Spiegel Geld

Warum die neue Beilage die Spiegel-Redaktion an ihre Unabhängigkeit erinnern dürfte

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So ähnlich wird das neue Supplement Spiegel Geld aussehen - hier ein Dummy-Cover
© Spiegel Verlag
So ähnlich wird das neue Supplement Spiegel Geld aussehen - hier ein Dummy-Cover
Der Spiegel erprobt ein neues werbefinanziertes Supplement rund ums Thema Geldanlage. Die Redaktion soll auch Produktempfehlungen geben. Wird hier funktionieren, was bei der Spiegel-Gesundheitsbeilage Wohl nicht geklappt hatte?
Die Pläne sind schon länger bekannt, doch noch vergangene Woche ließ man sie im Ungefähren. Nun beginnt der Verlag das Trommeln für seine neue Beilage Spiegel Geld. Am 9. Mai soll das Supplement mit Themen wie Geldanlage, Versicherungen, Immobilien, Vorsorge und Steuern dem Nachrichtenmagazin zum ersten Mal beiliegen, dann wieder im September und November. Ab kommendem Jahr sollen vier Ausgaben erscheinen.


Spiegel Geld richte sich an „Leser aller Vermögensstrukturen“, die das Thema Finanzvorsorge bisher „vor sich her schieben“, so Redaktionsleiterin Anne Seith, im Hauptjob Wirtschaftsredakteurin im Berliner Büro. „Mit dem kritischen Blick der Spiegel-Redaktion auf die Finanzwelt“ wolle man den Lesern in diesem unübersichtlichen Markt Ängste nehmen, Orientierung bieten und „sinnvolle Empfehlungen in einzelnen Produktkategorien aussprechen“.

Auch dem Verlag geht es bei der neuen Beilage um Geld – um Werbeerlöse aus passenden und planbaren Themenumfeldern, die der Haupt-Spiegel so nicht bieten kann und will. Da Spiegel Geld – anders als das Lifestyle-Supplement S-Magazin – nicht von einem externen Dienstleister produziert wird, sondern intern im eigenen Team, könnte es sein, dass die Wirtschaftsredakteure des Spiegel mehr als sonst an ihre journalistische Unabhängigkeit erinnert werden. Werden sie von Finanzprodukten eines großen Anzeigenkunden abraten?


Strategisch ist Spiegel Geld ein weiterer Versuch, sich für Nutzwert- und leichtere Lifestyle-Stoffe zu öffnen; bei dem neuen Onlineressort Leben, von dem man sich viele Digitalabos erhofft, gilt dies sogar fürs Vertriebsgeschäft. Im Print-Vertriebsmarkt hatten in den letzten beiden Jahren Spiegel Fernsehen und Spiegel Classic nicht funktioniert – und ebenso wenig die werbefinanzierte Gesundheitsbeilage Wohl. „Manche Werbekunden äußern redaktionelle Vorstellungen, auf die wir uns auch bei Wohl nicht einlassen konnten“, so Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass im vergangenen Mai.

Dabei wurde Wohl extern produziert, zudem war der Spiegel als Absender auf dem Cover kaum zu erkennen. Auch gelten die Sitten bei der Trennung zwischen Redaktion und Werbung im Pharmamarkt als verroht. Es bleibt abzuwarten, wie sich nun die Spiegel-Redaktion mit ihrer neuen Service-Beilage im Finanzmarkt schlägt. rp
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