Saarländischer Rundfunk

Drei Kandidaten treten zur Intendanten-Wahl an

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Die drei Kandidaten für die Wahl des nächsten Intendanten des Saarländischen Rundfunks: (v.l.) Rainald Becker, Armgard Müller-Adams und Martin Grasmück.
© IMAGO/Sven Simon / SR/Screenshot / SR1/Christoph Stein
Die drei Kandidaten für die Wahl des nächsten Intendanten des Saarländischen Rundfunks: (v.l.) Rainald Becker, Armgard Müller-Adams und Martin Grasmück.
Es ist eine angespannte Zeit, in der der höchste Posten beim Saarländischen Rundfunk vergeben wird. Da sind zum einen der juristische Streit um die Höhe des Rundfunkbeitrags und zum anderen die finanziell angespannte Situation des Senders. Wer soll den Job nun machen?
Bei der Intendanten-Wahl beim Saarländischen Rundfunk (SR) treten drei Kandidaten an. Nominiert wurden der ARD-Chefredakteur Rainald Becker, die SR-Chefredakteurin Armgard Müller-Adams und der stellvertretende Programmdirektor beim SR, Martin Grasmück, wie der Rundfunkrat des öffentlich-rechtlichen Senders am Samstag in Saarbrücken mitteilte. Am 22. Februar wird gewählt.

Der Sender sucht eine neue Spitze, weil der jetzige Intendant Thomas Kleist vorzeitig aufhört. Im Herbst hatte er angekündigt, den Posten auf eigenen Wunsch zum 30. April abzugeben. Eigentlich hätte seine Amtszeit noch zwei Jahre länger gedauert. Der SR gehört mit Radio Bremen zu den kleinsten der neun ARD-Anstalten. Ein wichtiger Bestandteil des SR ist wegen seines Grenzregion-Standorts die Pflege der deutsch-französischen Beziehungen.

Rainald Becker ist vielen Fernsehzuschauern etwa durch seine Interviews mit Politikern bekannt. Jüngst sprach der 61-Jährige in einer ARD-Sondersendung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Corona-Pandemie. Becker ist seit 2016 ARD-Chefredakteur. Im Herbst wurde bekannt, dass der stellvertretende Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, Oliver Köhr, zum 1. Mai 2021 Nachfolger Beckers wird. Damals hieß es, dass dieser im Jahr 2021 die Koordination zur Bundestagswahl übernehmen werde.

Armgard Müller-Adams ist seit Herbst 2019 Chefredakteurin des Saarländischen Rundfunks. Davor leitete sie mehrere Jahre die Abteilung Intendanz des Senders. Die Journalistin kennt den SR gut: Sie absolvierte dort auch ihr Volontariat und arbeitete in unterschiedlichen Redaktionen als Reporterin und Moderatorin.

Martin Grasmück ist seit mehreren Jahren stellvertretender Programmdirektor und Hörfunk-Programmbereichsleiter für SR1 und Junge Angebote. Auch Grasmück leitete schon die Abteilung Intendanz des öffentlich-rechtlichen Senders. Ebenso bringt er Erfahrung als Reporter und Moderator beim SR mit.

Ein Wahlvorbereitungsausschuss des Rundfunkrates hatte die Bewerbungen gesichtet und Vorgespräche geführt. Das führte nun zu den drei Nominierten. Die Vorsitzende des Rundfunkrates, Gisela Rink, sagte über die Kandidaten: „Wir freuen uns, dass wir dem Rundfunkrat mit unserem Wahlvorschlag mehrere qualifizierte Personen zur Wahl vorschlagen können, die wir für besonders geeignet halten, den SR in die Zukunft zu führen und seine Eigenständigkeit zu wahren.”

Unlängst hatte es innerhalb der ARD eine Diskussion zur weiteren Struktur von SR und dem benachbarten Südwestrundfunk (SWR) gegeben. SWR-Intendant Kai Gniffke hatte in einem Interview eine weitgehende Zusammenarbeit seines Senders mit dem SR angeregt. In der Diskussion um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei er überzeugt, „dass es Zeit wird, Dinge zu denken, die bisher unvorstellbar gewesen wären”. Gniffke brachte die Idee gemeinsamer Direktionen ins Spiel. Zu einer vollständigen Fusion der zwei Anstalten äußerte er sich aber zurückhaltend.

Das hatte sofort zu Reaktionen in Saarbrücken geführt. SR-Intendant Thomas Kleist machte klar: „Ich weise die Überlegungen meines SWR-Kollegen entschieden zurück.” Kooperation höre dort auf, wo die Souveränität der Landesrundfunkanstalt angetastet werde. Der SR-Verwaltungsrat stellte sich sofort hinter Kleist.

Auch die durch Sachsen-Anhalt gestoppte Rundfunkbeitragserhöhung von monatlich 17,50 Euro auf 18,36 Euro beschäftigt den Sender mit rund 620 Mitarbeitern auf 544 Planstellen sowie knapp 200 freischaffenden Mitarbeitern (feste Freie). Derzeit liegt der Fall beim Bundesverfassungsgericht. Die Beitragserhöhung zum 1. Januar 2021 ist zunächst ausgeblieben. Eil-Anträge von ARD, ZDF und Deutschlandradio hatten die Richter im Dezember zurückgewiesen.

Den SR betrifft das Ganze gleich doppelt. Neben dem Beitrag selbst geht es auch um einen weiteren Passus in dem Staatsvertrag, den die Bundesländer beschließen wollten. Es war vorgesehen, dass Saarländischer Rundfunk und Radio Bremen wegen ihrer finanziell angespannten Lage höhere Anteile als bislang von anderen finanzstärkeren ARD-Anstalten als Ausgleich bekommen sollten. Auch das ist nun ausgeblieben.

Im Dezember hatte der Verwaltungsrat für die finanzielle Lage des Senders klare Worte gefunden. Der Vorsitzende des Gremiums, Michael Burkert, sagte: „Wir sind dringend auf die Beitragsanpassung und den verbesserten FAG angewiesen, sonst ist der SR existenziell bedroht; dies hätte auch nachhaltige Auswirkungen für das gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunksystem zur Folge.“ Mit FAG ist der Finanzausgleich unter den ARD-Anstalten gemeint: Finanzstärkere Länderanstalten stützen die schwächeren.


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