Wegen Chemnitz-Attacken

ZDF-Intendant Thomas Bellut nimmt die AfD in die Pflicht

ZDF-Intendant Thomas Bellut
© Foto: ZDF
ZDF-Intendant Thomas Bellut
Themenseiten zu diesem Artikel:
Das ZDF zeigt sich besorgt angesichts von Gefahren für Journalisten bei Demonstrationen unter anderem in Chemnitz. Intendant Thomas Bellut nannte es am Freitag "unhaltbar", dass Reporterteams von zwei bis vier Personenschützern begleitet werden müssten.
"Es schädigt letztendlich auch die, die diese Demonstrationen organisieren", sagte Bellut in Mainz. "Ansonsten kann ich auch nur appellieren (...), dass die Veranstalter vor allem in Sachsen und Sachsen-Anhalt nicht dazu aufrufen, die Presse zu attackieren."

Bei Protesten in Chemnitz nach einer tödlichen Messerattacke auf einen Deutschen Ende August, an denen sich auch Rechtsextremisten und Hooligans beteiligten, war es zu Übergriffen auf Polizisten, Journalisten und Ausländer gekommen. Der ZDF-Intendant sagte: "Mein Appell geht insbesondere an (...) die AfD, dass sie diese Vorgänge in Chemnitz verurteilt, das Zusammenarbeiten mit Rechtsextremen und der AfD, und sie selbst ihre Anhänger zur Mäßigung auffordert." An einer Kundgebung der AfD in Chemnitz hatte im September auch das fremdenfeindliche Pegida-Bündnis teilgenommen.



Der ZDF-Fernsehrat forderte alle gesellschaftlichen Kräfte auf, eine freie Berichterstattung zu ermöglichen. "Die Polizei hat hierfür die grundgesetzlich verankerte Presse- und Rundfunkfreiheit zu gewährleisten", erklärte das Kontrollgremium des öffentlich-rechtlichen Senders.
„Chemnitz hat deutlich gemacht, dass es eben nicht singuläre Fälle sind, sondern dass es vermehrt und auch verstärkt zu Angriffen auf Journalisten kommt." Sie betonte: "Chemnitz hat gezeigt, dass es auch am Verständnis mancher staatlicher Organe fehlt, was freie Berichterstattung, der Schutz der Pressefreiheit, für die Polizei bedeutet.“
Marlehn Thieme
Die Vorsitzende Marlehn Thieme sagte: "Chemnitz hat deutlich gemacht, dass es eben nicht singuläre Fälle sind, sondern dass es vermehrt und auch verstärkt zu Angriffen auf Journalisten kommt." Sie betonte: "Chemnitz hat gezeigt, dass es auch am Verständnis mancher staatlicher Organe fehlt, was freie Berichterstattung, der Schutz der Pressefreiheit, für die Polizei bedeutet."


Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm hatte im September einen besseren Schutz für Journalisten gefordert. Auch der Verlegerverbandspräsident Mathias Döpfner verlangte mehr Schutz von Journalisten zum Beispiel gegen Attacken bei öffentlichen Veranstaltungen. dpa
stats