Programmzeitschrift

75 Jahre "Hörzu" - von der Radio-Ära ins Streaming-Zeitalter

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Hörzu war die erste deutsche Programmzeitschrift
© IMAGO / Schöning
Hörzu war die erste deutsche Programmzeitschrift
Als die Programmzeitschrift mit dem eindringlichen Imperativ "Hör zu!" am 11. Dezember 1946 das erste Mal erschien, war sie gerade einmal zwölf Seiten dick - weil das Papier damals knapp war. Und doch war das dünne Blatt sowohl der Grundstein für ein Medienimperium als auch die erste Programmzeitschrift in Deutschland.

Das bedeutete damals: Sie war die erste Illustrierte, die den Programmablauf öffentlich-rechtlicher Radiosender auflistete. Und sie war das erste Printprodukt, das Axel Springer als Verleger auf den Markt brachte. Mittlerweile bietet die nun 75 Jahre alte Zeitschrift "Hörzu" (die Schreibweise des Titels ist im Jahr 1972 geändert worden) Woche für Woche deutlich mehr als nur das Radio- und Fernsehprogramm - und kann auch deshalb mit der Konkurrenz mithalten. 


2019 gehörte "Hörzu" zu den fünf Publikumszeitschriften in Deutschland, die den meisten Umsatz einfuhren. Demnach konnte sie im Vergleich zum Vorjahr trotz leicht gesunkenem Umsatz einen Platz gutmachen und sich so hinter dem "Spiegel", dem "Stern" und der "Bunten" einsortieren. Im dritten Quartal 2021 hatte sie eine Druckauflage von fast 930.000 Exemplaren. 

Zum Vergleich: die 14-tägig erscheinende "TV Spielfilm" hat eine Auflage von knapp 777.000, die ebenfalls wöchentlich erscheinende "TV Hören und Sehen" liegt bei etwas mehr als 518.500 Exemplaren. 

Die "Hörzu" gehörte bei mehreren Generationen zum Ensemble "Sofa - Fernseher - Programmzeitschrift" wie selbstverständlich dazu. Schon in ihren Anfangsjahren öffnete sie sich und verbreiterte auch inhaltlich ihr Angebot. Aus der Programmzeitschrift wurde so eine Familienillustrierte mit Programm. Und das ist auch heute noch so. 

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Die Jubiläumsausgabe skizziert auch die erfolgreichsten Bausteine der Zeitschrift: dazu gehören ein Igel, ein Fernsehpreis und ein Bilderrätsel. Denn viele dürften die "Hörzu" auch mit Mecki verbinden. Die stachelige Comicfigur war mit Beginn der 1950er Jahre lange ein Teil der Programmzeitschrift. Woche für Woche. Dank seines "Haarschnitts" wurde Mecki in der Adenauer-Zeit sogar Namensgeber für eine bestimmte Frisur. Nach einer mehrjährigen Pause zwischen 1978 und 1985 ist Igel Mecki nun wieder mit einem Comic ein Teil der immer freitags erscheinenden Ausgaben. 

Mit der "Hörzu" haben zudem in der Rubrik "Original und Fälschung" Kunstsuchbilder ihren Anfang gefunden und waren Vorbild für viele andere Zeitschriften. Auch die Karikaturen von Wolf-Rüdiger Marunde sind seit 1995 auf der letzten Seite der Zeitschrift zu finden. 

Lange Zeit gehörte auch die von der Zeitschrift ins Leben gerufene Verleihung der Goldenen Kamera zu den wichtigsten Events im Laufe des Fernseh- und Filmjahres. Zwischen 1966 und 2020 wurden Verlagsangaben zufolge 752 Goldene Kameras an nationale wie internationale Stars verliehen. Zuletzt war das Spektakel stets im ZDF zu sehen. Nach mehr als 50 Ausgaben fiel die Verleihung im Frühjahr 2020 corona-bedingt allerdings aus. Seit dem Ausbruch der Pandemie fand die Goldene Kamera wie viele andere Galas nicht mehr statt. 

Auch mit Gründer Axel Springer verbindet die Zeitschrift nur noch die Vergangenheit. 2014 wurde die "Hörzu" vom Verlag Axel Springer an die Funke-Mediengruppe verkauft. Mit nun 75 Jahren setze die "Hörzu" nach wie vor auf die Themen der Zeit, heißt es von der Funke-Mediengruppe. "Mit der "Hörzu" wollen wir nicht nur den besten Überblick über das aktuelle TV-Programm liefern, sondern auch informativen, spannenden und erhellenden Lesestoff bieten", so Chefredakteur Christian Hellmann dazu. Gefeiert wird mit einer goldenen Jubiläumsausgabe, die bereits seit einigen Tagen an den Kiosken liegt.

Christiane Bosch, dpa

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