Zeitungskongress 2019

Wie BDZV-Präsident Mathias Döpfner die Verleger auf die Zukunft einschwört

BDZV-Präsident Mathias Döpfner beim Zeitungskongress
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BDZV-Präsident Mathias Döpfner beim Zeitungskongress
BDZV-Präsident Mathias Döpfner schwört die Verleger in seiner Eröffnungsrede darauf ein, sich als Verband für rein digital-journalistische Publisher zu öffnen, nennt die fünf Kriterien des Verlegertums und erlaubt sich einen deutlichen Seitenhieb auf jene, die sich wie das Ehepaar Friedrich bei ihrem Kauf des Berliner Verlags auf philanthropische Ziele berufen.

Mathias Döpfners Rede begann medienpolitisch-zuversichtlich. Die Gespräche mit der Politik, die Zeitungszustellung staatlich zu unterstützen, seien ermutigend. Diese Form der Unterstützung bezeichnete er als den sichersten Weg, um eine direkte Bezuschussung von Journalismus zu verhindern. Die Copyright-Reform sei ebenfalls auf dem Weg, zwar sei das Leistungsschutzrecht in Deutschland "wegen einer Formalie" für unwirksam erklärt, umso mehr sei man nun auf die europäische Lösung angewiesen. Auch die Absenkung der Mehrwertsteuer für digitale Produkte sei in Sicht, und selbst der Umgang mit den großen US-Plattformen habe sich verbessert: "Facebook ist bereit, für Drittinhalte zu zahlen", die Methoden seien zwar noch intransparent und willkürlich, bereits die Einsicht stimme aber hoffnungsfroh. Das Erreichte zeige, wie wichtig der Zusammenhalt des Verbands sei. Damit begann der zweite Teil von Döpfners Rede.



„Jeder Blogger kann potenzieller Großverleger der Zukunft sein.“
Mathias Döpfner
Unerfreulich sei der strukturelle Gegenwind bei Print, sagte der Verlegerpräsident. In nur einem Vierteljahrhundert habe sich die Auflage der Zeitungen von 27,3 auf 14,1 Millionen nahezu halbiert. Die Umsätze würden wegbrechen, doch bei der Notwendigkeit, Kosten zu sparen, "müssen wir aufpassen, dass das kein Teufelskreis wird" - als sei dies nicht vielfach längst der Fall.

Die beste Investition in Journalismus, fuhr Döpfner fort, seien Investitionen in die digitale Transformation. Dafür müssten die Verleger die Voraussetzungen schaffen und erkennen, dass dies nicht nur für großen, internationalen Journalismus gelte, sondern auch für regionale und lokale Inhalte. Als Beispiel nannte er die Ibbenbürener Volkszeitung, die mit einer Auflage von nur rund 20.000 Exemplaren im Netz 60.000 Unique User erreiche und mit Themen-Abos zu Mikropreisen ein digitiales Erfolgsmodell geschaffen habe: "Da muss man nicht zur New York Times schauen, um zu erkennen, dass es sich lohnt, kreativ und mutig zu sein", sagte der Verlegerpräsident – und setzte an zum Seitenhieb auf das Ehepaar Silke und Holger Friedrich, das vorige Woche als neue Eigentümer der Berliner Zeitung bekannt wurden und "zivilgesellschaftliches Engagement" als Kaufgrund angaben.


Döpfner nannte keine Namen, der Bezug war aber offenkundig, als er sagte: Der Trend, wie einst stolze Medienmarken von philanthropisch motivierten Käufern erworben würden, sei alles andere als erfreulich: "Mir wäre lieber, sie sagten: Wir wollen Geld verdienen", denn Zeitungen sollten keine Empfänger philanthropischer Wohltaten sein. "Journalismus und Verlegertum muss ein Geschäftsmodell bleiben." Nur so sei Vielfalt und Qualität dauerhaft zu sichern.

Das war der Moment, in dem Döpfner die Mitgliedsverlage des Verbands kritisierte, einige seien "noch zu sehr in klassischen Lagern gefangen". Wenn sich das Geschäftsmodell digitalisiere, müssten sich die Verleger fragen: "Ist der Konkurrent nur der Verleger vom benachbarten Verbreitungsgebiet, oder ist es nicht auch der digital native publisher? Ich glaube, unser Wettbewerbsspektrum muss viel breiter werden." Daher müsse Schluss sein "mit Abgrenzungen zwischen den angeblich guten, klassischen Journalisten und Verlegern versus den bösen, oberflächlichen Bloggern und Youtubern". Das sei old-school, denn: "Jeder Blogger kann potenzieller Großverleger der Zukunft sein." Politico oder Business Insider hätten schließlich auch als Blogs angefangen. Es stimme zwar, dass nicht jeder Blogger Journalist sei, "viel Blödsinn wird aber auch auf Papier gedruckt".

Daher gelte es die Kriterien des Verlegers zu definieren. Döpfner zählte auf: das "Prinzip der verantwortlichen Absenderschaft", Investitionsbereitschaft, Recherche und redaktionelle Leistung, die Trennung von Redaktion und Anzeigen sowie das Verfolgen eines Geschäftsmodells: Jeder, der diese Kriterien vereine, "soll einer von uns werden können". Damit kam er zum Schluss seiner Rede, der am Montag diskutierten Öffnung des Verbands für rein digital-journalistische Projekte.

Als Zeichen dieser Öffnung im Sinne einer Interessenvertretung für alle, sowohl digitale als auch analoge Verleger, wird der BDZV, wie berichtet, künftig nicht mehr Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger heißen, sondern Bundesverband der Digital-Publisher und Zeitungsverleger, abgekürzt wie gewohnt: BDZV.

Diese Umbenennung, sagte Döpfner, sei "die nüchterne Beschreibung dessen, was wir heute sind und künftig noch mehr werden wollen" Über allem stehe das Ziel, dass "Journalismus kraftvoll und wirkungsmächtig in der Gesellschaft verankert ist". Was passiere, wenn dies nicht der Fall sei, sehe man nicht nur in totalitären Systemen, sondern auch beim Brexit, der zumindest teilweise auf Fake News basiert beschlossen worden sei. usi

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