Wegen Diesel-Affäre

Auto Bild verzichtet auf die Verleihung des Goldenen Lenkrads

Marion Horn, Bild am Sonntag
Matti Hillig
Marion Horn, Bild am Sonntag
Vollbremsung für das Goldene Lenkrad. Die Auto Bild und die Bild am Sonntag setzen die Verleihung ihres Automobilpreises aus. Damit reagiert die Bild auf die jüngsten Enthüllungen zu den Abgasmanipulationen bei VW, Audi & Co. 
Die jüngsten Ereignisse rund um Abgasmanipulationen hätten gezeigt, dass sich Teile der Automobilbranche weiterhin "in einem notwendigen Wandel befinden, der entgegen aller Hoffnungen noch lange nicht abgeschlossen ist", teilten Auto Bild und die BamS am Freitag mit. "Wir können daher im Interesse unserer Leserinnen und Leser in diesem Jahr nicht mit journalistischer Glaubwürdigkeit einen Preis für die Automobil-Neuheiten des Jahres verleihen." Man wisse, dass man damit auch diejenigen treffe, die "sauber" sind.


"Aber jetzt ist nicht die Zeit, um Preise zu vergeben und zu feiern. Mit der Aussetzung von Das Goldene Lenkrad in 2018 möchten wir ein klares Zeichen setzen und den betroffenen Automobilherstellern Zeit geben, auf die tiefgreifenden strukturellen Veränderungen die richtigen Antworten zu finden", teilen BamS-Chefredakteurin Marion Horn und Auto-Bild-Chefredakteur Tom Drechsler mit. 

Das Fass zum Überlaufen gebracht haben offenbar die jüngsten Enthüllungen zum Diesel-Skandal. Erst am Donnerstag hatte das gemeinsame Rechercheteam von Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR über eine millionenschwere Abfindung für einen ehemaligen Audi-Ingenieur berichtet. Dieser hatte 1,5 Millionen Euro Abfindung plus zusätzlicher Bonuszahlungen kassiert, obwohl er aktiv an den Abgasmanipulationen bei der VW-Tochter beteiligt war. Der Abfindungsvertrag enthält laut dem Bericht zudem eine Schweigeklausel. Audi wollte damit offenbar einen öffentlichen Prozess vor dem Arbeitsgericht vermeiden. Der Ingenieur wollte gegen seine fristlose Kündigung klagen. 


Die Diesel-Affäre hatte die Verleihung des Goldenen Lenkrads bereits im Vorjahr überschattet. 2017 war kein VW-Vorstand bei der Preisverleihung erschienen, die Preise für Marken aus dem VW-Konzern hatten die jeweiligen Entwicklungschefs entgegengenommen. "Wir hoffen sehr, dass das keine Strafe für kritische Berichterstattung der Bild am Sonntag ist", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner bei der Preisverleihung. Die Zeitung hatte mehrfach kritisch über die Abgasmanipulationen bei VW berichtet. dh
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