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Immer mehr Deutsche zahlen für Bewegtbild-Inhalte

Video-on-Demand-Dienste nehmen im Alltag der Menschen eine immer größere Rolle ein
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Video-on-Demand-Dienste nehmen im Alltag der Menschen eine immer größere Rolle ein
Was sich bei Print noch lange nicht durchgesetzt hat, ist bei TV gang und gäbe. Die Zahlungsbereitschaft für Bewegtbild-Content wächst. 2018 knackten die Umsätze für Pay-TV und Paid-Video-on-Demand erstmals die 4 Milliarden Euro Umsatzmarke in der DACH-Region, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahlen veröffentlichte der Verband privater Medien (VAUNET ) heute in München.
„Und die weiteren Aussichten für den Paid-Bereich sind derzeit wie für das Wetter“, stellt Vaunet-Geschäftsführer Frank Giersberg in Aussicht, nämlich sehr gut. Für 2019 erwartet der Verband ein weiteres Plus um 13 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro.
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Der deutsche Markt erwirtschaftet dabei mit 3,5 Milliarden Euro (2017: ca. 3 Milliarden) den Großteil der Umsätze, auch er soll in 2019 weiter wachsen – auf rund 4 Milliarden. Pay-TV (inklusive der sendereigenen VOD-Optionen) erreicht darin ein Umsatzvolumen von rund 2,4 Milliarden Euro, das Segment Subscription-Video-on-Demand (SVOD) – das sind unter anderem Streamingplattformen wie Netflix, kommt auf circa 1,1 Milliarden Euro.
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Der gesamte Markt wächst, im Kernsegment Pay-TV immer noch um 2 bis 3 Prozent. Die Umsatztreiber aber sind, das muss auch Frank Giersberg zugeben, der On-Demand-Bereich und hier insbesondere auch die Streamingplattformen. Welchen Anteil daran Anbieter wie Amazon Prime und Netflix, die in den Umsatzzahlen enthalten sind, beitragen, wollte Giersberg nicht weiter quantifizieren. Einen kleinen Hinweis vermögen die Abonnentenzahlen zu geben. Im Gegensatz zu den Umsätzen sind hier nämlich Netflix und Amazon Prime nicht erfasst. Und die Gesamtzahl der Abonnenten steigt - im Gegensatz zu den Umsätzen im Jahr 2018 nur leicht - um 100.000 Abonennten.
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Dass On-Demand zweifellos der wichtigste Wachstumstreiber ist, bestätigen auch die Vertreter von RTL und der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe. Die klassischen Fernsehsender haben sich – der Nachfrage des Konsumenten gehorchend - in den vergangenen Jahren immer mehr zu breit aufgestellten digitalen Programmmarken weiterentwickelt, die mit ihren Bewegtbildinhalten auf allen Verbreitungswegen vertreten sind. „Der Nutzer unterscheidet nicht mehr zwischen linear und non-linear“, unterstreicht Katharina Behrends, Vorsitzende des VAUNET-Arbeitskreises Pay-TV und Managing Director Central and Eastern Europe bei NBC Universal International Networks. Gleichzeitig steigen Zahlungsbereitschaft und Nachfrage der Menschen nach TV-Inhalten kontinuierlich weiter an. „Es ist selbstverständlich geworden, dass man für hochwertigen exklusiven Inhalt bezahlt“, so Behrends.


Der Trend zu Eigenproduktionen und auch die Nachfrage steigen deshalb weiter. „Es geht darum, außergewöhnliche Inhalte anzubieten, die es sonst nirgendwo gibt“, sagt Behrends. Ein Trend, der zu weiteren Kooperationen im Markt führen wird, ist sich die NBC- Universal-Managerin sicher, denn Eigenproduktionen sind teuer. Mit der Mutter Comcast im Rücken hat sie dabei ebenso gut reden wie Sky, das seit Herbst letzten Jahres gleichfalls dem Kabelnetzbetreiber gehört. Beide Sender erhoffen sich Vorteile durch gemeinsame Produktionen in der neu gegründeten europäischen Produktionsfirma Sky Studios.

Auch Pro Sieben Sat 1 setzt mit seiner neuen - zusammen mit Discovery lancierten - Streaming-Plattform Joyn auf Kooperation. Das erklärte Ziel der Partner ist es, alle deutschen Contentanbieter auf der Plattform zu versammeln. Zumindest RTL und Sky winken hier aber ab. RTL hat 2018 seine eigene Plattform TV Now gegründet, im Gegensetz zu Joyn, das auf ein Freemium-Modell setzt, baut RTL hier auf ein reines Pay-Modell. Auch Sky ist an einer Teilnahme derzeit nicht interessiert, mit Modellen wie Sky Q hat man im Gegenteil andere Anbieter wie Netflix und Dazn sowie die Mediatheken der öffentlichen-rechtlichen auf die eigene Plattform gezogen.


Dass sich der Markt in Zukunft weiter konsolidiert, will hingegen keiner der Teilnehmer ausschließen. Derzeit sei noch Platz für alle, aber Nicole Agudo Berbel, Chief Distribution Officer & EVP Digital Publishing bei Pro Sieben Sat.1 Media, betont: "Auch die Global Player stellen sich auf. Der Markt wird sich weiter verändern. Und dann müssen wir reagieren.“ Die Pro Sieben Sat 1-Managerin ist überzeugt, dass Kooperationsmodelle langfristig am meisten bringen. vg
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