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Martin Liss (l.) im Gespräch mit Marcel Fratzscher und Katja Brandt
Radio Advertising Summit
Ökonom Marcel Fratzscher beim RAS

"Wir werden einen kleinen Boom erleben"

Martin Liss (l.) im Gespräch mit Marcel Fratzscher und Katja Brandt
Der Ökonom Marcel Fratzscher ist optimistisch, dass die Konjunktur nach dem Ende der Corona-Pandemie schnell wieder anzieht. Bereits jetzt floriere die Industrie wieder - und auch der Handel könne von Nachholeffekten profitieren, sobald die Einschränkungen gelockert werden, so die Erwartung des Präsidenten des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. 
von David Hein Dienstag, 04. Mai 2021
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Bereits nach der ersten Welle der Pandemie im Sommer vergangenen Jahres seien Wirtschaftsforscher überrascht gewesen, was für einen Boom man nach den Lockerungen erlebt habe. Einen vergleichbaren Effekt erwarte er auch nach dem Ende der aktuellen Beschränkungen, so Fratzscher beim Radio Advertising Summit der Radiozentrale. "Die Unternehmen stehen in den Startlöchern, der Neustart kann gelingen", betonte der Ökonom.

Ein Hauptgrund für seinen Optimismus ist der private Konsum: Er erwarte Aufholeffekte. Viele Haushalte hätten größere Anschaffungen zurückgestellt, die Sparquote sei gestiegen. Sobald der Handel wieder öffne, werde der private Konsum wieder anspringen: "Die Konsumenten wollen ihr normales Leben zurückhaben. Die Menschen wollen in der Stadt einkaufen gehen und andere Menschen treffen." 

Die Frage sei, wie sich die Lage nach dem ersten Boom, der seiner Meinung nach zwei Quartale anhalten wird, entwickeln wird. Viele Unternehmen seien finanziell am Limit und hätten ihre Ressourcen aufgebraucht. Außerdem werde man bestimmte Entwicklungen nicht mehr zurückdrehen können, zum Beispiel im Einkaufsverhalten. "Wir werden im Einzelhandel nie wieder dahin zurückkehren, wo wir hergekommen sind", schränkte Fratzscher ein. Man müsse daher die Innenstädte stärken und neue Konzepte entwickeln. Ein Ansatz dafür könne die Stärkung des regionalen Handels sein. Durch die Pandemie sei die Wertschätzung für regionale Produkte gestiegen, auch Werte würden eine größere Rolle spielen.
Katja Brandt
© Mindshare
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Katja Brandt, CEO der Mediaagentur Mindshare, pflichtete Fratzscher bei: "Ich teile den Optimismus. Vor allem Marken wurden in der Krise gestärkt und haben von dem in sie gesetzten Vertrauen profitiert", sagte die Media-Expertin. Unternehmen, denen es gelinge, in den Monaten nach der Pandemie positive Markenerlebnisse zu schaffen, würden davon lange und überdurchschnittlich profitieren. 

Befragt nach ihren Erwartungen für die Zeit nach der Pandemie hoffen sowohl der Ökonom als auch die Media-Managerin, dass die deutschen Unternehmen aus der Krise gestärkt hervorgehen: "Meine Hoffnung ist, dass wir in fünf Jahren zurückschauen und sagen können, wir haben diese Herausforderung bestanden", betonte Fratzscher. Und Brandt würde sich freuen, wenn die Krise der deutschen Wirtschaft helfe, "sich zukunftsfähiger aufzustellen" - gerade in Hinblick auf die Digitalisierung. dh
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