Zu heiß und sonnig

Kino-Umsatz und -Besucherzahlen rückläufig - aber der Marktanteil der deutschen Filme steigt

"Fifty Shades of Grey - Befreite Lust" kam bei den Kinozuschauern sehr gut an
© Universal Pictures
"Fifty Shades of Grey - Befreite Lust" kam bei den Kinozuschauern sehr gut an
Der Jahrhundertsommer macht den Kinobetreibern zu schaffen. Das gute Wetter, das die Menschen eher in Biergärten als in Kinosäle lockt, hinterlässt in der Halbjahresbilanz deutliche Spuren. Die Anzahl der verkauften Tickets ist auf 51 Millionen gesunken – das entspricht einem satten Minus von 15,2 Prozent. "Der Aufwärtstrend des Vorjahres hat sich leider nicht bestätigt", so Peter Dinges, Vorstand der Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin, die zweimal im Jahr die Kino-Bilanz der deutschen Anbieter erstellt.
Aber nicht nur das Wetter machte der Branche in diesem Sommer zu schaffen. Auch die Fußball-Weltmeisterschaft drückte auf die Besuche. Da half auch nicht das frühe Aus des deutschen Teams. Denn wenn Fußball-Großereignisse wie WM und Europa-Meisterschaft anstehen, halten sich die Verleiher mit großen Filmstarts zurück. "Das Kinogeschäft lebt von der Attraktivität des Filmangebots, dem bislang die ganz großen Erfolge gefehlt haben", erklärt Dinges.


Der erfolgreichste Film des 1. Halbjahres war die Marvel-Produktion "Avengers: Infinity War" mit 3,27 Millionen Besuchern. An 2. Stelle kommt "Fifty Shades of Grey – Befreite Lust" mit 3 Millionen (Universal), auf Platz 3 "Deadpool 2 mit 1,84 Millionen (20th Century Fox). In den Top 10 finden sich jedoch auch einige deutsche Filme. Der am besten besuchte war "Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer". Die Neuverfilmung des Michael-Ende-Klassikers von Warner Bros. lockte 1,67 Millionen Zuschauer in die Kinos. Aber auch "Die kleine Hexe" mit Karoline Herfurth (Studio Canal), "Peter Hase" (Sony) und die Constantin-Produktion "Dieses bescheuerte Herz" mit Elyas M’Barek holten mehr als eine Million Zuschauer in die Kinos.
Die FFA vermeldet eine schwache Halbjahresbilanz für die deutschen Kinos
© FFA/HORIZONT
Die FFA vermeldet eine schwache Halbjahresbilanz für die deutschen Kinos
Die deutschen Filme konnten ihren Marktanteil mit diesem Line-up, aber eben auch dank schwacher amerikanischer Konkurrenz wieder ausbauen. Er stieg von 18,2 Prozent auf 22,4 Prozent der Besuche. In den kommenden Wochen sollen weitere deutsche Filme mit Erfolgspotenzial anlaufen, vornweg "Klassentreffen 1.0 – Die unglaubliche Reise der Silberrücken" von Til Schweiger. Am 27. September startet der Thriller "Balloon" über die dramatische Flucht von zwei Familien aus der DDR. Mit der Produktion wagt sich Michael Bully Herbig, der auch Regie führt ("Der Schuh des Manitu", "(T)Raumschiff Surprise"), weiter ins dramatische Fach vor. Vor Weihnachten startet dann "100 Dinge" von und mit Matthias Schweighöfer sowie Florian David Fitz.

Die Eintrittspreise sind weiter gestiegen. Lagen sie vor fünf Jahren im Schnitt noch bei 8,01 Euro, sind es jetzt 8,61 Euro. Der Trend hat damit angehalten, obwohl der Anteil der teureren 3D-Filme deutlich von 23,1 auf 17,9 Prozent gesunken ist. Der beliebteste 3D-Film war "Avengers", gefolgt von "Jurassic World: Das gefallene Königreich" und "Black Panther". Die deutschen Filme spielen in dem Ranking keine Rolle.


Die schwachen Besucherzahlen im 1. Halbjahr wirken sich auch auf das Werbegeschäft aus. Die Werbung wird beim größten Vermarkter Weischer im Planungs- und Buchungstool Cinema Reloaded meist nach tatsächlich erreichten Kontakten abgerechnet, nicht mehr nach Sälen. Der Bruttowerbeumsatz der Gattung Kino ist laut Nielsen zwischen Januar und Juli im Vorjahresvergleich um 15,09 Prozent auf rund 66,3 Millionen Euro gesunken. Das Minus im 2. Halbjahr auszugleichen, dürfte nicht einfach werden. pap
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