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Funke bittet Online-Leser zur Kasse

Für Andreas Schoo ist Funkes Experiment "Neuland für die Branche"
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Für Andreas Schoo ist Funkes Experiment "Neuland für die Branche"
Der BDZV hat aktuell durchgezählt: Im August boten von knapp 700 Zeitungswebseiten 212 Bezahlinhalte an, doppelt so viele wie vor vier Jahren. 70 Prozent setzen auf das Freemium-, 18 Prozent auf das Metered-Modell, aber nur 9 Prozent auf eine harte Paywall. Diese letzte Gruppe wird demnächst größer werden, denn die Funke Mediengruppe hat entschieden, bei ihren Regionalzeitungen die Bezahlschranke hochzuziehen.

Klicken oder zahlen, diese Frage trennt das Netz in zwei Welten, nun auch bei Funke. Der Konzern teilt seine Portale künftig auf: einerseits in rein klickbasierte Reichweitenangebote nach dem Vorbild des skandinavischen Schibsted-Konzerns, andererseits in Markenportale, für die Nutzer zahlen müssen. Für Geschäftsführer Andreas Schoo ist das „ein Riesenexperiment“, gar „Neuland für die Branche“, denn „um langfristig mit unseren regionalen Portalen erfolgreich zu sein, müssen wir vom Nutzer Geld verlangen“.



Seit April ist der frühere Bauer-Manager neben Ove Saffe und Michael Wüller Geschäftsführer des Essener Konzerns. Zu seinem Antritt sagte die Funke-Aufsichtsratsvorsitzende Julia Becker, der 58-Jährige sei ein „Verlagsmanager mit einem Blick für innovative Verlagsstrukturen und besonders auch für digitale Plattformen“. Dieser Erwartung wird Schoo mit der nun beschlossenen Digital-Strategie für die Zeitungen gerecht. Er sagt, es hänge nicht weniger als die Zukunft davon ab, ob mit digitalen Abonnenten ein relevantes Geschäft aufzubauen sei: „Ich bin mir sicher, mit regionalen Informationen ist das machbar.“ Das setze voraus, „dass wir es konsequent angehen und das Digitale radikal in den Mittelpunkt stellen: ohne Kompromisse und ohne Rücksicht“. Print allein verteidigen zu wollen, sei der falsche Weg.

Konkret bedeutet das: Nach und nach wird Funke in seinen fünf Verbreitungsgebieten vor allen Zeitungsportalen eine Bezahlschranke hochziehen. Beim Hamburger Abendblatt, das unter dem Vorbesitzer Axel Springer schon einmal eine Paywall hatte, läuft der Test bereits. Nach sechs Wochen zählt Funke 1000 Digitalabonnenten. Bis zum 1. Quartal 2019 sollen sich alle weiteren Titel, auch die Thüringer, dem Schritt angeschlossen haben. Noch in diesem Jahr folgen entweder die Portale in NRW oder die Berliner Morgenpost. Sie wäre in der wettbewerbsintensiven Hauptstadt die erste Zeitungs-Webseite mit Paywall. Zwar plant der Tagesspiegel Ähnliches, will sich aber erst zum Jahresende äußern. Keinerlei Pläne hegt die Berliner Zeitung. 


Das Ziel von Funke ist, mit Digital-Abos absehbar einen zweistelligen Umsatzanteil zum Geschäft mit Regionalzeitungen beizutragen. 2017 erzielte der Konzern bei einer Eigenkapitalquote von 36,6 Prozent 1,26 Milliarden Euro Umsatz (2016: 1,3 Milliarden Euro). Dazu trugen die Zeitungen 554 Millionen Euro bei. 2016 waren es noch 592 Millionen Euro. usi 
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Wie die Pläne für die boulevardesken Reichweitenportale Der Westen, News 38 in Braunschweig und TH24 in Thüringen aussehen, welche Aufgabe die aktuelle Der-Westen-Chefredakteurin Marie Todeskino übernehmen wird, was die Digitalstrategie für Funke insgesamt bedeutet und welche Rolle künftig Funke Digital in Berlin spielen wird, lesen HORIZONT-Abonnenten in der Ausgabe vom 13. September, die Sie ab Mittwochabend auf Ihrem Tablet oder Smartphone (Android und iOS) lesen können. HORIZONT-Abonnenten können die E-Paper-Ausgaben kostenlos auch auf Ihrem PC/Mac abrufen. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.

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