Springer-Vorstand Stephanie Caspar

Was Verlage tun müssen, um ihre Geschäfte neu zu erfinden

Stephanie Caspar auf dem Digital Innovators‘ Summit
© Ole Bader / VDZ
Stephanie Caspar auf dem Digital Innovators‘ Summit
Umwälzungen und Neuerfindungen des Mediengeschäftes hat es immer gegeben – doch noch nie war es so schwer wie heute. Diese bittere Botschaft hatte Axel-Springer-Vorständin Stephanie Caspar zum Digital Innovators‘ Summit mitgebracht. Doch es gibt Hoffnung.

Noch nie in der Mediengeschichte habe sich die Technologie so schnell verändert, noch nie habe dies für Publisher so hohe Investitionen erfordert und noch nie habe man so aufwändig um qualifiziertes Personal kämpfen müssen. Gerade für Axel Springer bedeute das eine große Herausforderung, denn: "Wir möchten vom Medienhaus zum Medien- und Technologieunternehmen werden", sagte Caspar, Vorstand News Media National & Technology, auf der Veranstaltung des Zeitschriftenverbandes VDZ und seines internationalen Pendants FIPP in Berlin.



Zwar sei dies kein Selbstzweck – "Niemand kauft Medienprodukte wegen der Technologie" –, doch längst sei diese ein entscheidender Faktor, um journalistische Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Daher möchte Springer die "entscheidende Technologie entlang der gesamten Wertschöpfungskette selber besitzen, durch eigene Entwicklungen oder Zukäufe – wir sind groß genug dafür". So haben die Berliner kürzlich den Paid-Content-Spezialisten Celera One übernommen. Bisweilen gibt sich Springer mit Dienstleistern zufrieden, siehe Appnexus bei der digitalen Werbevermarktung. "Nehmen Sie das Tech-Thema ernst, denn es ist für alle sehr frustrierend, wenn gute Ideen an eigentlich lösbaren technologischen Fragen scheitern", appelliert Caspar an die Kollegen anderer Häuser.
„Der wichtigste Erfolgsfaktor, seine Geschäfte neu zu erfinden, ist die Veränderung der Unternehmenskultur.“
Stephanie Caspar
Überhaupt, die interne Motivation. Um ihre Geschäfte erfolgreich ins Digitale zu transformieren, müssten Verlage etwas lernen, was sie lange Zeit schlecht konnten und auch nicht mussten, weil ihre Geschäfte ohnehin liefen: Teams aus unterschiedlichen Professionen zu bilden, zum Beispiel mit Journalisten und Technikern. "Der wichtigste Erfolgsfaktor, seine Geschäfte neu zu erfinden, ist die Veränderung der Unternehmenskultur", sagt Caspar, etwa durch sinngebende Zielsetzungen mit entsprechenden Incentives und mit der "Freiheit für Mitarbeiter, eigene Entscheidungen zu treffen". Und natürlich müssten Verlage ihre Kunden in den Mittelpunkt stellen – auch hierbei seien sie früher nicht unbedingt die besten gewesen –, alle ihre Kundendaten nutzen und so viel ausprobieren wie möglich.

Doch bei allem ernsten Aufrütteln hat Caspar doch auch eine freudige Botschaft parat. Trotz des fatalen Starts ins Internet mit verschenkten Gratis-Inhalten, trotz aus Verlagssicht unfairer Bedingungen im Wettbewerb mit den US-Plattformen und trotz aller Komplexität (auch dadurch, dass parallel zur digitalen Neuerfindung ja auch das Print-Geschäft weiterhin profitabel geführt werden kann und muss): "Nach einer wirklich schwierigen Anfangsphase beginnt Paid Content mit signifikanten Wachstumsraten jetzt richtig zu funktionieren, als eine Säule einer zukünftigen Mischung mehrerer Erlösquellen." rp


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