Paid Content

So schlagen sich die Bezahlmodelle von Spiegel, Bild, SZ, taz & Co.

Mittlerweile haben sich Bezahlmodelle für redaktionelle Inhalte im Netz etabliert
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Mittlerweile haben sich Bezahlmodelle für redaktionelle Inhalte im Netz etabliert
Die taz erwägt die Einstellung der gedruckten Ausgabe unter der Woche. Zusätzliche Digitalerlöse sollen den fehlenden Umsatz ausgleichen. Bei der vergleichsweise kleinen Zeitung aus Berlin könnte das tatsächlich klappen. Aber auch andere Verlage verdienen mit ihren redaktionellen Angeboten im Netz mittlerweile richtig Geld. Wie erfolgreich sind Spiegel+, Bild+, & Co? Eine Übersicht. 

taz

Die taz ist bekannt dafür, vieles anders zu machen als andere Tageszeitungen. Nicht nur das redaktionelle Konzept und die Rechtsform unterscheiden sich erheblich von dem der meisten anderen Zeitungen, auch das Bezahlmodell der taz im Internet ist eine Besonderheit in der deutschen Medienlandschaft. Wer auf taz.de einen Artikel lesen will, wird mit dem Hinweis "taz zahl ich" dazu aufgefordert, freiwillig für den Inhalt zu bezahlen. Wer das nicht möchte, kann den Hinweis einfach wegklicken. 2017 kamen auf diese Art und Weise immerhin 736.000 Euro von rund 10.000 Lesern zusammen. Mit dem E-Paper und der App erlöste der Verlag noch einmal rund 1,2 Millionen Euro. Diese und andere Zahlen gehen aus dem "Szenario 2022" hervor, das taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch kürzlich bei der Vorstellung des neuen Hauptquartiers in Berlin präsentiert hat. 


Die taz erwägt, sich die gedruckte Ausgabe ab 2022 angesichts hoher Druck- und Vertriebskosten an Werktagen zu sparen und nur noch am Wochenende eine gedruckte Ausgabe herauszubringen. Um die wegfallenden Print-Erlöse auszugleichen, bräuchte die taz jeweils 20.000 Abonnenten für die Wochenendausgabe, die Kombi aus täglichem E-Paper und Wochenndausgabe, 20.000 Digital-Abis und 20.000 regelmäßigen Taz-zahl-Ich-Lesern. 

Bild

Axel Springer gehört mit Bild Plus (seit 2013) und Welt Plus (seit 2012) zu den Paid-Content-Vorreitern in Deutschland. Laut dem jüngsten Halbjahresbericht des Konzerns verzeichnete Bild Plus im Juni rund 400.000 Digitalabonnements, dazu kommen noch einmal rund 80.000 Abonnenten für Welt Plus. Beide Titel kommen zusammen auf "fast 485.000 Digital-Abos", so steht es in der jüngsten Bilanz. Der Anteil der digitalen Erlöse liegt im Segment News Media bei rund einem Viertel (25,8 Prozent), wobei Springer die Anteile der Vertriebs- und der Werbeerlöse im Digitalbereich nicht weiter aufschlüsselt. 

Die Preise bei BildPlus sind überschaubar: Das monatlich kündbare Abo kostet 5 Euro pro Monat, bei 12 Monaten Laufzeit verringert sich der Preis auf 4 Euro pro Monat. Für 13 Euro pro Monat bekommt man außerdem Zugriff auf die E-Paper von Bild, BamS und Fußball-Bild. 


Bei der Welt kostet der Zugriff auf Welt-Plus-Artikel 10 Euro pro Monat, für 20 Euro bekommt man die App Welt Edition dazu. Wer zusätzlich die E-Paper von Welt und Welt am Sonntag lesen will, muss noch einmal 2 Euro mehr bezahlen. 

Spiegel

Der Spiegel hat nach den gescheiterten Versuchen mit dem Einzelverkauf von Artikeln und dem glücklosen Digitalprodukt Spiegel Daily in diesem Jahr den Reset-Knopf gedrückt und seine digitalen Produkte noch einmal grundlegend umgebaut. Die Logik folgt nun dem von Bild & Co. bekannten Freemium-Modell: Exklusive Inhalte sind nur noch mit dem Digital-Abo Spiegel+ zugänglich, das regulär 20 Euro im Monat kostet. Ehemalige Abonnenten von Spiegel Daily lesen die Inhalte für 12 Monate noch zum Daily-Preis von 7 Euro. 

Die erste Bilanz, die Spiegel Online nach drei Monaten vorgelegt hat, kann sich dabei durchaus sehen lassen: So verzeichnete der Spiegel Ende August 18.500 bezahlte Spiegel+-Abos. Dazu kommen noch einmal 10.000 Probe-Abos. Zusammen mit den 31.000 Abonnenten der Digital-Ausgabe und den 35.000 Lesern, die zusätzlich zum gedruckten Spiegel auch die digitale Version lesen, haben mittlerweile 94.500 Leser Zugang zu Spiegel+. Damit liege man "deutlich über den Erwartungen vor dem Start von Spiegel+", schreibt das Team um Stefan Ottlitz (ehemals Plöchinger) in einem Blogeintrag bei Medium.comVon den 18.500 Abonnenten von Spiegel+ haben rund 13.500 in den ersten drei Monaten ein Abo abgeschlossen - rund 5000 Abonnenten sind ehemalige Nutzer des früheren Abo-Angebots Spiegel Daily. Die Umwandlungsquote nach dem ersten Gratismonaten liegt bei 65 Prozent. 

Süddeutsche Zeitung

Stefan Ottlitz war vor seinem Wechsel zum Spiegel zusammen mit Julia Bönisch auch verantwortlich für den Aufbau von SZ Plus, dem Paid-Content-Modell der Süddeutschen Zeitung. Und auch das ist dreieinhalb Jahre nach dem Start sehr erfolgreich unterwegs. "Ja, wir sind damit zufrieden und wir verdienen damit richtig Geld", sagte Bönisch schon vor knapp einem Jahr im Video-Interview mit HORIZONT Online und turi2.tv. Auf Nachfrage verrät die seit 2017 amtierende Chefredakteurin von SZ.de auch konkrete Zahlen: Aktuell verzeichnet SZ.de 65.000 SZ-Plus-Abonnenten. Damit liege man über Plan. 
Zum Umsatz verrät Bönisch nichts - insgesamt mache SZ.de mit Paid Content aber mittlerweile mehr Umsatz als mit Anzeigen. 

Die ungefähre Höhe des Umsatzes könnte man sich ausrechnen: Neukunden bezahlen für die ersten zwei Monate 20 Euro für SZ Plus, der reguläre Preis liegt bei 35 Euro im Monat. Zur Kündigungsquote sagt Bönisch nur so viel: "Wir sind sehr zufrieden." 

Die Zeit

Zeit Online hat sich lange Zeit gelassen mit der Einführung von Paid Content. "Wir waren ja quasi die Vorletzten, die ein Digital-Abo eingeführt haben, weil wir erst einmal Reichweite aufbauen und beobachten wollten, wie es andere machen. Das war im Rückblick die richtige Entscheidung", erklärte Zeit-Online-Chefredakteur Jochen Wegner im Interview mit HORIZONT

Zeit Online setzt bei seinem Modell Z+ auf eine Kombination aus Freemium-, Metered- und Log-in-Modellen. So sind zum Beispiel alle Inhalte aus der gedruckten Ausgabe auch online verfügbar, die Top-Geschichten sind allerdings nur den bisherigen und neuen Abonnenten des Digitalpakets vorbehalten. Seit dem Start des Modells Z+ im März 2017 verzeichnet Zeit Online 600.000 bestätigte Registrierungen und 75.000 Probeabos, die sowohl über das rote (exklusive Inhalte für Abonnenten) als auch über das graue Z+ (registrierungspflichtige Inhalte) generiert wurden. Insgesamt liegt die bezahlte Digitalauflage laut Verlag jetzt bei über 100.000 Exemplaren, wobei diese Zahl sowohl die harte Auflage als auch den digitalen sonstigen Verkauf, zum Beispiel durch Upsells aus Print 
umfasst. 

Zum Umsatz macht auch Zeit Online keine Angaben. Zeit-Online-Chef Wegner zeigte sich jedoch schon gut ein halbes Jahr nach dem Start von Z+ von den guten Zahlen überrascht. Die Erlöse, die man über Z+ generieren, mache "einen wachsenden Anteil der Erlöse von Zeit Online aus" und könne bald das Anzeigengeschäft überholen. dh
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