Reaktion auf OWM-Papier

Screenforce beklagt "öffentliches Fingerpointing", auch AGF nimmt Stellung

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Screenforce-Geschäftsführer Martin Krapf
© Screenforce
Screenforce-Geschäftsführer Martin Krapf
Mit Unverständnis und Verwunderung reagiert die TV-Gattungsinitiative Screenforce auf den am Donnerstag vom Kundenverband OWM veröffentlichten Forderungskatalog zum Online-Videomarkt. "Die Art und Weise gleicht aus unserer Sicht einem wenig produktiven, ehrlicherweise sogar überflüssigen Ritual", sagt Geschäftsführer Martin Krapf. Auch die AGF reagiert.
Es war – wieder einmal – ein großer Aufschlag, der der OWM Ende vergangener Woche mit ihrem jüngsten Positionspapier gelungen ist. In neun Punkten fordern die Autoren, OWM-Vizechefin Andrea Tauber-Koch, Kirsten Latour und Christof Baron, sowohl von den TV-Vermarktern als auch von Google/Youtube und Facebook zügig eine neue Qualität der Zusammenarbeit – angefangen von einer transparenten Währung über eine leistungsgerechte Preisbildung bis hin zur Partnerschaft aller Marktplayer.


 
Die Gattungsinitiative Screenforce meldet sich nun als erster der angesprochenen Akteure zu Wort. Abgesehen von den Forderungen zur Preispolitik, "die naturgemäß von beiden Seiten des Marktes unterschiedlich gesehen werden", stimme man in vielen Punkten mit der OWM überein. Kritik übt Geschäftsführer Krapf stattdessen vor allem an der Art und Weise ihrer Veröffentlichung.

Das Statement von Screenforce-Chef Krapf im Detail:

"Wir stimmen in vielen Punkten mit den Forderungen der OWM überein. Die Ausnahmen sind die preispolitischen Hinweise, und von zum Teil gegensätzlichen Interessen und Motivationen geprägt sind. Doch trotz der grundsätzlichen Übereinstimmung muss ich konstatieren: Die Art und Weise der Veröffentlichung der Thesen gleicht aus unserer Sicht einem wenig produktiven, ehrlicherweise sogar überflüssigen Ritual. Die Gründe:


  1. Wir kennen alle angesprochenen Themen auf beiden Seiten des Marktes schon seit einiger Zeit.
  2. Die Themen und Forderungen können nur gemeinsam gelöst werden. In diesem Kontext hat jeder Partner im Markt seine Zuständigkeit und Funktion.
  3. Auch die OWM und die Vertreter der OWM arbeiten an diesen Themen seit langer Zeit in allen Gremien verantwortlich mit.
  4. Deshalb bringt ein öffentliches "Fingerpointing" nicht viel. Auch die leidige Diskussion, wer jetzt Schuld daran trägt, dass einige Themen nicht so schnell und noch nicht so weit entwickelt wurden, wie wir das alle gerne hätten, ist aus meiner Sicht nicht produktiv. Es ist ja kein Geheimnis, dass wir vor allem beim Thema der konvergenten Bewegtbild-Reichweiten, inklusive der Werbereichweiten, gerne wesentlich weiter wären.
  5. Wir verzichten aus diesen Gründen darauf, öffentlich Schuldzuweisungen an andere Marktpartner vorzunehmen. Stattdessen appellieren wir an alle Partner im Markt, ihre Energie in konstruktive Lösungen zu investieren. Und zwar dort, wo die Diskussion hingehört: in die entsprechenden Gremien der JICs, aber auch in die bilateralen Verhandlungen zwischen Kunden und Bewegtbildanbietern."


Vor allem im letzten Punkt wird klar: Den Schwarzen Peter lässt Krapf seiner Gattung nicht so einfach zuschieben. Gerade wenn es um transparente Leistungsnachweise, einheitliche Währungen und Vergleichbarkeit geht, ist die Zusammenarbeit mit Google und Facebook nach wie vor kompliziert. Das geht - wenn auch nur zwischen den Zeilen - auch aus dem Statement von Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft Videoforschung (AGF), hervor.
Auch AGF-Chefin Kerstin Niederauer-Kopf möchte die neuesten OWM-Forderungen nicht unkommentiert lassen
© Hans-Jürgen Herrmann
Auch AGF-Chefin Kerstin Niederauer-Kopf möchte die neuesten OWM-Forderungen nicht unkommentiert lassen
Sie schreibt: "Die AGF weist seit 2017 konvergente Reichweiten für alle Angebote aus, die eine Messung durch die AGF zulassen. Dabei ist die AGF auf die Zusammenarbeit mit den Anbietern angewiesen, die mit der AGF Verträge schließen sowie die Messtags verbauen müssen. Ziel der AGF ist es – wie von der OWM gefordert –, möglichst viele Angebote unter Messung zu nehmen, um nicht nur für Fernsehen, sondern für Total Video einen verlässlichen, transparenten und einheitlichen Standard anzubieten." Dazu habe die AGF alle Voraussetzungen, denn der Standard werde unter der Mitarbeit aller Marktparteien weiterentwickelt. Sowohl OWM als auch die Organisation der Mediaagenturen (OMG) seien in den Gremien der AGF vertreten, um ihre Anforderungen einzubringen. 

Zur Integration von Youtube äußert sich Niederauer-Kopf besonders ausführlich: "Mit Google verhandelt die AGF derzeit äußerst intensiv über einen Vertrag. Verhandlungen mit einem internationalen Player wie Google sind komplex. Entsprechend hoch ist das Projekt in der AGF priorisiert: Seit über einem Jahr liegt 60 Prozent der Management Attention auf dem Youtube-Integrationsprojekt. AGF und Google erörtern derzeit die Vergleichbarkeit der Angebotsstrukturen und das Aufsetzen eines gemeinsamen Projekts zur Abbildung von Youtube-Ads-Daten. Hier zu einem für alle Seiten zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen, hat eine hohe Relevanz. Das zeigt nicht nur die aktuelle OWM-Forderung. Das Integrationsprojekt hat hinsichtlich der Umsetzung und des Fortschritts weltweiten Vorbildcharakter und könnte zu einer Blaupause für die Integration von Youtube-Daten in anderen Ländern dienen. Damit könnte auch die Grundlage für einen weltweiten Standard für die Messung von Videowerbung geschaffen werden, wie ihn aktuell auch die WFA fordert. Entsprechend ambitioniert sind die Verhandlungen, zu deren Details wir uns nicht äußern können." kan
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