Telekom-Chef Timotheus Höttges

„Medien werden von Gatekeepern zu Türöffnern“

Telekom-Chef Tim Höttges beim Publisher's Summit des VDZ
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Telekom-Chef Tim Höttges beim Publisher's Summit des VDZ
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Alles wird gut, man muss nur wollen: Wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftlicher Fortschritt sind auch eine Frage der Haltung, sagt Telekom-Vorstandschef Timotheus Höttges auf dem Publishers‘ Summit des VDZ in Berlin. Und hat dabei auch ein paar Anregungen für die Medien.

„Die Digitalisierung ist das größte Geschenk, das der heutigen Generation gemacht wurde, denn sie erleichtert Lösungen bei vielen Zukunftsproblemen“, sagt Höttges. Und das nicht nur in Sachen Verkehr und Medizin, sondern auch für die Medien: Natürlich gebe es "neue Konkurrenz durch Zerstreuungsplattformen wie Facebook" – aber eben auch bisher unbekannte Geschäftsmodelle und neue Möglichkeiten zur Vernetzung. Hier nennt der Telekom-Chef die „Deutschland spricht“-Aktion von Zeit Online und zehn weiteren Medienpartnern, die politisch Andersdenkende zu Dialogen zusammenführt. Was bedeutet das für die Medien? „Aus Gatekeepern werden Türöffner“, ruft Höttges den Verlegern zu.



Außerdem sollten Gesellschaft und Medien „mehr positive Geschichten über die Zukunft erzählen“, wendet sich der Telekom-Chef gegen die „aggressive Nostalgie“, die vielfach in Europa vorherrsche – im Gegensatz zum asiatischen Zukunftsoptimismus.
„Die Populisten sind nicht immer die anderen.“
Tim Höttges
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Höttges warnt den alten Kontinent davor, nach den bisherigen Entwicklungsstufen der Digitalisierung nun auch die nächste Runde zu verlieren, in der es um Datenspeicherung und damit um die Grundlage für Datenanalysen und damit zusammenhängende Geschäftsmodelle geht. Und im Cloud-Computing seien nicht allein die üblichen Verdächtigen aus dem Silicon Valley die treibenden Kräfte, sondern auch und vor allem chinesische Digitalriesen wie Tencent und Alibaba.

An der Telekom soll es jedenfalls nicht liegen, so Höttges mit Blick auf den viel zitierten künftigen schnellen Digital-Infrastrukturstandard 5G. Und stellt erneut seinen 8-Punkte-Plan „5G für unser Land“ vor. Zugleich warnt er aber vor zu hohen Erwartungen. Zwar teilt er die Vision einer flächendeckenden Digitalversorgung von ganz Deutschland – ob es aber immer bei jeder Anwendung direkt 5G sein müsse (oder könne), stellt er in Frage. Zumal Infrastrukturvorhaben hierzulande stets sehr lange dauerten: „Wenn Sie nur eine neue Mobilfunkantenne bauen wollen, haben Sie direkt eine Bürgerinitiative und den Landschaftsschutz gegen sich, und die Bundesnetzagentur misst jeden Winkel nach.“


Und auch hier formuliert Höttges einen Wunsch an die Medien: Überschriften wie „Deutschlands Handynetz ist schlechter als in Albanien“ würden der Sache nicht gerecht. Es gebe keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen, so der Telekom-Chef: „Die Populisten sind nicht immer die anderen.“ Das Land brauche vielmehr eine gemeinsame „Aufbruchstimmung für digitale Infrastruktur“. rp

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