Studie von EY-Parthenon

Medienhäuser fahren Beteiligungen deutlich zurück

   Artikel anhören
Die Zahl der Übernahmen und Beteiligungen im Mediensektor sinkt
© Pixabay.com
Die Zahl der Übernahmen und Beteiligungen im Mediensektor sinkt
Die deutschen Medienhäuser haben ihre Beteiligungsaktivitäten erstmals seit zehn Jahren wieder spürbar reduziert. Das geht aus einer M&A-Studie der Strategieberatung EY-Parthenon hervor. Während sich viele Medienunternehmen von direkten Beteiligungen und Inkubatoren getrennt haben, nehmen die reinen Finanzinvestitionen zu. 
Insgesamt sank die Zahl der Beteiligungen deutscher Medienunternehmen im Vergleich zum Vorjahr (Stand: Februar 2020) um 7 Prozent. Besonders deutlich reduzierten die Unternehmen ihre Beteiligungen an Inkubatoren: Hier liegt das Minus bei 19 Prozent. Auch direkte Beteiligungen im Kerngeschäft - also vor allem in werbefinanzierte Geschäftsmodelle und B2B/B2C-Services - wurden um 9 Prozent reduziert. Dagegen stiegen die reinen Finanzbeteiligungen deutscher Medienunternehmen um 24 Prozent - allerdings bei vergleichsweise geringen absoluten Zahlen.


Betrachtet man die Geschäftsmodelle, trennten sich die Medienunternehmen vor allem von werbefinanzierten Beteiligungen, während sie an Geschäftsmodellen in den Bereichen Content, Plattformen und E-Commerce festhielten. 

Laut EY-Parthenon deutet der Rückgang der Beteiligungen darauf hin, dass die Medienhäuser ihre Portfolios bereinigen: "Die Zeit der Experimente scheint vorbei, Medienhäuser fokussieren sich zunehmend und stärken ihre erfolgreichen Kern-Investments", erläutert Sebastian Priebe, Associate Director von EY-Parthenon. Insbesondere digital aktivere Medienhäuser wie Axel Springer, Pro Sieben Sat 1 und Ströer haben Beteiligungen abgebaut. Auch Gruner + Jahr hat den Vorjahreskurs fortgesetzt und sein Portfolio bereinigt, während Burda seine Beteiligungen entgegen dem allgemeinen Trend ausgeweitet hat. 
© EY-Parthenon
Besonders auffällig ist laut den Studien-Autoren der Rückgang bei den Inkubator-Beteiligungen: Hier sank die Zahl um rund ein Fünftel auf 96 Beteiligungen. "Sofern sich die Inkubator-Investitionen nicht positiv entwickeln, werden sie konsequenter veräußert oder eingestellt",  analysiert der Hamburger EY-Parthenon-Partner Michael Rzesnitzek. Insbesondere Axel Springer und Pro Sieben Sat 1 hätten ihre Inkubator-Beteiligungen in den letzten Monaten deutlich zurückgefahren. 


Dagegen ist ein deutlicher Anstieg der reinen Finanzinvestitionen zu beobachten. Vor allem Axel Springer, Burda, Pro Sieben Sat1, DuMont und Holtzbrinck sind in diesem Bereich aktiv, wobei es in den meisten Fällen offenbar nicht darum geht, die Unternehmen zu kontrollieren oder mittelfristig zu übernehmen. Meistens handelt es sich um Minderheitsbeteiligungen, die im Idealfall später mit Gewinn wieder abgestoßen werden. 

Laut den Experten von EY-Parthenon dürfte die Coronakrise dazu beitragen, dass Medienunternehmen nicht nur ihre Geschäftsmodelle, sondern auch ihre Beteiligungsstrategien überdenken: "Interne Hürden bei der Anpassung des Geschäftsmodells in der Krise können durch gezielte Zukäufe oder Neugründungen überwunden werden", betont Sebastian Priebe. Bei experimentelleren Investitionen, wie etwa Inkubatoren, führe die Corona-Krise allerdings dazu, dass das Verhältnis von Aufwand und Ertrag häufiger hinterfragt werde. dh
Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats