taz-Chef Karl-Heinz Ruch

"Das System Zeitung ist am Ende"

Der Neubau der taz am Besselpark in Berlin
© Rory Gardiner/taz
Der Neubau der taz am Besselpark in Berlin
Karl-Heinz Ruch gibt sich keinen Illusionen hin: "Das System Zeitung ist am Ende", sagt der scheidende Geschäftsführer der taz im Interview mit dem ehemaligen taz-Chefredakteur Arno Widmann in der Frankfurter Rundschau. Die taz sieht er für die digitale Zukunft indes gut aufgestellt. 
In dem Interview, in dem Ruch auf seine 40-jährige Amtszeit als Geschäftsführer der linksalternativen Tageszeitung zurückblickt, sagt der taz-Mitgründer der gedruckten Tageszeitung ein baldiges Ende voraus: "Auf der einen Seite gibt es keine Anzeigen mehr und auf der anderen Seite ist die Herstellung und der Transport materieller Informationsträger völlig überflüssig geworden. Die Musikindustrie hat es längst erwischt. Jetzt sind die Zeitungen dran." Vielleicht könnten sich die Wochenzeitungen noch eine Weile halten.
TAZ-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch
TAZ-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch
Ruch gehörte 1979 zu den Gründern der alternativen Tageszeitung aus Berlin, die er seitdem erfolgreich durch mehrere Krisen gesteuert hat. "Heute würde keine Mensch mehr eine Zeitung gründen", ist Ruch sicher. "Heute gibt es das Internet. Das ist alles besser, schneller, einfacher, billiger. Wozu noch eine Zeitung drucken." Im vergangenen Jahr hatte Ruch, der Ende des Jahres aus dem Amt scheidet, mit einem radikalen Gedankenspiel für Aufsehen gesorgt: Ab 2022 könnte die taz nur noch am Wochenende auf Papier erscheinen, nicht mehr täglich wie bisher. Unter der Woche soll die Zeitung nur noch rein digital erscheinen. 
„Die Journalisten wissen genau, wann Schluss ist mit dem Diesel und wann mit der Braunkohle. Nur von einem Ende der Zeitung wollen sie nichts wissen. “
Karl-Heinz Ruch
Ruch sieht die taz für das digitale Zeitalter gut gerüstet - vor allem wegen ihrer treuen Leser. "Die taz hat Leser, die sie für notwendig halten. So wie sie vor vierzig Jahren Vorausabonnements zahlten, so zahlen sie heute für Artikel der digitalen taz, obwohl sie sie auch ohne zu zahlen lesen könnten. Ich habe gar keine Bange, dass wir die Leute, die man braucht, um einen gute digitale taz herzustellen, auch in Zukunft werden finanzieren können. Die taz ist eine Profiteur der Krise."


Ruch wundert sich indes über Journalisten, die die Realität der digitalen Medienwelt scheinbar nicht sehen wollen: "Mich wundert das. Die Journalisten wissen genau, wann Schluss ist mit dem Diesel und wann mit der Braunkohle. Nur von einem Ende der Zeitung wollen sie nichts wissen." dh
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