"Psychotainment statt bleischwere Psychokost"

G+J startet Personality-Magazin Brigitte Leben mit Bestsellerautorin Stefanie Stahl

Die Erstausgabe von "Brigitte Leben"
© Gruner+Jahr
Die Erstausgabe von "Brigitte Leben"
Unterhaltung auf der Coaching-Couch: Wenn es neben dem Kommen und Gehen bei den Personality-Magazinen dort noch einen weiteren Trend gibt, dann wohl diesen hier: Die Themen werden spezieller, die Protagonisten ebenso. Gruner + Jahr liefert dafür nun ein weiteres Beispiel. Doch das untypischerweise bisher fast ohne Social Media – und stattdessen mit dem Versprechen auf unterhaltsame Lebenshilfe.

"Brigitte Leben" heißt das Heft, das in dieser Woche erstmals erscheint. Es ist die vierte Line-Extension des G+J-Klassikers, nach "Brigitte Mom" (für Mütter), "Brigitte Woman" (für Frauen ab 40) und "Brigitte Wir" (für Frauen ab 60). Das neue "Brigitte Leben" dagegen ist ein Psychologiemagazin, ohne dass dies explizit auf dem Cover zu lesen ist. Stattdessen steht dort als Untertitel: "Das Coaching-Magazin mit Stefanie Stahl".



Stefanie Stahl? Die Bestsellerautorin ("Das Kind in dir muss Heimat finden") ist laut G+J "Deutschlands bekannteste Psychotherapeutin". Inklusive aller Ausgaben auch ihres zweiten Werkes ("Jeder ist beziehungsfähig") habe sie bisher 1,5 Millionen Bücher verkauft, so der Verlag. Und zwar beim Buchriesen Random House, der wie G+J zu Bertelsmann gehört. Insofern darf man die neue Zeitschrift als weiteres Produkt der Content Alliance sehen, unter deren Dach Bertelsmann seine Sparten zum inhaltlichen Doppelpass auffordert.

Interessant: Da Stahl ihre Präsenz im Internet laut G+J erst seit kurzem pflege, hat sie bei Facebook erst 5000 Follower; den Newsletter (3500 Abos) könne man erst seit September beziehen. Stattdessen setzt G+J zum Start auf die Buchkäuferinnen. Das kannte man bisher anders: Sowohl bei Funkes vierteljährlichem Neustart "I am" mit der Podcasterin Laura Malina Seiler – hier geht es ebenfalls um Coaching, allerdings eher spirituell angehaucht – als auch bei Gruners auf Quartalstakt verstetigtem Living-Magazin "Holly" mit der Bloggerin Holly Becker sollen digitale Szene-Influencer mit ihren Followern eine im Vergleich zu sonst üblichen Definitionen ("jüngere Frauen") zwar kleinere, dafür aber treue und involvierte Käufer- und Werbezielgruppe für die begleitenden Print-Ableger gleich selber mitbringen.


Beim neuen "Brigitte Leben" wagt G+J vorerst nur zwei Hefte pro Jahr. Der Vorteil: Wenn’s nicht funktioniert, kann der Verlag den Titel damit nach außen leichter als bloß sporadisches Sonderheft behaupten. Denn merke: Flops gibt’s bei den G+J-Personality-Titeln nicht mehr – das heißt jetzt "Pop-up-Magazin" (im Falle von "Boa") oder "Staffelfinale" (bei "JWD").

Selbstbewusster zeigt man sich beim Copypreis: "Brigitte Leben" kostet stolze 9,80 Euro, ähnlich wie Funkes "I am" (10 Euro), das aus der branchenweiten (Vermarktungs-)Not eine (Vertriebsmarkt-)Tugend macht, auf Anzeigen verzichtet und mit der Werbefreiheit offensiv um Leser wirbt. Anders "Brigitte Leben": Zwar sind die 132 Seiten des Premierenheftes weitgehend frei von bezahlten Anzeigen – doch das soll nicht so bleiben. "Da der Markt bereits einige Psychologietitel zu bieten hat, die die übliche Schwere in sich tragen, wollen wir den Anzeigenmarkt mit der ersten Ausgabe zunächst inhaltlich überzeugen und mit der zweiten Ausgabe natürlich für uns gewinnen", sagt Publisher Iliane Weiß.

Mit dem Heft (Druckauflage 100.000 Exemplare) wolle man die Leserinnen nicht nur "mit handfesten Ideen" zum Selbstcoaching für die persönliche Weiterentwicklung und für ein erfülltes Leben unterstützen, sondern zugleich auch unterhalten. "Psychotainment – und keine bleischwere Psychokost", sagt Brigitte Huber, Chefredakteurin der Brigitte-Gruppe. Redaktionsleiterin des neuen Ablegers ist Meike Dinklage. rp 
Die Erstausgabe von "Brigitte Leben"
© Gruner+Jahr
Die Erstausgabe von "Brigitte Leben"

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