"Neustart mit extraviel Lust und Leidenschaft"

So feiert die Hamburger Mopo ihren Abschied von DuMont – und appelliert an die Leser

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Die Mopo-Mitarbeiter wenden sich an die Leser in Hamburg
© Screenshot Mopo.de
Die Mopo-Mitarbeiter wenden sich an die Leser in Hamburg
Wie kann man Aufatmen, Aufbruchsstimmung und Abo-Appelle in Worte und Fotos fassen? Die Mitarbeiter der Hamburger Morgenpost demonstrieren das jetzt im eigenen Blatt. Ihr Titel werde zum Hamburger „Indie-Label“, freuen sich die Mopo-Macher. Und wenden sich an die Leser: „Ohne Sie wird das nix.“
Bereits am 6. Februar hatten Mopo-Mitarbeiter zum Stift gegriffen und die Etagen-Beschriftung im Fahrstuhl kurzerhand korrigiert: „DuMont Mediengruppe“ wurde dick durchgestrichen – daneben verbleibend eigenständig und stolz das rote Logo der Mopo, handschriftlich kommentiert mit einem entschlossenen „Neu!“. Große Erleichterung über das nahende Ende der elfjährigen Zugehörigkeit zum ungeliebten Kölner DuMont-Verlag war aus dieser kleinen Info-Improvisation herauszulesen.
Gleich nach dem Bekanntwerden stellten die Mopo-Mitarbeiter im Fahrstuhl die künftigen Verhältnisse klar
© HORIZONT
Gleich nach dem Bekanntwerden stellten die Mopo-Mitarbeiter im Fahrstuhl die künftigen Verhältnisse klar
Erst wenige Stunden zuvor hatte sich der Hamburger Digitalmanager Arist von Harpe den rund 50 festen Redaktions- und 20 Verlagsmitarbeitern in Hamburg-Ottensen als Käufer und künftiger Verleger vorgestellt – und ihnen nach dramatischen Wochen der Unsicherheit mit ein paar Grundsatzaussagen und einer laut Betriebsrat „viel versprechenden Mischung aus Idealismus und Realismus“ so etwas wie Hoffnung gemacht. Am vergangenen Donnerstag war es soweit: Nach dem Eigentumsübergang ist von Harpe offiziell der neue Verleger der Mopo, der siebte in 70 Jahren.


Für die Samstagsausgabe griffen die Mopo-Mitarbeiter, nun unter neuem Chefredakteur, erneut zum Schreibgerät – und wenden sich jetzt nicht nur an die Fahrstuhlfahrer im Haus, sondern an alle Leser in Hamburg: „Neuanfang bei der Mopo – Das hier ist ein Versprechen!“, heißt es programmatisch in der Überschrift. Unter einer Fotocollage verkünden die „Charakterköpfe“ (Bildtext) einen „Neustart nach der Zitterpartie, mit extraviel Lust und Leidenschaft“. Und freuen sich über einen „echten Kulturwandel“: „Wir sind jetzt unabhängig“, alle Entscheidungen treffe man künftig selbst. Die Mopo werde zum „Indie-Label“, mit mehr gutem, lebendigem Journalismus für Hamburg und mit neuen digitalen Produkten.

Allerdings: „Ohne Sie wird das nix“, schreiben die Mopo-Macher und meinen damit nicht nur Anregungen und Kritik, die sie von den Lesern bräuchten. Sondern auch: neue Abos. Der Abschluss eines Mopo-Festbezugs, ob Print oder Digital (E-Paper), sei „exzellent dafür geeignet“, ein „feines, aber kleines Haus wie die Mopo“ in Zeiten des Umbruchs der Medienbranche mit Gratiskultur im Netz und schrumpfenden Auflagen zu unterstützen.


Spätestens die IVW-Zahlen des 2. Quartals, die Mitte Juli erscheinen, werden zeigen, ob die Appelle (und anstehende Heftveränderungen) gefruchtet haben. Ende 2019 verkaufte die Mopo werktags nur noch 44.748 Exemplare, mal wieder 12 Prozent weniger als im Vorjahr. „Hart“ verkauft waren es sogar nur noch gut 30.000 Hefte. Digital dagegen sieht sich Mopo.de mit rund 25 Millionen Visits im Januar (eigene Angaben nach Adobe Analytics) als Reichweitenführer im Norden. Allerdings kann der Verlag damit über Werbevermarktung viel weniger als geplant erlösen – und bisherige Versuche mit Paid Content sind gescheitert. rp
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