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© IMAGO / A. Friedrichs
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter Druck - auch wegen Vorwürfen in ARD-Häusern. Die Bundesländer reformieren derzeit das System. Der Bayerische Rundfunk gibt nun einen eigenen Impuls für Synergien.
Inmitten der Forderung von vielen Politikern nach Reformen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk kommen aus den ARD-Häusern derzeit vermehrt eigene Impulse zu mehr Synergien. Die Stimmen aus dem ARD-Intendantenkreis zu mehr Zusammenarbeit der neun Sendeanstalten werden lauter. Auf den Medientagen München wurde zum Auftakt am Dienstag auch der Blick auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gerückt. Dieser bekam ausgerechnet vom privaten Konkurrenten ProSiebenSat.1 das Label "unverzichtbar".

Die Intendantin des Bayerischen Rundfunks (BR), Katja Wildermuth, war selbst nicht auf den Medientagen, erläuterte aber in Interviews am Dienstag ihre Idee für mehr Synergien. Dem "Münchner Merkur" sagte sie: "Auf ARD-Ebene müssen wir meiner Meinung nach entschlossene Schritte in Richtung Kompetenzzentren gehen. Es muss nicht mehr jeder alles machen."

Die Chefin des ARD-Senders ergänzte: "Wir brauchen keine Regionalität in Verwaltung und IT. Das Ziel muss zum Beispiel eine Reisekostenstelle für alle sein. Und das gilt genauso für Programminhalte mit überregionaler Bedeutung – etwa Verbraucher - und Gesundheitsthemen, Literaturkritik, Royals." Man müsse schauen, welcher Sender welche Stärken habe und als jeweiliges Kompetenzzentrum andere beliefern könne. "Wir brauchen hier viel mehr Zusammenarbeit."

Auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur begrüßte ARD-Programmdirektorin Christine Strobl die Aussage Wildermuths. "Es ist von großer Bedeutung für das Gelingen der Programmreform und den digitalen Umbau der ARD, dass nicht mehr alle alles machen, sondern dass sich die Landesrundfunkanstalten neben der regionalen Ausrichtung auf ihre besonderen Kompetenzen konzentrieren und im ARD-Netzwerk Synergien schaffen." Strobl ergänzte: "Das stärkt die Gemeinschaft und entlastet die Häuser. Ziel ist ein vielfältigeres Programmangebot mit hoher Relevanz und Qualität."

Wildermuth sprach auch im Radioprogramm BR24 des eigenen Senders über Kompetenzzentren mit Blick auf überregionale Programm-Themen: "Wir brauchen nicht mehr acht verschiedene Tipps zum Heizen, acht verschiedene Tipps zu Hüftoperationen." Auf den Medientagen sagte der BR-Programmdirektor für Kultur, Björn Wilhelm: "Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist auch immer in der Verantwortung, selber Vorschläge zu machen."

Der Intendant des Südwestrundfunks (SWR) und künftige ARD-Vorsitzende, Kai Gniffke, hatte im September in einem Interview der Zeitungen der VRM bereits einen ähnlichen Impuls gegeben. Er sagte, er könne sich ein gemeinsames Mantelprogramm für die regionalen TV-Programme der ARD-Sender vorstellen.

Die Reformdebatte in der Politik über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hatte zuletzt wieder mehr Fahrt aufgenommen. Hintergrund sind auch Turbulenzen in mehreren ARD-Häusern - RBB und NDR - rund um Vorwürfe gegen Führungskräfte. Die Länder legen in Staatsverträgen den Auftrag fest, den die öffentlich-rechtlichen Sender von ARD, ZDF und Deutschlandradio erfüllen sollen - daran bemisst sich dann auch der Aufwand der Häuser, die durch Rundfunkbeiträge finanziert werden. Aus Reihen der Politik kommt immer wieder die Forderung auf, dass die Sender zugleich selbst Reformen energischer aus eigener Kraft anstoßen sollten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte auf der Konferenz, es brauche mehr Transparenz bei Gehältern und Nebentätigkeiten. dpa
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