RTL/NTV Trendbarometer

Das Vertrauen der Deutschen in politische Institutionen ist drastisch gesunken

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Das Vertrauen der Deutschen in die Bundesregierung, den Kanzler und die Parteien ist so gering wie lange nicht
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Das Vertrauen der Deutschen in die Bundesregierung, den Kanzler und die Parteien ist so gering wie lange nicht
Seit 15 Jahren fragt Forsa im Auftrag von RTL und NTV das Vertrauen der Deutschen in zehn politische Institutionen ab. Das erschütternde Ergebnis zum Jahresauftakt 2023: Alle Institutionen müssen herbe Vertrauenseinbußen hinnehmen. Am stärksten ist der Rückgang bei der Exekutive auf Bundesebene.
So kommen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und seine Bundesregierung auf Vertrauenswerte von 33 beziehungsweise 34 Prozent - ein Minus von 24 respektive 22 Prozent im Vergleich zur Vorjahreserhebung. Bundestag (-13 Prozentpunkte), Bundespräsident (-12) und (Ober-)Bürgermeister:innen (-11) verzeichnen Vertrauenseinbrüche von über 10 Prozent.

Am größten ist das Vertrauen der Deutschen dennoch - und zwar wie schon in allen anderen Erhebungen zuvor - in den Bundespräsidenten: Frank-Walter Steinmeier. Trotz des Rückgangs von 12 Prozentpunkten vertrauen ihn immer noch 63 Prozent der Menschen hierzulande. An zweiter Stelle liegen die Landesregierungen mit nur 46 Prozent (-9 Prozentpunkte), knapp vor den (Ober-)Bürgermeister:innen (44 Prozent). Am mit Abstand geringsten ist das Vertrauen der Deutschen in die politischen Parteien (17 Prozent, -7 Prozentpunkte).

Wie drastisch das Vertrauen in die Institution "Bundeskanzler gesunken ist, zeigt der Vergleich mit dem Vertrauenswert, den Angela Merkel noch zur Jahreswende 2020/21 auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie erhalten hatte: 75 Prozent der Deutschen hatten damals zur Bundeskanzlerin großes Vertrauen. Ihr Nachfolger Olaf Scholz kam bereits zur Jahreswende 2021/22 auf nur noch 57 Prozent.

Das Vertrauen in politische Institutionen zum Jahreswechsel 2022/23 in Prozent (in Klammern: Veränderung zum Vorjahr in Prozent)

  1. Bundespräsident 63 (-12)
  2. Landesregierung 46 (-9)
  3. Bürgermeister/Oberbürgermeister 44 (-11)
  4. Gemeindevertretung 43 (-9)
  5. Stadt-/Gemeindeverwaltung 43 (-9)
  6. Bundestag 37 (-13)
  7. Bundesregierung 34 (-22)
  8. Bundeskanzler 33 (-24)
  9. Europäische Union 31 (-7)
  10. Politische Parteien 17 (-7)



Wie schon in den Vorjahren zeigen sich auch im RTL/NTV Trendbarometer 2022/23 klare Unterschiede in den neuen und alten Bundesländern. Mit Ausnahme der Institutionen auf der lokalen Ebene (Gemeindevertretung: 44 Prozent) ist das Vertrauen der Ostdeutschen zu den übrigen politischen Institutionen stets geringer als das der Westdeutschen. Besonders groß ist der Unterschied zwischen Ost und West beim Vertrauen in den Bundespräsidenten (53 vs. 65 Prozent) und zur Europäischen Union (20 vs. 33 Prozent).

Erhebliche Unterschiede im Vertrauen gibt es aber auch zwischen den Anhänger:innen der einzelnen Parteien - und dabei insbesondere zwischen den Regierungsparteien. So haben die Anhänger:innen von Grünen und FDP vor allem zum Kanzler, zur Bundesregierung und auch zum Bundestag ein geringeres Vertrauen als jene der SPD, die den Kanzler stellt. Das mit Abstand geringste Vertrauen in alle politischen Institutionen haben wie schon in den vergangenen Jahren die Anhänger:innen der AfD: Zu Kanzler Scholz, zur Bundesregierung, zum Bundestag oder zur Europäischen Union haben jeweils nur zwei bis drei von 100 AfDlern Vertrauen.

Die Daten des Trendbarometers wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland erhoben. Insgesamt wurden im Zeitraum vom 15. bis 22. Dezember 2022 4.003 Deutsche befragt. tt

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