Verdacht auf Schleichwerbung

MABB leitet Prüfverfahren gegen Ströer Social Publishing ein

Über Facebook-Seiten wie Unnützes Wissen verbreitet Ströer Social Publishing Inhalte seiner Kunden
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Über Facebook-Seiten wie Unnützes Wissen verbreitet Ströer Social Publishing Inhalte seiner Kunden
Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) hat ein Verfahren gegen Ströer Social Publishing eingeleitet. Dabei geht es um den Verdacht der Schleichwerbung. Am Montag hatte Buzzfeed über angeblich fragwürdige Werbemethoden der Ströer-Tochter berichtet. So nutze das Unternehmen Facebook-Seiten wie "Unnützes Wissen" oder "Wir Kinder der 90er", um im Auftrag von Kunden wie Burda oder der Spiegel-Tochter Bento Inhalte zu verbreiten, ohne dies als Werbung zu kennzeichnen.
Cornelia Holsten, Vorsitzende der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Landesmedienanstalten bestätigte gegenüber HORIZONT, dass die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) als zuständige Landesmedienanstalt die bei Buzzfeed gegen Ströer Social Publishing erhobenen Vorwürfe prüfe.


Buzzfeed hatte am Montag über nicht gekennzeichnete Werbung und Clickbaiting auf Facebook-Seiten berichtet, die zu Ströer Social Publishing gehören. Das Unternehmen ist laut Eigendarstellung der "führende Online Social Publisher in Deutschland". Kunden bezahlen das Unternehmen dafür, Inhalte in sozialen Medien zu verbreiten, um damit Nutzer auf die eigene Website zu locken. Zu den Kunden der Ströer-Tochter gehören laut Eigendarstellung Unternehmen wie die Baumarktkette Hagebau, der Direktversicherer Ergo Direkt oder die Dating-App Tinder. Aber auch Medien, die vor allem unterhaltsame Inhalte bieten, nutzen die Dienste des Unternehmens. Gegenüber Buzzfeed bestätigten unter anderem Burda, Bento, die RTL Mediengruppe oder Freenet, dass sie mit Ströer Social Publishing zusammenarbeiten oder in der Vergangenheit die Dienste von Ströer genutzt haben. 

Zu den Facebook-Seiten, die Ströer zur Verbreitung von Partnerinhalten nutzt, gehören unter anderem "Die Männerseite", "Unnützes Wissen", "Fußball-Fieber", "Tier-Fans" oder "Rätsel des Tages". Insgesamt könne man so potenziell rund 50 Millionen Nutzer erreichen, verspricht Ströer Social Publishing auf seiner Website. Buzzfeed konnte Ströer Social Publishing rund 60 Facebook-Seiten zuordnen.


Im Idealfall platziert Ströer auf diesen Facebook-Seiten passende Inhalte, um damit Nutzer auf die Website seiner Kunden zu locken. Für Ergo Direkt wurden zum Beispiel Fakten zum Thema Zahngesundheit auf der Männerseite platziert, um für eine Zahnzusatzversicherung zu werben. Ergo Direkt war in diesem Fall auch als Absender erkennbar.

Nach den Recherchen von Buzzfeed hat es Ströer Social Publishing aber sowohl mit der Auswahl der Umfelder, als auch der Kennzeichnung wohl nicht immer so genau genommen. Viele Beiträge hätten kaum etwas mit den Inhalten der jeweiligen Facebook-Seite zu tun. Ströer verteile seine Inhalte nach dem Gießkannenprinzip auf seinen Seiten und vergraule damit zahlreiche Nutzer. Außerdem seien viele der werblichen Postings von Ströer Social Publishing nicht als solche gekennzeichnet. dh
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