"Viele Fans, aber am Ende nicht genug"

FAZ stellt Nachrichtenmagazin Woche ein

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Die „FAZ Woche“ erscheint Ende Juni zum letzten Mal
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Die „FAZ Woche“ erscheint Ende Juni zum letzten Mal
Nach vier Jahren ist Schluss: Ende Juni stellt die FAZ ihr freitägliches Politik- und Weltgeschehen-Magazin FAZ Woche ein. Somit ist ein weiterer Versuch der deutschen Verlagshäuser gescheitert, einen neuen Wochentitel zu etablieren. Dabei hat das Aus des FAZ-Ablegers auch, aber nicht nur mit der Corona-Werbekrise zu tun.
Dienstagvormittag hat FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner es vor den Mitarbeitern verkündet: Am 26. Juni erscheint die letzte Ausgabe der FAZ Woche. Die Corona-Werbekrise habe das ohnehin nicht starke Anzeigengeschäft des Heftes entscheidend geschwächt, hieß es. Für viele Werbekunden sei das Blatt eher Kür als Pflicht gewesen, wird er zitiert. Und im Vertrieb sei es nicht gelungen, neben einem niedrigen Einzelverkauf einen ausreichend großen Abonnentenstamm aufzubauen. Vielleicht sei man dafür zehn Jahre zu spät gekommen, so Lindner. Als verkaufte Mindest- und Zielauflage hat der Verlag stets 50.000 Exemplare angegeben; im 1. Quartal 2020 waren es laut IVW tatsächlich 48.000 Stück, darunter jedoch weniger als 30.000 "hart" und zum vollen Preis verkaufte Stücke. Beim Start des Heftes im April 2016 hatte Lindner sogar von 100.000 verkauften Heften geträumt.
„Das Konzept der FAZ Woche war ein sehr gutes, das schlicht ein paar Jahre zu spät in den Markt kam.“
Thomas Lindner, FAZ
Jobs soll das Aus nicht kosten, da es rund zehn FAZ-Redakteure quasi nebenbei produziert haben. Sie sollen im Juli in ihre Ressorts oder auf andere Arbeitsplätze in der FAZ-Redaktion zurückkehren. Das Magazin habe "viele Leser gefunden und eine jüngere Zielgruppe an die FAZ herangeführt", teilt der Verlag offiziell mit. Allerdings sei die Abonnentenzahl in den vergangenen beiden Jahren "hinter den Erwartungen zurückgeblieben". Zudem liege der strategische Fokus des Hauses nun stärker auf Digital- und Streamingprodukten. Soll wohl heißen: In schwierige Print-Versuche möchte man nicht länger investieren.


"Das Konzept der FAZ Woche war ein sehr gutes, das schlicht ein paar Jahre zu spät in den Markt kam. Leider war es auch uns trotz vieler Anstrengungen nicht mehr möglich, aus dem Nichts ein stabiles Abonnementgeschäft mit entsprechenden Wachstumsraten aufzubauen", so Lindner laut Pressemitteilung. "Die journalistischen Erfahrungen, die wir mit der FAZ Woche gemacht haben, sind nicht verloren, sie gehen in unsere weitere Arbeit ein", sagt FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube.

Nach den mehr oder weniger schnellen Einstellungen oder Fehlversuchen von Easy und People (beide Bauer), Frei (Gruner + Jahr), Bild Politik (Axel Springer) und nun auch FAZ Woche ist Bauers Closer (Start war im Februar 2012) dann das jüngste Wochenmagazin, das nach wie vor auf Papier erscheint. Und nun wohl auch das endgültig letzte neue Print-Projekt in dieser Frequenz. Selbst der Monatstakt ist inzwischen selten geworden. Gängiger sind viertel- oder halbjährliche Startfrequenzen, verbunden mit der unverbindlichen Option auf Taktverdichtung. Oder das Heft kommt erst einmal nur als Oneshot – und dann mal schauen. rp
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