Rundfunk Berlin-Brandenburg

Chefredakteur Christoph Singelnstein hört auf

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Christoph Singelstein bleibt nur noch bis April 2021 Chefredakteur des RBB
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Christoph Singelstein bleibt nur noch bis April 2021 Chefredakteur des RBB
Es ist eine gewaltige Zäsur für den ARD-Sender und eine nicht minder gewaltige im Leben von Christoph Singelnstein. Im Frühjahr 2021 wird der 65-Jährige die Chefredaktion des RBB abgeben. Das überrascht, denn so lange ist es nicht her, dass die Intendantin seinen Vertrag verlängerte. Patricia Schlesinger betont: Mit dem verunglückten Kalbitz-Interview hat die Trennung nichts zu tun. Tatsächlich ist der Grund ein anderer.
Die zeitliche Nähe scheint zumindest auf den ersten Blick ein Indiz zu sein, das gegen Christoph Singelnstein spricht. Hatte der RBB publizistisch nicht gerade einen ziemlich schlechten Eindruck hinterlassen durch das allzu harmlos geratene Sommer-Interview mit dem selbst für AfD-Verhältnisse zu offenkundig rechtsextremen Andreas Kalbitz? Bundesweit hatte das Gespräch vor der Kulisse eines Sees zu Schlagzeilen geführt. Darf man mit so einem reden? Darf man mit so einem auf diese Weise reden?

Auf die erste Frage hatte der Chefredakteur des RBB mit einem klaren Ja geantwortet. Natürlich müsse man als Rundfunk Berlin-Brandenburg auch mit so einem reden, die AfD ist schließlich, ob es einem passt oder nicht, zweitstärkste Kraft im brandenburgischen Landtag.

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Die zweite Frage verneinte Singelnstein. Die Expertise beim Thema Rechtsextemismus, von der es im RBB reichlich gibt, sei von der für das Kalbitz-Interview zuständigen Redaktion schlicht nicht genutzt worden. Das grämt ihn bis heute: Wie konnte das in seinem Verantwortungsbereich passieren? Es liegt wohl an dem nicht nur im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorkommenden Phänomen, dass es Redaktionen gibt, die sich selbst genug sind und meinen, sich nicht einmal hausintern mit anderen austauschen zu müssen.

Der RBB zieht daraus seine Konsequenzen. Sie werden sich nicht darauf beschränken, dass der Sender das Format des plauschigen Sommer-Interviews abschafft.

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