Schleichwerbung bei Cosmo?

Rechtsanwalt Solmecke sieht Zadig-Integration kritisch

Die Geschichte über Stefanie Giesinger ist einer von sechs Artikeln, in denen die Redaktion T-Shirt oder Duft in der Oktober-Ausgabe eingebunden hat
© Cosmopolitan
Die Geschichte über Stefanie Giesinger ist einer von sechs Artikeln, in denen die Redaktion T-Shirt oder Duft in der Oktober-Ausgabe eingebunden hat
Cosmopolitan aus der Bauer Media Group greift den neuen Duft von Zadig & Voltaire "Girls can do anything" mehrfach im redaktionellen Teil auf, ebenso wie ein T-Shirt mit dem Namen des Parfums. Laut Bauer hat das nichts mit der parallel laufenden crossmedialen Kampagne zu tun, die Cosmopolitan für Zadig & Voltaire umsetzt. HORIZONT hat Rechtsanwalt Christian Solmecke gefragt, ob solche Aktionen das Trennungsgebot von Werbung und Redaktion verletzen. Seine Einschätzung: "Es deuten alle Indizien auf Schleichwerbung hin."

"Aus meiner Sicht müsste die redaktionelle Strecke als Werbung gekennzeichnet werden. Werbende Inhalte sind kennzeichnungspflichtig und dürfen nicht unter dem Anschein einer neutralen und unabhängigen Berichterstattung veröffentlicht werden", so Solmecke. Er hat sich als Rechtsanwalt und Partner der Kölner Medienrechtskanzlei Wilde Beuger Solmecke auf die Beratung der Internet und IT-Branche spezialisiert, darunter Medienschaffende, Web 2.0 Plattformen und App-Entwickler.



"Werbung muss klar von redaktionellen Inhalten getrennt werden. Zuschauer dürfen nicht über werbliche Inhalte getäuscht werden, sonst ist das Schleichwerbung. Dass man eine Gegenleistung für die Erwähnung des Produkts erhalten hat, ist eine nicht zwingende Voraussetzung für die Beurteilung von Schleichwerbung, sondern nur eines von mehreren Indizien. Wann tatsächlich von einer Präsentation zu Werbezwecken auszugehen ist, muss im Einzelfall anhand einer Gesamtschau der Indizien entschieden werden", erläutert Solmecke.

„Zuschauer dürfen nicht über werbliche Inhalte getäuscht werden, sonst ist das Schleichwerbung.“
Christian Solmecke
Rechtsanwalt Christian Solmecke sieht Indizien für Schleichwerbung
© Wilde Beuger Solmecke
Rechtsanwalt Christian Solmecke sieht Indizien für Schleichwerbung
Die Kriterien legt unter anderem der Pressekodex fest, auf den sich die Verlage geeinigt haben. In Ziffer 7 schreibt er die Trennung von Werbung und redaktionellem Teil vor. Darin heißt es: "Redaktionelle Veröffentlichungen, die auf Unternehmen, ihre Erzeugnisse, Leistungen oder Veranstaltungen hinweisen, dürfen nicht die Grenze zur Schleichwerbung überschreiten. Eine Überschreitung liegt insbesondere nahe, wenn die Veröffentlichung über ein begründetes öffentliches Interesse oder das Informationsinteresse der Leser hinausgeht (…)." Der Deutsche Presserat, der für die Einhaltung des Kodexes zuständig ist, wird jedoch erst tätig, wenn eine Beschwerde vorliegt. Dies war zum Zeitpunkt der HORIZONT-Anfrage nicht der Fall.


In einer Pressemitteilung hatte Bauer vergangenen Donnerstag angekündigt, mit Cosmopolitan eine 360-Grad-Kampagne für Zadig & Voltaire umzusetzen. Diese Kampagne läuft nun auch auf vollen Touren, nicht nur in Print, auch auf Cosmopolitan.de.

"Das mehrfache Zeigen sowie die lobende Erwähnung des Parfums nebst Hinweis, wo es zu kaufen ist, et ecetera, machen auch in der Praxis deutlich, dass es dem Magazin wie angekündigt darum geht, den Absatz des Parfums zu fördern. Das geht weit über das normale Informationsinteresse des Lesers hinaus – Cosmopolitan macht daraus auch keinen Hehl. Es findet sich aber offensichtlich nirgendwo ein Hinweis darauf, dass es sich hier nicht um einen rein redaktionellen Beitrag handelt. Es deuten damit alle Indizien auf Schleichwerbung hin", so Solmeckes abschließende Einschätzung. "Anscheinend wird das Thema Schleichwerbung allerdings momentan nicht so eng bei Printmagazinen gesehen wie bei den Instagrammern."

Instagrammer und Youtuber werden derzeit sowohl von den Medienanstalten als auch von dem Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) in die Zange genommen. Medienanstalten dürfen - im Vergleich zum Presserat - auch einschreiten, wenn es keine Beschwerden gibt, und versuchen das geltende Recht derzeit auch verstärkt in Onlinemedien durchzusetzen. Der VSW wiederum hat wegen der fehlenden Kennzeichung von Inhalten als Werbung zahlreiche Social-Media-Kreative abgemahnt. Auch Bauer, bei dem "Cosmopolitan" erscheint, gehört zu den Verbandsmitgliedern. pap

 

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