Tagesspiegel-Chefredakteure

Lorenz Maroldt und Mathias Müller von Blumencron: "Wir sind Gestalter, nicht Opfer"

Lorenz Maroldt (links) und Mathias Müller von Blumencron (rechts)
© Björn-Arne Eisermann
Lorenz Maroldt (links) und Mathias Müller von Blumencron (rechts)
Auch das gibt es, wenn alles ineinandergreift: Zum zehnten Mal in Folge meldet der Tagesspiegel ein Auflagenplus: 110.975 Exemplare waren es im ersten Quartal. Weiteres Potenzial sehen Lorenz Maroldt und sein neuer Kollege Mathias Müller von Blumencron digital. Zunächst aber wird der Newsletter Checkpoint kostenpflichtig. Der Wechsel der Zeitung zum Tabloid-Format lässt auf sich warten.
Herr von Blumencron, warum tut sich jemand wie Sie an, Co-Chef in einem Zeitungsmarkt wie Berlin zu werden?
Mathias Müller von Blumencron: Es geht nicht darum, sich etwas anzutun. Der Tagesspiegel wird von einer erstklassigen Redaktion gemacht, er ist eine grandiose Zeitung. Sie in die digitale Zukunft zu führen, ist das spannendste Projekt, das es im aktuellen Markt gibt. Welche Zeitung schafft es schon noch, die Auflage zu steigern? Trotzdem bleibt viel zu tun, und das Reizvolle daran ist: Weder der Verleger noch die Herausgeber noch die Geschäftsführung müssen vom richtigen Weg überzeugt werden. Sie treiben uns sogar an.

Das kennen Sie auch anders, in der Tat. Der Tagesspiegel erwirtschaftet Jahr für Jahr Verluste, trotzdem wird investiert. Es ist erstaunlich, wie geduldig Dieter von Holtzbrinck das alles mitmacht.

„Wir haben alle das Gefühl: Da geht noch was.“
Lorenz Maroldt
Blumencron: Der Verleger glaubt an den Tagesspiegel. Er will beweisen, dass hochwertiger Journalismus im digitalen Zeitalter funktioniert. Wir sind bereits die führende Zeitung in Berlin, nun wollen wir überregional relevanter werden und neue Leser gewinnen. Vor allem digital. 
Lorenz Maroldt: Wir haben alle das Gefühl: Da geht noch was. Und dieses Gefühl ist ansteckend. Es geht hier nicht darum, wie wir noch effizienter arbeiten, noch mehr Kosten sparen, mit noch weniger Mitarbeitern auskommen. Stattdessen siehst du plötzlich Möglichkeiten, an die vorher nicht zu denken war, bekommst die richtigen Leute dafür, und die Geschäftsführung schafft es, diese Leute auch zu halten. Damit ist schon die halbe Wegstrecke geschafft. Wir sind froh, dass wir so eine gut besetzte Geschäftsführung haben. Wir sind froh um Michael Grabner im Aufsichtsrat, der die Dinge vorantreibt, wir sind froh um den Mitherausgeber Sebastian Turner mit seinen Ideen. Und ja, es ist ein Segen, dass wir Dieter von Holtzbrinck als Verleger haben. Die Leidenschaft für Journalismus hatte er immer schon. Ihm geht das Herz auf, wenn er sieht, wie sich der Tagesspiegel entwickelt. Sein Vertrauen in uns ist keine Selbstverständlichkeit, das wissen wir umso mehr zu schätzen, wenn wir mit Kollegen anderer Zeitungen sprechen. Deshalb wollen wir auch etwas zurückgeben.
Der Verleger

2001 hatte Dieter von Holtzbrinck das operative Geschäft bereits an seinen Halbbruder Stefan übergeben, der jedoch nach dem misslungenen Kauf des Berliner Verlags damit begann, das Zeitungsgeschäft abzustoßen. Daraufhin gab DvH 2006 seine Anteile am väterlichen Verlag ab, übernahm im Gegenzug die Handelsblatt-Gruppe, die Hälfte der Zeit und den Tagesspiegel und gründete seinen eigenen Verlag: DvH Medien. Als Minderheitsgesellschafter hat sich der heute 77-Jährige beim Tagesspiegel 2013 Sebastian Turner mit an Bord geholt.



Die Morgenpost stand jüngst fast vor dem Aus, die Berliner Zeitung steht zum Verkauf. Ist der Zeitungsmarkt in dieser Stadt, nüchtern betrachtet, kaputt?

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