Pro Sieben Sat 1 Media

Kurskorrektur in Unterföhring

   Artikel anhören
Max Conze, Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat 1 Media
Pro Sieben Sat 1
Max Conze, Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat 1 Media
Die Vorstands-Soap-Opera bei Pro Sieben Sat 1 ist vorerst beendet. Der angezählte Vorstandschef Max Conze muss seinen Posten mit sofortiger Wirkung räumen, Finanzchef Rainer Beaujean wird als Sprecher des Vorstands der neue starke Mann in Unterföhring. Die Demission des bisherigen CEOs geht außerdem mit einer Kurskorrektur einher: Der TV-Konzern konzentriert sich wieder auf sein Kerngeschäft, mit Wolfgang Link zieht außerdem erstmals seit Jahren wieder ein Fernsehprofi in den Vorstand ein.
Die überraschende Demission von Max Conze und die neue strategische Ausrichtung von Pro Sieben Sat 1 Media auf den Entertainment-Sektor ist auch ein Eingeständnis des Scheiterns. In den letzten Jahren schien das klassische und tendenziell rückläufige Fernsehgeschäft nicht unbedingt ganz oben auf der Prioritätenliste des Vorstands zu stehen. Bei der Vorlage der Bilanz für 2019 verkündete Pro Sieben Sat 1 noch stolz die Übernahme des Online-Dating-Unternehmens The Meet Group. Nun sollen die Beteiligungen "zu gegebener Zeit" verkauft werden.


Die Berufung von Wolfgang Link in den Vorstand ist ein klares Bekenntnis des Konzerns zu seinem derzeit schwächelnden Kerngeschäft, der Produktion und dem Vertrieb von Bewegtbildinhalten. Link war vor seiner Berufung zum Co-CEO des Segments Entertainment sechs Jahre lang als Vorsitzender der Geschäftsführung der Pro Sieben Sat 1 TV GmbH für alle deutschen TV-Sender des Konzerns verantwortlich. Zuvor war der 52-Jährige unter anderem Unterhaltungschef von Sat 1, wo er einen der letzten großen Erfolge der Sendergruppe, die Castingshow "The Voice of Germany" verantwortete.
Wolfgang Link
© ProSiebenSat.1/Martin Saumweber
Wolfgang Link
Man kann davon ausgehen, dass der leidenschaftliche Fernsehmacher dafür sorgt, dass wieder deutlich mehr Energie und Geld in die Inhalte der Sendergruppe fließen werden. Der Schwerpunkt soll dabei auf lokalen Produktionen und Live-Inhalten liegen, wie Pro Sieben Sat 1 mitteilt. Eine wichtige Rolle werde dabei auch der Produktionsarm des Konzerns, die Red Arrow Studios spielen, die Conze bis vor kurzem noch loswerden wollte. Der Verkauf scheiterte allerdings mangels geeigneter Interessenten. Die entscheidende Frage ist allerdings, ob die Rückbesinnung auf die Stärken von Pro Sieben Sat 1, das Entertainmentgeschäft, nicht zu spät kommt. Durch die Corona-Krise erlebt das klassische Fernsehen derzeit zwar eine kleine Renaissance – allerdings dürfte sich auch der Boom der Streamingdienste durch die aktuelle Ausnahmesituation noch einmal beschleunigen. Mit Disney+ ist just in dieser Woche ein weiteres Branchenschwergewicht in Deutschland gestartet. Die Luft für die deutschen Herausforderer von Netflix & Co. dürfte damit noch einmal dünner werden.

Bei den Anlegern kam die Nachricht vom Ausscheiden Max Conzes und der neuen Strategie indes gut an: Der Aktienkurs, der seit Jahren im Sinkflug ist, schnellte am Freitag zeitweise um über 10 Prozent in die Höhe. dh
Bitte loggen Sie sich hier ein, damit Sie Artikel kommentieren können. Oder registrieren Sie sich kostenlos für H+.
stats