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Die Redaktionsfusion beginnt / Mindestens zwei KG-Chefs treten nicht mehr an

Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann
Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann
Erst im Januar tritt Steffen Klusmann als Vorsitzender der neuen Spiegel-Chefredaktion offiziell an – doch bereits seit seiner Berufung im August bereitet er das Schicksalsprojekt des Hauses vor, an dem in den vergangenen zehn Jahren alle Vorgänger gescheitert waren: Die Fusion der Print- und Onlineredaktionen. Nun steht die Struktur zumindest in der Top-Ebene. Zugleich steigt die Spannung vor der Führungswahl beim Hauptgesellschafter Mitarbeiter KG.

Nach HORIZONT-Informationen wird es unterhalb der dreiköpfigen Chefredaktion (neben Klusmann noch Barbara Hans und Ullrich Fichtner) statt der stellvertretenden Chefredakteure etwa fünf ressortübergreifende Funktionsbereiche mit insgesamt neun oder zehn Chefs geben: Vier Blattmacher (je zwei für Print und Online), ein Nachrichtenchef, ein Art Director, ein oder zwei Produkt- und Formatentwickler sowie zwei redaktionelle Change-Manager. Teils kursieren Namen für diese neue zweite Führungsebene; andere Stellen sind ausgeschrieben.



Ähnlich wie in einer Matrix siedeln sich unter den Funktionschefs die künftig gemeinsamen Ressortleitungen an. Wirtschaft, Kultur und Sport machen den Anfang: Bereits im Dezember sollen sie jeweils in Workshops die Zusammenführung von Print und Online einleiten. Eine Verlagssprecherin erklärt, über die Redaktionsstruktur sei noch nicht final entschieden. Mehr dazu lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 48/2018 vom 29. November. Ebenso über das komplexe Begleitprojekt, das nun startet: Über einen Gemeinschaftsbetrieb von Spiegel und SpOn schlüpfen die rund 170 Onliner sukzessive in den Verlag und zugleich in die Mitarbeiter KG, die 50,5 Prozent am Verlag hält – rund 30 Redakteure pro Jahr.

Der nunmehr entschlossene Start des Fusionsprozesses erklärt sich auch damit, dass die stillen Gesellschafter im Frühjahr 2019 eine neue KG-Spitze wählen und damit den aktuellen Kurs entweder bestätigen oder verändern können. Tuschelthema ist, ob sich Fusionskritiker (etwa eine Handvoll Print-Redakteure haben sich als solche zu erkennen gegeben) zur Wahl stellen – und wer von den fünf bisherigen KG-Chefs dies tut. Dokumentar Thomas Riedel bestätigt auf Anfrage, nicht wieder anzutreten. Dem Vernehmen nach gilt dies aus Altersgründen auch für den Autor Martin Doerry; er möchte sich nicht äußern.


Bei den drei übrigen KG-Chefs rechnen viele Mitarbeiter damit, dass sie sich erneut zur Wahl stellen: Wirtschaftsressortleiterin Susanne Amann, die einflussreiche Sprecherin des Gremiums (auch sie möchte sich nicht äußern), Vize-Personalchef Carsten Türke und Vermarktungs-Verkaufsleiter Johannes Varvakis. Beide ließen eine entsprechende Anfrage unbeantwortet. Bis Mitte Januar dürften sich alle Kandidaten erklärt haben. rp

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