P7S1-Vorstand Albert zu Public Value

"Was ist uns eine meinungsplurale Gesellschaft wert?"

Conrad Albert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender Pro Sieben Sat 1
© Hans-Rudolf Schulz
Conrad Albert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender Pro Sieben Sat 1
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Conrad Albert, Vorstand von Pro Sieben Sat 1, fordert Geld für Public-Value-Inhalte und stellt sich in HORIZONT einer Diskussion über Vor- und Nachteile einer solchen Subvention. Sein Tenor: Deutschland braucht eine ergebnisoffene Diskussion über die Finanzierung von Inhalten, die der Gesellschaft nützen, und über die Zukunft des dualen Rundfunksystems.

Herr Albert, wie fühlt man sich, wenn man für ein börsennotiertes Unternehmen spricht und dann nach Subventionen verlangt? Der wichtigste Unterschied zwischen Medienunternehmen und Unternehmen anderer Branchen ist, dass wir ein Wirtschaftsgut herstellen, aber auch Kulturgut sind. Wir bilden die vierte Säule einer demokratischen Gesellschaft. Wir Medienhäuser stehen in der Verantwortung, Inhalte einzuordnen, zu kuratieren und Public Value zu schaffen. Und: Wir handeln zum Wohle all unserer Stakeholder. Dazu gehört auch und vor allem die Gesellschaft. Diese Verantwortung ist hoch.

Das machen Sie doch schon, warum nun Staatsgeld dafür nehmen? Wir subventionieren unsere Public-Value-Inhalte mit Entertainment-Inhalten quer. Für mich ist es aber wichtig, Wege zu finden, beide Seiten – private wie öffentlich-rechtliche Anbieter – zu incentivieren, noch mehr im Bereich Public Value zu machen. Die jungen Menschen wandern aus klassischen Medien ab und kennen fast nichts anderes als die algorithmusbasierten Informationswelten. 

Conrad Albert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender Pro Sieben Sat 1
© Hans-Rudolf Schulz
Conrad Albert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender Pro Sieben Sat 1
Im Moment gehen die über 8 Milliarden Gebührengelder an ARD, ZDF und Deutschlandfunk. Wenn die privaten Sender für Public-Value-Inhalte ebenfalls Geld bekommen sollen, müssten die Verbraucher noch mehr für Rundfunk bezahlen. Ist das der richtige Weg? Ihre Frage führt genau zu meinem Vorschlag. Wir brauchen eine Struktur-Task-Force, die sich aus Vertretern aller Bereiche zusammensetzt und die Effizienz des Systems grundlegend hinterfragt, ohne Denkverbote. Sparvolumen ist da, Stellhebel gibt es verschiedene.
„Sparvolumen ist da, Stellhebel gibt es verschiedene.“
Conrad Albert, Pro Sieben Sat 1
Da sitzen dann vor allem die Profiteure einer solchen Subvention am Tisch. Ihre Schlussfolgerung klingt, als würden die Verbraucher nicht von einer gesunden Medienlandschaft und Informationsvielfalt profitieren.

Es macht aber einen großen Unterschied, ob der Verbraucher wie bei Presseerzeugnissen selbst entscheiden kann, ob er "Spiegel" oder "FAZ" kauft, oder ob er eine pauschale Abgabe zahlen muss, egal ob er das Programm schaut. Das ist richtig. Die Rundfunkgebühren zahlen die Verbraucher ja auch nicht freiwillig. Wenn wir über öffentliche Finanzierung beziehungsweise Zwangsabgaben sprechen, geht es aber immer auch um die Frage, ob der Bürger einen Mehrwert hat und was uns eine meinungsplurale Gesellschaft wert ist.

Interview: pap 

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