Verlag als Event-Veranstalter

Wie G+J seinen Tag der offenen Tür zum Geschäftsmodell ausbaut

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So bewirbt Gruner + Jahr sein Großevent
© G+J
So bewirbt Gruner + Jahr sein Großevent
Während der Spiegel sein Hauptstadtfest in Berlin wegen des grassierenden Corona-Virus abgesagt hat, beginnt Gruner + Jahr das Trommeln für seinen „Tag der Wahrheit“ am 25. April. Dabei wird deutlich: Mithilfe des Bertelsmann-Verbunds will der Verlag seinen früheren Tag der offenen Tür zum Geschäftsmodell ausbauen.
2018 veranstaltete Gruner + Jahrs Stern zum ersten Mal einen „Tag des Journalismus“ für Leser im Pressehaus am Hamburger Baumwall, 2019 außerdem gekoppelt mit dem Nannen-Preis, der abends an gleicher Stelle vor geladenen Gästen verliehen wurde. Im vergangenen Jahr konnten 1000 Leser für die Tagesveranstaltung Tickets zu je 8 Euro erwerben, 50 von ihnen wurden zudem Plätze für die abendliche Preisverleihung zugelost.


Was 2018 eher als Marketingmaßnahme und 2019 als zaghafter Erlösversuch begann, soll nun offenbar zum Geschäftsmodell werden: Nachdem sich G+J durch die Verbündung mit der großen Schwester RTL-Gruppe – ganz im Sinne der Bertelsmann-weiten Content Alliance – für sein Event deutlich mehr Zugkraft gesichert hat, startet nun der Vorverkauf für das „Festival des Journalismus“ (G+J). Und zwar mit gleichsam differenzierter wie ambitionierter Preisgestaltung: Je nach Zutrittsberechtigung zu unterschiedlichen Bühnen (eine davon in der Uni Hamburg) und Workshops kosten die Tickets in diesem Jahr 15 Euro, 25 Euro oder 35 Euro; zusätzlich gibt es „nach Verfügbarkeit“ auch Redaktionsführungen. Insgesamt kündigt der Verlag 80 teils prominente Akteure und 60 Stunden Programm an.

Auch wegen der Ausweitung der Veranstaltungsstätten erwartet G+J nun „deutlich mehr“ (eine Zahl nennt der Verlag nicht) als die zuletzt 1000 Besucher, zumal nicht nur weitere Bertelsmann-Unternehmen (Random House, BMG) als Medienpartner fungieren, sondern auch der Spiegel und Radio Hamburg. Die Besucher können mit Politikern, Schriftstellern, Journalisten und Wissenschaftlern über aktuelle Themen und die Rolle des Journalismus debattieren und die Arbeit von Redakteuren, Reportern und Faktenprüfern kennenlernen, so G+J. Als prominente Gäste sind unter anderem Salman Rushdie, Sigmar Gabriel, Richard David Precht, Gloria von Thurn und Taxis, Günter Wallraff und Niko Kovac angekündigt.


Bereits am Vorabend (24. April) präsentiert der Stern das Eröffnungsevent „Faking Hitler Live“, eine zweieinhalbstündige Multimedia-Show über die Geschichte der gefälschten Hitler-Tagebücher. Die Inszenierung basiert auf dem gleichnamigen Stern-Podcast. Hier kosten die Tickets 29 Euro plus Gebühren. rp
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