Zeit-Chef Rainer Esser

"Bei den Werbekunden spricht sich so langsam herum, wie es im TV wirklich aussieht"

Rainer Esser, Geschäftsführer der „Zeit"
Rainer Esser, Geschäftsführer der „Zeit"
Talsohle erreicht? Der Zeit Verlag überrascht mit guten Werbeumsätzen – ausgerechnet in Print. Geschäftsführer Rainer Esser hat dafür mehrere Erklärungen; eine davon dürfte das TV-Lager ziemlich nerven. Auch die Online-Werbeerlöse des Hauses sind stabil, was aber nicht so überragend scheint. Hier will die Zeit besser werden – mit Mobile und Programmatic.

Wer in diesen Wochen mit Verlagschefs übers vergangene Werbejahr redet, der hört, je nach Bilanz und Temperament des Gegenübers, Beschreibungen im Bereich von „Nicht so einfach“ bis „ziemlich katastrophal“. Im Gespräch mit Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser indes empfängt man Botschaften aus dem positiven Bereich der Stimmungsskala: 2018 sei ganz ordentlich verlaufen, sagt Esser. Dass mehr als Zweckoptimismus dahintersteckt, zeigen seine Zahlen.

Zahlen der Zeit

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von 220 Millionen Euro, das sind 9,5 Prozent mehr als 2017. Knapp 14 Millionen Euro des Wachstums stammen aus der Übernahme des Spotlight Verlags. Jenseits dessen blieben die Print- (48 Millionen Euro) und Online-Werbeumsätze (18 Millionen Euro inklusive Ze.tt und Academics) stabil. Der Vertriebsumsatz stieg um 2,3 Prozent auf 88 Millionen Euro, darunter 78 Millionen Euro aus Print (minus 1,3 Prozent) und 10 Millionen Euro mit Digitalprodukten (plus 43 Prozent). Die übrigen Erlöse (66 Millionen Euro) entfielen zum Beispiel auf Corporate Publishing, Konferenzen und Spotlight Verlag.

So konnte der Verlag den branchenüblichen Rückgang der Print-Werbeumsätze stoppen – 2018 erzielte die Zeit samt Magazinen mit 48 Millionen Euro exakt so hohe Anzeigenerlöse wie 2017, nach einem 4-Prozent-Minus zuvor. Wie gelingt das heutzutage? Klar, Esser lobt die redaktionellen Produkte, mehr Sonderseiten, neue Vermarktungsaktionen und steigende Reichweiten. Aber auch dies: Er sieht die Zeit als Profiteur rückläufiger TV-Werbung. „Bei den Kunden spricht sich so langsam herum, wie es dort wirklich aussieht: dass dort die Reichweiten stetig einbrechen – bei stabil hohen Preisen“, sagt Esser.

Dies erinnert an seine früheren Attacken auf das private Fernsehen – und er erinnert an Thomas Ebeling, den damaligen CEO von Pro Sieben Sat 1, der seine Zielgruppe 2017 als passive Couch Potatoes („ein bisschen fettleibig und arm“) skizziert hatte. Auch das spreche sich mittlerweile herum, meint Esser: „Dass Ebeling mit seiner Beschreibung der älteren Privat-TV-Zielgruppe wohl recht hatte.“

Jetzt kostenfrei registrieren
und sofort alle H+ Artikel lesen!

Die Registrierung beinhaltet
den täglichen HORIZONT Newsletter.

 
Sie sind bereits registriert?
Der Nutzung Ihrer Daten können Sie jederzeit widersprechen.
Weitere Hinweise finden Sie unter Datenschutz.
stats