Trend-Umfrage unter Zeitschriftenverlagen

"Es knirscht überall"

Stephan Scherzer
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Stephan Scherzer
Die Zeitschriftenverlage in Deutschland erwarten eine weitere Verschiebung vom Print- zum Digitalgeschäft. Für die klassischen Geschäftsfelder Anzeigen und Vertrieb rechnet die Branche für 2019 mit Umsatzrückgängen um 4,2 und 3,8 Prozent, beim Digitalvertrieb dagegen mit einem Plus von 14,5 Prozent und beim Digitalgeschäft insgesamt von 9,6 Prozent.

Das sind Ergebnisse der aktuellen Trend-Umfrage unter den Mitgliedern, die der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Bewahrheiten sich die Erwartungen, würde das klassische Printgeschäft in diesem Jahr beim Umsatz erstmals weniger als die Hälfte (49,6 Prozent) ausmachen - gegenüber dem Digital- (24,5) und dem sonstigen Geschäft (25,9 Prozent).



"Die Rückgänge im Print sind da und werden auch weitergehen, vor allem im Anzeigengeschäft", sagte VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer. Einer der Gründe sei die immer breitere Konkurrenz in Zeiten, in denen soziale Medien und Streamingdienste zum Alltag gehören.

"Der Kampf um die Zeit wird härter. Deshalb knirscht es überall", sagte Scherzer. Für 2019 geht rund ein Viertel der Verlage laut der Umfrage davon aus, neue digitale journalistische Produkte an den Markt zu bringen. Noch mehr sind es bei neuen Podcast-Formaten (38 Prozent).


Investitionen sind aber auch im Printbereich geplant: 45 Prozent der Verlage wollen den Umfragedaten zufolge neue regelmäßíg erscheinende Titel auf den Markt bringen, sogar 61 Prozent Sonderausgaben. Nach VDZ-Angaben gibt es derzeit bereits allein 1625 Publikumszeitschriften in Deutschland - eine neue Höchstmarke. Chancen für neue Titel sieht Scherzer vor allem in der Nische. Die Zahl der Titel ist in den vergangenen Jahren ständig gestiegen: 2001 waren es erst 1178.

Insgesamt lag der Branchenumsatz bei Fach- und Publikumszeitschriften 2018 bei 20,6 Milliarden Euro. Das deutliche Plus zum Jahr davor (14,8 Milliarden) erklärte Scherzer mit einer Neuberechnung der Vertriebsumsätze. dpa

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