Reichelt-Affäre, Bild TV, Politico-Kauf

Wie Axel Springer die Medienlandschaft 2021 in Atem gehalten hat

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Der Rauswurf von Julian Reichelt war wohl das Top-Thema in der hiesigen Medienlandschaft 2021
© IMAGO / Jörg Schüler; Montage: HORIZONT
Der Rauswurf von Julian Reichelt war wohl das Top-Thema in der hiesigen Medienlandschaft 2021
Bei welchem großen deutschen Medienhaus ist in diesem Jahr am meisten los? Bertelsmann wäre ein Kandidat, mit der Einsortierung des Traditionsverlags Gruner + Jahr in die RTL-Gruppe. Jedoch: Dies zeigt bloß einen weiteren Schritt auf dem Weg der schon seit Längerem verfolgten Strategie, einen nationalen Medien- und Vermarktungschampion aufzubauen. Ähnlich ambitioniert, doch bisweilen auch krisenhaft und damit deutlich spektakulärer geht es bei Axel Springer zu. Die Berliner halten sich und die Branche seit Monaten in Atem. Ein Rückblick.
Geplant ist dies: Im August geht Bild TV auf Sendung – frei verbreitet über die klassischen Kanäle. Die Erweiterung der massenmedialen Marke Bild aufs Fernsehen sieht Springer als strategische Notwendigkeit. Die Zukunft heißt Bewegtbild, und mit TV-Werbespots lässt sich nach wie vor mehr Geld verdienen als mit Pre-Roll-Ads auf Bild.de. Dank der diesjährigen Bundestagswahl steht direkt zum Start ein politisches Großereignis an. Hierbei erzielt Bild TV publizistische Achtungs- und anfangs auch Quotenerfolge unter den Splittersendern. Doch mittlerweile sind die Tagesreichweiten auf rund 1 Prozent und der Marktanteil auf kaum messbare 0,1 Prozent geschrumpft – mehr als zehnmal weniger als das hauseigene Welt TV.

Ob es daran liegt, dass Julian Reichelt nun als Antreiber ausfällt? Als derjenige, der wohl am liebsten nonstop News und Live-Talks gesendet hätte anstatt der Dokus aus der Konserve? Der Bild politisch mit brachialer Regierungskritik positioniert hat (wodurch sich Bild-Kritiker wiederum an Fox News erinnert fühlten) und der Bild TV unermüdlich auch als Generator für selbst gedrehte News sowie für knackige Zitate für Print und Online nutzte?

Der ehemalige Bild-Chefredakteur schreibt das Skandalkapitel der Springer-Jahreschronik: Im März muss er sich einer internen Untersuchung – währenddessen lässt er sich freistellen – wegen mutmaßlichen Machtmissbrauchs stellen, begleitet von einem Spiegel-Artikel ("Vögeln, fördern, feuern"), in dem Sexismus- und Mobbingvorwürfe erhoben werden.

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