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So will Axel Springer 50 Millionen Euro bei Bild und Welt sparen

Stefan Balkenhols Skulptur "Balanceakt" vor dem Axel-Springer-Haus Berlin
© Axel Springer
Stefan Balkenhols Skulptur "Balanceakt" vor dem Axel-Springer-Haus Berlin
Axel Springer hat Details zu seinen tiefgreifenden Restrukturierungsmaßnahmen bei Bild, Welt & Co bekannt gegeben. Insgesamt muss der Bereich News Media National 50 Millionen Euro einsparen. Zum Sparpaket gehört unter anderem die Fusion von Bild und Bild am Sonntag, über die HORIZONT bereits exklusiv berichtet hat. Aber auch Die Welt kommt nicht ungeschoren davon. Die Sparmaßnahmen im Überblick.

Bild

Die Redaktionen von Bild und Bild am Sonntag werden fusioniert - in der Pressemitteilung von Axel Springer heißt es, dass die Redaktionen "noch weiter zusammengeführt werden". Die Berliner B.Z. soll sich künftig ganz auf regionale Inhalte konzentrieren. Die überregionalen Inhalte kommen künftig von der Bild, umgekehrt liefert die B.Z. den Berlin-Teil der Bild. 


Auto Bild und Computer Bild konzentrieren sich auf die beiden Haupttitel sowie "erfolgreiche Spezialmagazine". Mit anderen Worten: Unrentable Ableger werden eingestellt.

Welt

Noch tiefgreifender sind die Einschnitte in das Produktportfolio der Welt: Die werktäglichen Ausgaben der Welt Kompakt und der Welt Hamburg werden eingestellt. Das Wirtschaftsmagazin Bilanz wird "redaktionell in die Welt integriert", verschwindet also als eigenständiger Titel. 

Außerdem schafft Axel Springer ein markenübergreifendes "Sport-Kompetenzzentrum", das die drei Medienmarken Bild, Welt und Sport Bild beliefert. Die eigenständigen Sportressorts bei den drei Titeln werden folglich aufgelöst.


Insgesamt soll die Kostenbasis durch die verschiedenen Maßnahmen um 50 Millionen Euro im Jahr gesenkt werden. Den notwendigen Stellenabbau will Springer nach Möglichkeit durch Fluktuation, Vorruhestandregelungen und ein "Freiwilligenprogramm mit finanziellen Anreizen und Qualifizierungsmöglichkeiten" für die betroffenen Mitarbeiter erreichen. Nach Informationen des Deutschen Journalisten-Verbands sollen 20 Prozent der Arbeitsplätze in den betroffenen Unternehmensbereichen gestrichen werden. Springer wollte diese Zahl weder bestätigen noch dementieren.
Julian Reichelt
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Rigide Sparmaßnahmen stehen in den rückläufigen Printgeschäften an. Darauf schwört der Verlag die Mitarbeiter seit Wochen ein. Am Montag beendet der Konzernvorstand die Spekulationen. Der in der Wahrnehmung gravierendste Einschnitt wird die Fusion von Bild und Bild am Sonntag unter Julian Reichelts Führung sein - auch auf das Risiko hin, dass Marion Horn das Haus verlässt, und nicht nur sie.

Zugleich kündigt Springer an, in den kommenden drei Jahren 100 Millionen Euro in neue Geschäftsfelder zu investieren, vor allem in eine Live-Video-Strategie bei der Bild. Die Bild soll "als Deutschlands größte Medienmarke auch auf TV-Bildschirme gebracht werden". Bei der Welt steht ein Contributoren-Modell mit einem Netzwerk aus Experten und Kommentatoren im Vordergrund der Investitionen. "Beide Marken streben einen erheblichen Ausbau der digitalen Abonnentenbasis an", teilt Springer mit. 

"Wir gehen mit Bild und Welt jetzt den nächsten Schritt und investieren konsequent in die Zukunft der Marken. Vor allem bei Video, Sport und Paid Content", erklärt Stephanie Caspar, Vorstand News Media National & Technology von Axel Springer. "Gleichzeitig wollen wir uns fokussieren und Strukturen in Bereichen, die nicht mehr wachsen, verkleinern. Das erfordert Einschnitte, leider auch bei Mitarbeitern, die sich täglich mit viel Leidenschaft für den Erfolg unsere journalistischen Marken einsetzen. (...) Gleichzeitig zu sparen und zu investieren wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Wir glauben: Es ist die Voraussetzung für den Erfolg unserer Wachstumsstrategie." 

Axel Springer hat sich nach dem Einstieg des Finanzinvestors KKR eine tiefgreifende Restrukturierung verordnet. "Jetzt können wir alles, was sinnvoll ist, schneller machen", hatte Springer-Chef Mathias Döpfner jüngst in einem Interview gesagt. Das sei nicht nur unternehmerischer, sondern auch ehrlicher. "Das klingt nicht nur nach einem großen Schnitt, das ist einer." Während im schrumpfenden Printgeschäft nun ohne Rücksicht auf Börsenzwänge der Rotstift angesetzt wird, investiert der Medienkonzern mithilfe des Private-Equity-Unternehmens massiv in neue Geschäftsfelder. dh
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