RTL-Chef Bernd Reichart beim Total Video Kongress

"Wir sind streamender Broadcaster oder broadcastender Streamer"

Bernd Reichart (rechts) im Gespräch mit Wolfram Kons bei dem HORIZONT-Event Total Video in München
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Bernd Reichart (rechts) im Gespräch mit Wolfram Kons bei dem HORIZONT-Event Total Video in München
Bernd Reichart hatte gute Laune, als er die Bühne beim HORIZONT-Kongress Total Video in München betrat – aus gutem Grund: Nicht nur, dass die RTL Group am Morgen gute Zahlen für die ersten neun Monate des Jahres vermeldet hatte. Der Chef der Mediengruppe RTL Deutschland zeigte sich auch mit seiner bisherigen Amtszeit zufrieden.

Zunächst zu den Zahlen: 4,6 Milliarden Euro betrug der Umsatz der RTL Group zwischen Januar und September – ein Plus von 2,8 Prozent. Besonders im wichtiger werdenden Streaminggeschäft ließ RTL aufhorchen: Die Anzahl der zahlenden Abonnenten in Deutschland und den Niederlanden stieg um 50 Prozent auf 1,4 Millionen.



Auf die Frage von Moderator Wolfram Kons, wann sich bei RTL die Kurven der klassischen und der digitalen Umsätze denn voraussichtlich kreuzen werden, antwortete Reichart mit einem Plädoyer pro Bewegtbild an sich: „Dank TV kennen wir unser Publikum sehr gut – jetzt haben wir die Chance, sie in die Streaming-Welt zu entführen.“ Man könne dort auch Kern-Formate neu beleben, in dem man sie spitzer entwickle – ohne die Marke zu verwässern.

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Dennoch gebe es immer noch genügend Zuschauer, die ihren Tag um das klassische TV-Programm strukturierten - und für die Fernsehen "das Fenster zur Welt" sei. Für RTL Deutschland bedeutet das: Die Sendergruppe kann breite Zuschauergruppen auf verschiedene Wege ansprechen. „Wir sind streamender Broadcaster oder broadcastender Streamer“, so Reichart, oder anders: „Wir sind die Main-Streamer“.
Abgesehen von der wirtschaftlichen Entwicklung kann sich Reichart in seiner knapp zehnmonatigen Amtszeit noch weitere Erfolge auf die Fahnen schreiben. So reklamierte der Manager auf der Totel-Video-Bühne etwa für sich, im Hause RTL neue Angriffslust geweckt und die Belegschaft neu aktiviert zu haben - „was ja auch gar nicht schwer war“, wie Reichart betonte. Denn man habe auch eine „privilegierte Position in einem explodierenden Video-Markt“.


Diese Position versucht RTL zu nutzen. Als Meilenstein bezeichnete Reichart etwa die zu Beginn des Jahres gestartete Content Allianz unter dem Dach von RTL-Eigentümer Bertelsmann. Aber auch das Radiogeschäft nach Köln geholt zu haben, der Aufbau der Ad Alliance mit dem wichtigen Baustein Springer (Reichart: „Ein Riesen-Aufschlag“), die Bildung der Adressable-TV-Initiative D-Force gemeinsam mit Pro Sieben Sat 1 und die internationale Schlagkraft im Adtech-Bereich mit Smartclip nannte Reichart in diesem Zusammenhang. Auch die beste Infrastruktur nutzt einem allerdings nichts, wenn die Inhalte nicht stimmen. Hier hat Reichart als Vox-Chef in der Vergangenheit ein gutes Händchen bewiesen. Unter ihm entstanden Formate wie „Sing meinen Song“ oder „Club der roten Bänder“ und wurden zu Publikumserfolgen. Diesen Weg will der RTL-Chef weiter gehen: „Wir müssen vom Zuschauer her denken“, sei abei Maßgabe Nummer eins.

Nummer zwei: Nicht jede Idee sofort zerreden: „Eine Idee mit zwei, drei Argumenten zu töten, ist einfach. Das Ganze umzudrehen und sich einmal zu überlegen, was für eine Idee spricht, verändert die Diskussion völlig.“ ire

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