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Spex wird eingestellt

Spex wird nach 384 Ausgabe eingestellt
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Spex wird nach 384 Ausgabe eingestellt
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Es sind keine guten Zeiten für Musikmagazine: Nach Intro und Groove verabschiedet sich zum Ende des Jahres auch Spex von seinen Lesern. Das gibt die Redaktion im Editorial der aktuellen Ausgabe bekannt. Neben dem rückläufigen Anzeigengeschäft habe auch das geänderte Medienverhalten zu der Entscheidung beigetragen. 
"Wenn Sie die jüngeren – und teilweise auch gar nicht mehr so jungen – Entwicklungen im internationalen Zeitschriftenwesen verfolgt haben, kennen Sie die Gründe für die Einstellung von Spex bereits", heißt es im Editorial der aktuellen Ausgabe. Immer mehr Unternehmen würden sich vollständig aus dem Printgeschäft zurückziehen und ihre Marketinggelder stattdessen vermehrt in Social-Media-Werbung investieren – "ein Trend, der sich 2018 nochmals verschärft hat". 


Aber auch das Medienverhalten des "popinteressierten Publikums" habe sich verändert. In Zeiten, in denen "beinahe alle Platten der Welt für beinahe alle Menschen gleichzeitig verfügbar sind", habe sich die sogenannte Gatekeeperfunktion von Pop-Journalist_innen "weitgehend erledigt". Zwar habe man sich schon lange von der Rolle der allwissenden Kritiker verabschiedet, die vom hohen Ross herab über Bands, deren Alben und sonstige Kulturschaffende urteilen und habe versucht, aus der Mitte des Geschehens zu berichten. Trotzdem habe man kein Mittel gegen die langsam, aber stetig sinkenden Verkaufs- und Abonnementzahlen und "die  zunehmend prekäre Marktlage" gefunden. 
Die aktuelle "Spex"
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Schon immer definierte sich Popkultur durch Abgrenzung: Kinder von Eltern, Punks von Skins, Gitarrenmusik von Electro. Als "Magazin für Popkultur" scheint der Platz der Zeitschrift "Spex" deshalb seit jeher vorgezeichnet gewesen zu sein. Abseits vom Mainstream, in der Gegenöffentlichkeit, wie es Mitgründer Peter Bömmels einmal bezeichnet hat, sprich: in der Nische. Von dort gelingt der Bibel unter den Musiktiteln allerdings nach wie vor Großes - von den zur Positionierung passenden Auflagenzahlen einmal abgesehen: "Spex" fasst Töne in Wörter, kleidet Mode in gesellschaftliche Statements, macht Popjournalismus zu Diskurs.

Spex wurde 1980 als Fanzine in Köln gegründet und mauserte sich in der Folge zu einer der bekanntesten Indie-Musikzeitschriften Deutschlands. In den vergangenen Jahren tat sich das Magazin angesichts zahlreicher kostenloser Angebote im Internet aber zunehmend schwer. 2015 lag die Auflage des zweimonatlich erscheinenden Magazins noch bei rund 8000 Exemplaren pro Ausgabe. Jüngere Zahlen gibt es nicht, seit 2016 meldet Spex seine Auflage nicht mehr an die IVW. Die 384. und letzte Ausgabe von Spex erscheint am 27. Dezember. dh

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