diese Strukturschwäche wird bleiben, wenn das Virus längst gegangen ist. Marketing wird nicht mehr dasselbe sein und so wird die Agenturlandschaft nicht mehr dieselbe sein. Back to normal wird es nicht geben, weil das neue Normal ein anderes, ein neues ist." → Jetzt in HORIZONT Online lesen!
 
Nix geht mehr
Public Domain Pictures / Pixabay
Wird es Gewinner in dieser epochalen Krise geben? Ja. Und zwar selbst in Bereichen, die von Corona ganz besonders getroffen sind. Beispielsweise Food. Ich habe mich in einem Videochat mit Foodservice-Chefredakteur Boris Tomic über Gewinner und Verlierer im Gastrobereich unterhalten. Schauen Sie
sich das 12-Minuten-Gespräch an. Wenn es die Hangout-Frequenz zulässt, wird es den Video-Chat zum aktuellen Branchengeschehen täglich geben. → Jetzt reinschauen!
 
Das Cover des Corona-Buchs
HORIZONT
Es ist Mittwoch, 16 Uhr 50. Meine Frau ist ebenfalls Journalistin. Sie hat heute Endproduktion und ist vor 21 Uhr 30 nicht zuhause. Ich bin im Home Office. Zwei kleine Kinder toben um mich herum. Eben haben sie das Cover für ihr Corona-Buch (siehe Bild) fertiggestellt. Nun will Sohn Henri mit mir Eisenbahn bauen. Tochter Liv will mit mir Kung-Fu und Judo üben. Ich: "Ihr Süßen, ich muss arbeiten und einen Artikel schreiben." Beide schimpfen.
Beide mosern. Beide weinen. Beide schreien. Wieder eine halbe Stunde verloren. Und die Stunde drauf ist Hungeralarm. Home Office in der Corona-Krise? Da kommts nicht auf die Software an. Sondern darauf, ob man Nerven aus Stahl hat. Ulrike Simon, die seit Jahren Homeoffice macht, hat aufgeschrieben, warum man sich in die Tasche lügt, wenn man das Hohelied des agilen Zuhausearbeitens anstimmt. → Jetzt lesen!

Informationen sind derzeit so gefragt wie selten – dem trägt die dfv Mediengruppe, bei der HORIZONT erscheint, Rechnung und veröffentlicht unter dem Label Business Guide eine Publikationsreihe, die themenbezogen Tipps und Know-how vermittelt. Der erste Business Guide beschäftigt sich damit, wie Unternehmen jetzt an Finanzhilfe kommen. → Hier bestellen!

Ich wünsche Ihnen gute Lektüre. Bleiben Sie kreativ, solidarisch und gesund,

Ihr
signatur

Volker Schütz
Chefredaktion HORIZONT

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