Thüringer Allgemeine

Funke Mediengruppe trennt sich nach Antisemitismus-Vorwurf von Autorin

Die Thüringer Allgemeine machte die Kritik an dem Artikel selbst zum Thema
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Die Thüringer Allgemeine machte die Kritik an dem Artikel selbst zum Thema
Nach Kritik an antisemitischen Passagen in einem Artikel der Thüringer Allgemeinen hat der Mutterkonzern Funke Mediengruppe Konsequenzen gezogen. "Die betreffende freie Autorin wird in keiner unserer Zeitungen wieder etwas publizieren", hieß es am Dienstag in einer Mitteilung des Essener Unternehmens.

Zuvor hatte der Chefredakteur der in Erfurt erscheinenden Thüringer Allgemeine, Johannes M. Fischer, den auch in der Thüringischen Landeszeitung veröffentlichten Text kritisiert. "Er hätte nie erscheinen dürfen", schrieb Fischer und bat im Namen der Redaktion um Entschuldigung. Fischer kritisierte "Sätze, die mich schockierten, die mir die Sprache raubten". Auch in der Redaktion soll nun geklärt werden, wie es zu diesem Text gekommen sei. 


Die Autorin hatte über das Festival Yiddish Summer Weimar berichtet, das traditionelle jiddische Kultur präsentiert. Darin spekulierte sie über Gründe für das Festival in Weimar: "Zum einen, weil alle Welt glaubt, dass wir Deutschen immer noch humanitäre Schulden aus dem Zweiten Weltkrieg zu begleichen hätten; zum zweiten, weil hier das Geld für allseits begründbare Projekte noch sehr locker fließt." 

Passagen des Textes wertete der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm, als "geschmacklos, unsensibel und schmerzlich". Andere Kritiker sprachen von "antisemitischen Codes", "Sprache der extrem Rechten" oder warfen der Autorin vor, sie schaffe es "binnen weniger Zeilen, das gesamte Repertoire modern gewendeter Antisemitismen einzuspielen. Ihre Codes lauten Schuld, Geld, Jude." dpa



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