Publishers' Summit

Warum ausgerechnet Königin Rania von Jordanien den Ehrenpreis vergeben darf

VDZ-Präsident Rudolf Thiemann
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VDZ-Präsident Rudolf Thiemann
Kommende Woche findet in Berlin der Publishers' Summit statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird dort einen Ehrenpreis überreicht bekommen - ausgerechnet von Königin Rania von Jordanien. Das Land rangiert auf der Liste der Pressefreiheit bei Reporter ohne Grenzen auf Platz 132 von 180. Für Rudolf Thiemann, Präsident des Veranstalters VDZ, ist das kein Problem, wie er im Interview mit HORIZONT Online erklärt: "Wir zeichnen nicht Jordanien, sondern die Kanzlerin aus."

Seit einem Jahr sind Sie VDZ-Präsident. Welche Ihrer Vorhaben konnten Sie bisher nicht umsetzen? Der vor einem Jahr nach dem Rücktritt von Stephan Holthoff-Pförtner als kopflos bezeichnete VDZ hat sich als handlungsfähig erwiesen, die reduzierte Mehrwertsteuer ist im Finanzministerrat entschieden, beim Verlegerrecht steht der Trilog vor uns, nun haben wir die E-Privacy-Verordnung vor der Brust. Nach wie vor stehen wir vor dem Problem, dass die US-Giganten uns das Werbegeschäft wegnehmen, daran hat auch die Datenschutz-Grundverordnung nichts geändert. Facebook hat jüngst bestätigt: Die Nutzer willigen in alles ein, es gibt keinerlei Umsatzeinbußen. Deshalb sehe ich bei der Politik großen Handlungsbedarf.



Welcher Trend, abgesehen vom x-ten Testimonial-Magazin, wird 2019 die Zeitschriftenlandschaft prägen? Während die Fachzeitschriften digital und mit 360 Grad sehr viel weiter sind, muss man bei Publikumszeitschriften unterscheiden: Je unterhaltender die Titel sind, je spitzer die Zielgruppe, umso mehr können sie das Plattformgeschäft auf- und ausbauen.

Mangels entsprechender Mitgliedsverlage entfällt beim Publishers’ Summit die politische Runde mit den Chefredakteuren. Ist das der Grund für das nun zeitlich verknappte Programm? Die Chefredakteure der Titel der nur dem Landesverband Nord angehörenden drei Häuser treten bei uns unabhängig von der Mitgliedschaft auf. Wir hinterfragen immer mal wieder die Formate. Am zweiten Programmtag wollen wir diesmal zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugen durch separat buchbare Nutzwertveranstaltungen. Wir haben den Summit kompakter und mit dem offenen Format "What’s next" auch jünger gemacht.


„Nach wie vor stehen wir vor dem Problem, dass die US-Giganten uns das Werbegeschäft wegnehmen, daran hat auch die Datenschutz-Grundverordnung nichts geändert.“
VDZ-Präsident Rudolf Thiemann
Angela Merkel soll bei der Publishers’ Night die Ehren-Victoria erhalten. Schon 2017 sollte sie mit der Leadership-Victoria ausgezeichnet werden, für ihre politische Führung in einem turbulenten Europa. Warum kam sie damals nicht? Das lag an den Jamaika-Verhandlungen.

Überreichen wird der Kanzlerin den Preis am Montag ausgerechnet Königin Rania von Jordanien. Kommt der VDZ damit seinen von Illustrierten-Verlagen geprägten Mitgliedern entgegen? Wenn der Scheinwerfer der Öffentlichkeit auf uns fällt, schadet das nicht.

Der VDZ schreibt sich sonst gern Pressefreiheit auf die Fahnen. Jordanien rangiert auf der Liste der Pressefreiheit bei Reporter ohne Grenzen auf Platz 132 von 180. Unter anderem verbietet das jordanische Pressegesetz Kritik an der königlichen Familie, der Zugang zum Beruf des Journalisten ist beschränkt, Medien unterliegen einer Lizenzpflicht. Wir zeichnen nicht Jordanien, sondern die Kanzlerin aus. Mich beeindruckt an der Königin jenseits ihrer Wirksamkeit auf dem Boulevard zum Beispiel, wie klar sie sich zu ihren islamisch-arabischen Wurzeln bekennt. Die "Verletzung arabisch-islamischer Werte" ist dort laut Pressegesetz verboten. Man muss aber auch sagen, dass Jordanien ein sehr tolerantes Verhalten gegenüber anderen Religionen demonstriert. Und ich erinnere an die fulminante Rede der Königin beim Mediengipfel 2014 in Abu Dhabi. Damals beschwor sie Bildung und Toleranz als Mittel gegen das Islam-Bild, das der IS gekapert hat. Ich jedenfalls bin gespannt, was sie zu sagen haben wird. Natürlich werden wir das Treffen zum Dialog nutzen. Im Übrigen wird Rania von Jordanien ja auch miterleben, wie wir die ermordeten Journalisten Daphne Galizia aus Malta und Ján Kuciak aus der Slowakei postum mit der Goldenen Victoria für Pressefreiheit auszeichnen.

Interview: Ulrike Simon




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