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Häkchen-Chaos: Prominente werden Opfer von Fake Accounts

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Now you see it - now you don't - Häkchen bei Twitter
© IMAGO / NurPhoto
Now you see it - now you don't - Häkchen bei Twitter
Der neue Twitter-Besitzer Elon Musk hat die Einführung eines neuen Symbols für verifizierte Accounts prominenter Nutzer nach nur wenigen Stunden gestoppt. Einigen Nutzern fiel am Mittwoch auf, dass das graue Häkchen mit dem Wort "Official" in ihren Profilen erst auftauchte und dann wieder verschwand. Er habe es "gekillt", antwortete Musk daraufhin dem bekannten Tech-Blogger Marques Brownlee bei Twitter.
Ob Musk damit Brownlees Markierung, das Symbol insgesamt oder nur dessen Einführung am Mittwoch meinte, wurde nicht abschließend klar. Aber dass Musk das Häkchen für Abo-Kunden als "großen Ausgleicher" bezeichnete, deutete darauf hin, dass die "Offiziell"-Markierung schon wieder Vergangenheit sein könnte. "Bitte nehmen sie zur Kenntnis, dass Twitter in den kommenden Monaten jede Menge dummer Sachen machen wird", schrieb er auch. "Wir werden behalten, was funktioniert" - und das andere wieder ändern.

Twitter passt die Neuordnung seiner verifizierten Accounts nach der Übernahme durch Elon Musk erneut an. Nun soll es zwei unterschiedliche Arten von Verifizierungs-Häkchen geben - eines für Abo-Kunden, das andere für bereits verifizierte Accounts etwa von Prominenten und Unternehmen. Vor einer Woche hatte Musk bisherigen verifizierten Nutzern lediglich eine zusätzliche Kennzeichnung zum Abo in Aussicht gestellt.

Nach dem erst in der Nacht zum Mittwoch angekündigten Plan sollte es zwei verschiedene Häkchen-Symbole geben. Dabei sollte das bekannte weiße Häkchen auf blauem Hintergrund, das bisher von Twitter ausgewählten Nutzern vorbehalten war, künftig Profile aller Abo-Kunden kennzeichnen, die acht Dollar im Monat bezahlen.

Accounts von Unternehmen, Regierungen, Medien und Prominenten sollten darüber hinaus mit einem neuen Symbol gekennzeichnet werden. Es ist ein graues Häkchen auf weißem Hintergrund, ergänzt um das Wort "Official", wie aus einem von einer Twitter-Managerin veröffentlichten Screenshot hervorging. Aber nicht alle heutigen verifizierten Accounts würden auch als "Offiziell" gekennzeichnet werden, schränkte sie ein. Man werde bei Twitter weiter damit experimentieren, wie verschiedene Account-Arten besser unterscheidbar gemacht werden könnten.

Tech-Milliardär Musk hatte nach der rund 44 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Twitter als einen der ersten Schritte die Neuordnung der Account-Verifizierung angekündigt. Er verkündete, dass bisherige Inhaber verifizierter Accounts, die keine acht Dollar im Monat bezahlen wollen, in einigen Monaten ihre Häkchen verlieren würden. Später brachte Twitter die zusätzliche "Offiziell"-Markierung ins Gespräch.

Unterdessen haben einige Twitter-Nutzer nach der Umstellung des Verifikationssystems trotz drohender Sperren Fake-Accounts von Prominenten angelegt. Die begehrten Verifikations-Häkchen, mit deren pauschaler Vergabe an Abo-Kunden Twitter einen neuen Weg beschreitet, wurden umgehend für irreführende Posts missbraucht. So wurde über den angeblichen Account des Basketball-Stars LeBron James am Mittwoch verkündet, dass er die Los Angeles Lakers verlassen wolle.

Es war einfach, den Account für echt zu halten: Neben dem Namen des Sportlers stand das bekannte weiße Häkchen auf blauem Hintergrund, und auch der Account-Name war zum Verwechseln ähnlich: «@KINGJamez» statt des echten «@KingJames». Der Account wurde zwar gesperrt - aber erst nachdem er bereits breitere Aufmerksamkeit bekommen hatte. Auch für andere Prominente und Unternehmen wurden Fake-Accounts angelegt.

Das Verifikations-Häkchen war bisher Prominenten, Politikern, Organisationen und Unternehmen vorbehalten, deren Identität von Twitter geprüft wurde. Nach dem neuen System bekommen es alle, die ein Abo für acht Dollar im Monat abschließen. Eine Prüfung gibt es nicht mehr. Twitter-Chef Elon Musk sagte, er gehe davon aus, dass die Authentifizierung durch Bezahldienste und App-Plattformen sowie das Risiko, bei Verstößen den Account und das bezahlte Geld zu verlieren, ausreichenden Schutz gegen Missbrauch böten.
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