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Das ist das neue Führungsteam der Redaktion

Steffen Klusmann sortiert seine Führungsmannschaft
© David Maupile/Der Spiegel
Steffen Klusmann sortiert seine Führungsmannschaft
Nun erhält die zweite Führungsebene der künftigen gemeinsamen Redaktion von Spiegel und Spiegel Online die ersten Namensschilder. Nach HORIZONT-Informationen hat die designierte Chefredaktion um Steffen Klusmann die Mitarbeiter heute über diese wichtigen Personalien informiert.

Es geht in der ab Januar zu fusionierenden Print- und Onlineredaktion von Spiegel und SpOn um die etwa fünf ressortübergreifenden Funktionsbereiche mit insgesamt neun oder zehn Leitern. Sie ersetzen direkt unterhalb der dreiköpfigen Chefredaktion (neben Klusmann noch Barbara Hans und Ullrich Fichtner) die bisherigen stellvertretenden Chefredakteure.



Und das sind die besagten Posten und Personen: Susanne Amann (bisher Print-Wirtschaftsressortleiterin) und Birger Menke (Geschäftsführender Redakteur SpOn) werden "Managing Editors": Als eine Art redaktionelle Change-Manager sollen sie die Redaktionsfusion antreiben und sich dabei ressortübergreifend auch um effiziente Abläufe, Kosten und Personalplanung kümmern. Menke vertritt den für diese Position vorgesehenen Jörn Sucher (bisher Vize-Chefredakteur SpOn), der wiederum Barbara Hans während ihres Mutterschutzes in der Chefredaktion vertritt.

Dass ausgerechnet Amann in ihrem neuen Job eine Etage höher steigt, dürfte ein paar interne Kritiker auf den Plan rufen. Grund: Amann ist die einflussreiche Sprecherin der gewählten fünfköpfigen Geschäftsführung der Mitarbeiter KG, der Hauptgesellschafterin des Verlags (50,5 Prozent). In dieser Rolle dürfte sie eine wichtige Rolle bei der Absetzung des Klusmann-Vorgängers Klaus Brinkbäumer gespielt haben – und wird jetzt von Nachfolger Klusmann befördert. Allerdings: Diese möglichen oder unterstellten Rollenkonflikte von Mitarbeiter-Gesellschaftern beim Spiegel sind so alt wie dessen Mitarbeiterbeteiligung selber – über 40 Jahre. Dennoch wird es spannend sein zu sehen, ob Amann bei der turnusmäßigen Neuwahl der KG-Spitze im kommenden Frühjahr wieder antritt.


Daneben wird es vier "Blattmacher" geben: Matthias Geyer (Print-Ressortleiter Gesellschaft) und Juliane von Mittelstaedt (Vize-Print-Ressortleiterin Ausland) planen, konzipieren und redigieren wohl vor allem das Heft. Thorsten Dörting und Oliver Trenkamp (beide Geschäftsführende Redakteure SpOn) übernehmen diesen Job eher für die Website und die digitalen Angebote. Offen sind noch die Positionen eines Art Directors sowie eines oder zweier Produkt- und Formatentwickler.

Als Nachrichtenchef holt Klusmann einen alten Vertrauten von außen an seine Seite: Stefan Weigel, seit Mai 2014 stellvertretender Chefredakteur der Rheinischen Post in Düsseldorf. Dort koordiniere als Newsmanager das Zusammenspiel von Tageszeitung, Website und App, steht auf der RP-Website. Auch beim Spiegel soll er ab spätestens 1. April als Inhalte-Choreograph die "Publikationsstrategie der Nachrichten in Print und Online steuern", heißt es im Verlag.

Zuvor wirkte Weigel lange Jahre bei Gruner + Jahrs Financial Times Deutschland: 1999 war er zum Gründungsteam der FTD gestoßen; seit 2004 war er dort bis zur Einstellung der Zeitung Ende 2012 Vize-Chefredakteur – an der Seite von Steffen Klusmann. Insofern könnte die Personalie den Redaktionsfusion-Gegnern, Klusmann-Kritikern oder Brinkbäumer-Nachtrauernden beim Spiegel neue Munition liefern für den jahrzehntelangen internen Befürchtungsklassiker, der 25,5-Prozent-Gesellschafter G+J übernehme hinterrücks die Macht, nunmehr über ehemalige FTD’ler. Schließlich seien die Beweise erdrückend: Klusmann, G+J-Chefin Julia Jäkel, der neue Co-Chef des Spiegel-eigenen Manager Magazins Sven Clausen, vor zwölf Jahren mal kurz Susanne Amann und jetzt auch noch Weigel – alle waren sie mal bei der FTD, heißt es. So, als sei das ein Makel.

Vielleicht aber ist alles ganz anders: Vielleicht macht Klusmann bloß das, was viele neue Chefredakteure machen – sich Leute an die Seite holen, denen sie vertrauen und die sie schätzen. Und die, dies an die Adresse der notorischen FTD-Skeptiker vom Spiegel, vielleicht tatsächlich nicht ganz schlecht sind, "trotz" FTD-Vergangenheit, sozusagen. rp 

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