Neue Spitze

Katrin Vernau wird Interims-Intendantin beim RBB

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Erst im zweiten Wahlgang haben die Mitglieder des Rundfunkrates die Verwaltungsratschefin des WDR, Katrin Vernau, zur rbb-Interimsintendantin gewählt.
© IMAGO / Carsten Dammann
Erst im zweiten Wahlgang haben die Mitglieder des Rundfunkrates die Verwaltungsratschefin des WDR, Katrin Vernau, zur rbb-Interimsintendantin gewählt.
Die WDR-Managerin Katrin Vernau soll den ARD-Schwestersender Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) inmitten seiner schwersten Krise in den nächsten Monaten als Interims-Chefin führen. Am Mittwoch wählte das Kontrollgremium RBB-Rundfunkrat die 49 Jahre alte Verwaltungsdirektorin des Westdeutschen Rundfunks (WDR) im zweiten Wahlgang zur Interims-Intendantin.
Damit wurde eine Lösung innerhalb der ARD und des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems gefunden. Auf Vernau kommt eine schwierige und mühsame Zeit zu. Ihr Chef und WDR-Intendant Tom Buhrow hatte es vor Tagen im Landtag Sachsen-Anhalt salopp als einen "Feuerwehreinsatz" bezeichnet, was einen Interims-Chef beim RBB erwarte.

Vorwürfe des Filzes und der Vetternwirtschaft gegen die fristlos entlassene Intendantin Patricia Schlesinger und den zurückgetretenen Chefkontrolleur Wolf-Dieter Wolf haben den öffentlich-rechtlichen Sender schwer beschädigt - und damit auch das gesamte System. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt und durchsuchte die Intendanz. Es läuft zudem eine externe Untersuchung einer Anwaltskanzlei. Schlesinger und Wolf wiesen Vorwürfe zurück. Bis zur Aufklärung der Vorwürfe gilt die Unschuldsvermutung.

Katrin Vernau sagte im Anschluss an ihre Wahl: "Ich freue mich über das Vertrauen und auf die vor mir liegende Herausforderung. Nun gilt es den rbb gemeinsam mit den Mitarbeitenden wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen und ihn zu einer starken Landesrundfunkanstalt für Brandenburg und Berlin zu machen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein wichtiger Baustein der Demokratie. Wir müssen ihn schützen und weiterentwickeln!"

Dorette König, amtierende Vorsitzende des Verwaltungsrats, würdigte die neue Intendantin als "exzellente Managerin, die über vielfältige und umfangreiche berufliche Erfahrungen verfügt und verschiedene Restrukturierungsaufgaben erfolgreich gemeistert hat. Ich bin davon überzeugt, dass Frau Dr. Vernau durch Ihre Kenntnis der ARD schnell für den rbb wirksam werden kann."

Im Vorfeld der Wahl befasste sich eine Findungskommission, bestehend aus dem Vorsitzenden des Rundfunkrates, der Vorsitzenden des Verwaltungsrates, der Personalratsvorsitzenden und der Sprecherin der Freienvertretung, mit der Suche nach einer geeigneten Kandidatin bzw. einem geeigneten Kandidaten. Die Kommission einigte sich einvernehmlich auf Katrin Vernau. "Im Findungsprozess mussten alle über ihren Schatten springen", sagte Dieter Pienkny, amtierender Rundfunkratsvorsitzender. "Im Vordergrund der Findungskommission stand aber der Wunsch, die beste Lösung für den rbb in der Übergangsphase zu finden."

"Für die derzeit anstehenden drängenden Aufgaben halten wir Frau Dr. Vernau für eine gute Lösung und tragen die Entscheidung mit", erklärte Sabine Jauer, Personalratsvorsitzende des rbb. Es gehe in der jetzigen Krise vor allem um Managementaufgaben, weniger um Programmaufgaben. "Als Wirtschaftsmanagerin und Verwaltungsexpertin aus der ARD verbinden wir mit Frau Dr. Vernau die Hoffnung, im konstruktiven Austausch mit der Belegschaft die schwere Vertrauenskrise zu bewältigen", so Jauer weiter.

Mit Vernau kommt eine Kennerin des verwinkelten und weit verzweigten öffentlich-rechtlichen Rundfunks zum RBB. Es hatte vor der Wahl auch Stimmen gegeben, die eine andere Lösung gefordert hatten - jemanden, der überhaupt nichts mit dem System zu tun hatte bislang, quasi "unbefleckt" ist.

Vernau ist für den WDR als größte ARD-Anstalt eine feste Bank. Sie steuert eine der größten Organisationen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie gilt als kompetent und anpackend, wenn man sich im ARD-Umfeld umhört. Im Mai 2019 wurde sie mit großer Mehrheit in ihrem Amt als Verwaltungsdirektorin wiedergewählt. Sie hat den Posten seit 2015 inne. Ihre aktuelle Amtszeit läuft bis Ende Februar 2025.

Vernaus Direktionsbereich beim WDR ist groß: Dazu gehören die Bereiche Personal, Finanzen, Gebäudewirtschaft, IT-Entwicklung, interne Organisationsberatung, Archive und Kantinenbetriebe. Der RBB ist im Vergleich zum WDR eine der kleineren ARD-Anstalten.

Die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin Vernau, die 1973 in Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg geboren wurde, hat auch Erfahrung in der Privatwirtschaft gesammelt. Sie war Partnerin bei der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants und leitete die Roland Berger School of Strategy and Economics. Zeitweise war sie auch Kanzlerin der Uni Hamburg und danach der Uni Ulm bis 2015.
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Mit der Personalie Vernau wird zugleich die Position des WDR innerhalb der ARD gestärkt. Buhrow selbst war bereits beim wichtigen Posten des ARD-Vorsitzenden eingesprungen, den Schlesinger inmitten der RBB-Affäre abgeben musste. Buhrow war ihr Vertreter gewesen und rückte damit nach. Der ARD-Chef vertritt die neun Häuser der Sendergemeinschaft bis Jahresende gegenüber Gesellschaft und Politik - eine Schlüsselfunktion. Danach wird voraussichtlich der SWR übernehmen.

Die Wahl Vernaus war nicht unumstritten, was per se nicht an ihrer Kompetenz lag. Dem Redaktionsausschuss und der Vertretung der freischaffenden Mitarbeiter des RBB, die in der Krise an Macht und Einfluss gewonnen haben, gefiel vielmehr nicht, dass es keine Auswahl von mehreren Kandidaten für die Interims-Position gab. Die Freienvertretung teilte zudem mit: "Das Agieren des WDR-Intendanten im Umgang mit der RBB-Führungskrise wurde in der RBB-Belegschaft mit großer Skepsis wahrgenommen. Allein der Eindruck, mit Frau Vernau werde eine Statthalterin des WDR eingesetzt, wäre eine erhebliche Bürde." dpa
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